Schauspielhaus Bochum

100-jähriges Bestehen des Schauspielhauses Bochum an der Königsallee

Am 30. Dezember 1915 eröffnete das Bochumer Stadttheater an der Königsallee mit Friedrich Schillers „Don Carlos“, einem Gastspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses. Als eigentlicher Gründungszeitpunkt gilt jedoch der Beginn der Intendanz von Saladin Schmitt im Jahr 1919, als das Bochumer Theater erstmals ein eigenes Ensemble bekam.
Die Entstehungsgeschichte des Schauspielhauses Bochum beginnt 1908, als das Apollo-Theater, ein Varieté-Theater des Bauunternehmers Clemens Erlemann, am heutigen Standort an der Königsallee eröffnete. Ab 1910 unterstützte eine städtische „Theaterkommission“ die Leitung des Theaters und bezuschusste es mit städtischen Geldern. Daraufhin wurde das Apollo-Theater „Neues Stadttheater“ und später „Stadttheater“ genannt. Nach einem abgebrochenem Umbau und dem endgültigen finanziellem Bankrott Erlemanns, kaufte die Stadt die Theaterruine im Januar 1914. Während des ersten Weltkrieges fanden jedoch nur Gastspiele anderer Bühnen in Bochum statt. Im November 1918 wurde Saladin Schmitt in Bochum zunächst als Oberspielleiter, dann als Intendant eingestellt. Schmitt engagierte das erste Bochumer Ensemble und eröffnete den stadteigenen Spielbetrieb mit Franz Grillparzers „Des Meeres und der Liebe Wellen“ am 15. April 1919.

Theater seit 1915:
Die Geschichte des Schauspielhauses Bochum

Im Dezember 1915 wird an der Königsallee das erste von der Stadt Bochum betriebene Theater eröffnet. Während des Ersten Weltkrieges gastierten dort die städtischen Bühnen aus Düsseldorf und Essen.

Nach Gründung der Duisburger Oper am 25. September 1921 schließt die Stadt Bochum mit Duisburg einen Vertrag, wonach die Schauspielaufführungen vom Schauspielhaus Bochum nach Duisburg und gleichzeitig musikalische Aufführungen der Duisburger Oper nach Bochum übernommen werden. Der gemeinsame Generalintendant beider Häuser war Professor Saladin Schmitt. Unter ihm machte sich das Theater schon bald als Shakespeare-Bühne einen Namen, die sich auch konsequent mit den deutschen Klassikern auseinandersetzte. Zu den Stars des Bochumer Ensembles dieser Zeit gehörten Gisela Uhlen und Horst Caspar. Zum Ende der Spielzeit 1934/35 wird die Theatergemeinschaft mit Duisburg beendet.

Bei einem Luftangriff am 4. November 1944 fast völlig zerstört, entstand auf den alten Fundamenten bis zum Herbst 1953 das heutige Bochumer Schauspielhaus nach den Entwürfen des Architekten Gerhard Graubner.
In den acht Jahren von 1945 bis zum Wiederaufbau wurde im Stadtpark-Restaurant im Stadtpark Bochum gespielt. Nach Graubners Plänen entstanden zudem in direkter Nachbarschaft des Schauspielhauses auf dem Gelände von Haus Rechen die Kammerspiele, die im Oktober 1966 eröffnet wurden.

Intendant Hans Schalla etablierte in den 1950er und 1960er Jahren Stücke moderner Autoren wie Sartre oder Beckett am Haus. Hans Schalla und sein über mehr als zwei Jahrzehnte am Schauspielhaus wirkender Bühnen-und Kostümbildner, Ausstattungsleiter, Regisseur und stellvertretender Intendant Max Fritzsche entwickelten gemeinsam den „Bochumer Stil“, der das Schauspielhaus über Deutschlands Grenzen hinweg berühmt machte. Charakteristisch war eine verknappte, nachexpressionistische Spielweise in Räumen von analytischer Klarheit. Zahlreiche Einladungen zu Gastspielen im In- und Ausland u. a. nach Paris, Venedig und Berlin festigten den Ruf des Hauses.

Mit der anschließenden Intendanz von Peter Zadek etablierte sich das Regietheater in Bochum. Zadek holte junge, in England ausgebildete Regisseure ans Haus und während seiner Intendanz war unter anderem Rainer Werner Fassbinder regelmäßiger Gast in Bochum. In Bochum begann auch Zadeks fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Protagonisten seiner spektakulärsten Inszenierungen: Ulrich Wildgruber, der bis zu seinem Tode in allen großen Shakespeare-Rollen unter Zadeks Regie zu sehen war.

