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Kontakt
Christine Hoenmanns
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0234 / 33 33 55 23
Fax: 0234 / 33 33 54 37
E-Mail: christine.hoenmanns@schauspielhausbochum.de

Schauspielhaus Bochum
Königsallee 15
44789 Bochum
05.02.2018

Pressebrief März 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

charakteristisch für die Arbeit von Johanna Wehner, die im vergangenen Herbst mit dem Theaterpreis DER FAUST für die beste Schauspielregie 2017 ausgezeichnet wurde, sind aufwendig komponierte, musikalisch verdichtete Textfassungen sowie die Erschaffung atmosphärisch-düsterer und eigenwillig skurriler Weltentwürfe. Am Schauspielhaus Bochum wird sie im März die Theater-Uraufführung von Melancholia nach dem Film von Lars von Trier in Szene setzen. Melancholia ist der Name des todbringenden Planeten in Lars von Triers Film und zugleich seit der Antike ein Begriff, der Menschen beschreibt, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. In der Antike war die Zuschreibung eng mit dem Genie-Begriff verknüpft, im Mittelalter wurde er defizitär gelesen, als krankhaftes Ungleichgewicht der Körpersäfte, und heutzutage sprechen wir von Depression. Doch ist der Depressive der Kranke – oder sind es die Anderen, die durch sein Verhalten aus ihrem eigenen Konzept gebracht werden? Johanna Wehner schafft eine Schicksalsgemeinschaft, die ihren eigenen Neurosen nachjagt und versucht möglichst intensiv und richtig zu leben.
Die Uraufführung am 24. März wird die letzte Premiere auf der großen Bühne des Schauspielhauses während der Intendanz von Olaf Kröck sein, da Mitte Mai dort größere Umbaumaßnahmen beginnen. Der Spielbetrieb geht in den Kammerspielen, dem Theater Unten, der Eve Bar und in der Stadt bis zum Spielzeitende am 15. Juli 2018 uneinge-schränkt weiter.

Bereits am 14. März hat die neue Produktion von Regisseurin und Theatertherapeutin Sandra Anklam Premiere im Theater Unten. Zum neunten Mal findet die fruchtbare Zusammenarbeit des Schauspielhauses mit der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum statt. In diesem Jahr inszeniert Sandra Anklam mit Patient*innen und Mitarbeiter*innen der Klinik Peer Gyntvon Thomas Birkmeir nach Henrik Ibsen und schafft damit erneut einen außergewöhnlichen Ansatz an der Schnittstelle von Kunst und Heilung. Die Ergebnisse ihrer theatralen Forschungsreise werden erneut sowohl im Theater Unten als auch in den Räumen des LWL-Universitätsklinikums in Bochum zu sehen sein.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns
03.01.2018

Pressebrief Februar 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere diesjährige Koproduktion mit dem Studiengang Schauspiel der Folkwang Universität der Künste ist Ödön von Horváths „Jugend ohne Gottin der Regie von Martina van Boxen. Am Beispiel einer namenlos gewordenen Generation Jugendlicher zeichnete Horváth 1937 den Verlust von autonomem Denken auf. Wo Horváth über die Innensicht des Lehrers Mechanismen andeutet und Hinweise für die systematische Einengung liefert, knüpft in Martina van Boxens Inszenierung der Choreograf Arthur Schopa mit gestischem Material an und überträgt Beschreibungen von Gefühlen und Beobachtungen wie auch strukturelle Vorgänge in Bewegungselemente und -bilder. Live-Musik und Sound erarbeitet Manuel Loos gemeinsam mit dem Ensemble. Das Klangbild bewegt sich hierbei von Soundscapes, die die Handlung unermüdlich vorantreiben, bis hin zu Zitaten aus Jazz und Swing, welche eine Brücke zwischen der Entstehungszeit des Textes, den Orten der Handlung zu Horváths Zeiten und der gegenwärtigen Bühnensituation bilden. Die Premiere ist am 2. Februar in den Kammerspielen.

Ende gut, alles gut ist ein Geheimtipp unter Shakespeares Werken, das aufgrund seiner unkonventionellen Geschlechterrollen selten gespielt wird. Vor dem Hintergrund der aktuellen #MeToo-Debatte dreht Regisseur Robert Schuster in seiner Inszenierung die Geschlechter zweifach um und offenbart so ihre kulturelle Gemachtheit: Aus weiblichen Figuren werden Männer, die wiederum von Schauspielerinnen verkörpert werden. So provoziert die Inszenierung die Fragen: Wie stark halten uns Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit in ihrem Griff, wenn wir auf die Handlungen eines Menschen blicken? Bewerten wir das Verhalten eines Menschen seinem/ihrem biologischen Geschlecht entsprechend? Kann es gelingen, dass Geschlecht irgendwann keine Rolle mehr spielt? In einer Zeit in der tagtäglich über diskriminierende Sprache und Darstellungen debattiert wird – in der die neue Zensur moralisch aber zu schlagkräftig ist, um ignoriert werden zu dürfen – kokettiert die Inszenierung bewusst mit politischer Unkorrektheit. Denn was könnte uns mehr über unsere Gesellschaft verraten als die Frage, warum manche Zuschreibungen ein Lachen und andere einen Aufschrei auslösen. Die Premiere ist am 3. Februar im Schauspielhaus.

FürTräum weiter kommt in den Kammerspielen eine ganz besondere Besetzung zusammen, um das erste Bühnenstück der Drehbuchautorin Nesrin Şamdereli („Almanya – Willkommen in Deutschland“), ein Auftragswerk für das Bochumer Schauspielhaus, zur Uraufführung zu bringen. Zum Bochumer Ensemble stoßen dabei u. a. Vedat Erincin, der in „Almanya“ den Großvater Hüseyin spielte, und Almila Bagriacik, die neue Kieler Tatort-Kommissarin, in der Rolle der Nil, einer Koma-patientin, um die sich nicht nur ihre auseinandergedriftete türkisch-griechisch-deutsche Familie versammelt, sondern auch ihre Ex-Freundin und andere (ehemals) nahe Menschen. Diese Komödie der Zwischenzustände unter Kulturen, Generationen, Geschlechtern, Sexualitäten und zwischen Leben und Tod wird von Selen Kara in Szene gesetzt, deren Inszenierung des Liederabends „Istanbul“ zurzeit sehr erfolgreich am Schauspielhaus zu sehen ist. Die Uraufführung von „Träum weiter“ ist am 24. Februar.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

Aktuelle Pressefotos

Premiere: 3. Februar 2018
Premiere: 2. Februar 2018
Premiere am 25. Januar 2018

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