Eine weitere Blütezeit erreichte das Schauspielhaus unter der Intendanz von Claus Peymann Anfang der 1980er Jahre. Sein Bochumer Ensemble mit Stars wie Gert Voss, Kirsten Dene oder Traugott Buhre galt zu seiner Zeit als innovativstes Theater der Bundesrepublik. Auch Peymann setzte einen Schwerpunkt auf Uraufführung zeitgenössischer Autoren wie Thomas Bernhard, Heiner Müller oder Peter Turrini.

Nach Peymanns Abschied zum Burgtheater Wien übernahm 1986 Frank-Patrick Steckel den Direktorenposten an der Königsallee. Er prägte ein eher nachdenkliches, weniger effektvolles Theater und brachte Regisseure wie Andrea Breth und Jürgen Gosch zum ersten Mal nach Bochum.

1995 kam Leander Haußmann als damals jüngster Intendant Deutschlands an die Bühne. Er strebte zusammen mit seinen Regiekollegen Jürgen Kruse und Dimiter Gotscheff, in bewusstem Kontrast zu seinem Vorgänger, ein lautes, „spaßiges“ Theater an und begeisterte auch ein jüngeres Publikum.

Ihm folgte im Jahr 2000 Matthias Hartmann, der in Bochum seine erste Intendanz übernahm. Hartmann gelangen in seiner Amtszeit ebenso öffentlichkeitswirksame Coups wie die Verpflichtung von Harald Schmidt als auch weithin gefeierte Inszenierungen. Von Fachzeitschriften wurde das Schauspielhaus Bochum mehrfach als eine der besten deutschsprachigen Bühnen seiner Zeit ausgezeichnet. 2005 verließ Hartmann Bochum und wurde Intendant des Zürcher Schauspielhauses.

In den Jahren 2005-2010 übernahm Elmar Goerden, ehemaliger Oberspielleiter des Bayerischen Staatsschauspiels, die Intendanz des Schauspielhauses Bochum. Als Intendant trat Goerden mit einem Spielplan an, der Ernsthaftigkeit versprach und Konzentration auf die alten und neuen Klassiker. Goerden arbeitete in Bochum unter anderem mit den Regisseuren Dieter Giesing, Wilfried Minks, Tina Lanik und Jorinde Dröse.

Seit Beginn der Spielzeit 2010/2011 ist Anselm Weber Intendant des Schauspielhauses. Er lädt Künstler nicht nur aus dem Ruhrgebiet und aus ganz Deutschland, sondern auch aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland nach Bochum ein. Sie bringen ihre ganz eigenen Geschichten mit und ihren besondern Blick: auf die Zukunft, auf Deutschland und Europa und auf das, was sie in der Region vorfinden. Gemeinsam mit dem Ensemble des Schauspielhauses Bochum erzählen sie von dem, was das Zusammenleben ausmacht. Wichtige Regisseure neben Anselm Weber sind u. a. die Niederländer Eric de Vroedt und Paul Koek, der polnische Regisseur Jan Klata, Roger Vontobel (Hausregisseur) und Hermann Schmidt-Rahmer.
Das Junge Schauspielhaus unter der Leitung von Martina van Boxen ist ebenfalls ein Ort der Begegnung, Kommunikation und Kreativität – mit Workshops, Jugendclubs und Regiewerkstätten in den Bereichen Theater, Tanz, Musik, Medien und Literatur.

2017/2018 wird Olaf Kröck als Intendant der Interimsspielzeit das Schauspielhaus Bochum leiten, Ko-Intendant wird Stephan Wasenauer, derzeit Künstlerischer Betriebsdirektor des Schauspielhauses.

Die Intendanten

Saladin Schmitt (1919-1949)
Hans Schalla (1949-1972)
Peter Zadek & Direktorium (1972-1979)
Claus Peymann (1979-1986)
Frank-Patrick Steckel (1986-1995)
Leander Haußmann (1995-2000)
Matthias Hartmann (2000-2005)
Elmar Goerden (2005-2010)
Anselm Weber (2010-2017)
Olaf Kröck und Stephan Wasenauer (2017-2018)

Weitergehende Informationen

Weitergehende Informationen und Details über das Schauspielhaus oder über die ehemaligen Intendanten können im Bochumer Stadtarchiv recherchiert werden. Dies betrifft auch Anfragen zu Aufführungsfotos oder eventuellen Mitschnitten von Inszenierungen vor Beginn der Intendanz von Anselm Weber 2010. Das Schauspielhaus Bochum selbst verfügt nicht über ein Archiv. Ihre Ansprechpartnerin im Stadtarchiv ist Ursula Jennemann-Henke M.A., Bereich Theatergeschichtliche Sammlung.

Tel.: 0234 / 910 95 00
E-Mail: stadtarchiv@bochum.de

Schriftliche Anfragen senden Sie bitte an:
Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte
Wittener Straße 47
44789 Bochum