Pressemitteilungen

05.02.2018

Pressebrief März 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

charakteristisch für die Arbeit von Johanna Wehner, die im vergangenen Herbst mit dem Theaterpreis DER FAUST für die beste Schauspielregie 2017 ausgezeichnet wurde, sind aufwendig komponierte, musikalisch verdichtete Textfassungen sowie die Erschaffung atmosphärisch-düsterer und eigenwillig skurriler Weltentwürfe. Am Schauspielhaus Bochum wird sie im März die Theater-Uraufführung von Melancholia nach dem Film von Lars von Trier in Szene setzen. Melancholia ist der Name des todbringenden Planeten in Lars von Triers Film und zugleich seit der Antike ein Begriff, der Menschen beschreibt, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. In der Antike war die Zuschreibung eng mit dem Genie-Begriff verknüpft, im Mittelalter wurde er defizitär gelesen, als krankhaftes Ungleichgewicht der Körpersäfte, und heutzutage sprechen wir von Depression. Doch ist der Depressive der Kranke – oder sind es die Anderen, die durch sein Verhalten aus ihrem eigenen Konzept gebracht werden? Johanna Wehner schafft eine Schicksalsgemeinschaft, die ihren eigenen Neurosen nachjagt und versucht möglichst intensiv und richtig zu leben.
Die Uraufführung am 24. März wird die letzte Premiere auf der großen Bühne des Schauspielhauses während der Intendanz von Olaf Kröck sein, da Mitte Mai dort größere Umbaumaßnahmen beginnen. Der Spielbetrieb geht in den Kammerspielen, dem Theater Unten, der Eve Bar und in der Stadt bis zum Spielzeitende am 15. Juli 2018 uneinge-schränkt weiter.

Bereits am 14. März hat die neue Produktion von Regisseurin und Theatertherapeutin Sandra Anklam Premiere im Theater Unten. Zum neunten Mal findet die fruchtbare Zusammenarbeit des Schauspielhauses mit der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum statt. In diesem Jahr inszeniert Sandra Anklam mit Patient*innen und Mitarbeiter*innen der Klinik Peer Gyntvon Thomas Birkmeir nach Henrik Ibsen und schafft damit erneut einen außergewöhnlichen Ansatz an der Schnittstelle von Kunst und Heilung. Die Ergebnisse ihrer theatralen Forschungsreise werden erneut sowohl im Theater Unten als auch in den Räumen des LWL-Universitätsklinikums in Bochum zu sehen sein.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns
03.01.2018

Pressebrief Februar 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere diesjährige Koproduktion mit dem Studiengang Schauspiel der Folkwang Universität der Künste ist Ödön von Horváths „Jugend ohne Gottin der Regie von Martina van Boxen. Am Beispiel einer namenlos gewordenen Generation Jugendlicher zeichnete Horváth 1937 den Verlust von autonomem Denken auf. Wo Horváth über die Innensicht des Lehrers Mechanismen andeutet und Hinweise für die systematische Einengung liefert, knüpft in Martina van Boxens Inszenierung der Choreograf Arthur Schopa mit gestischem Material an und überträgt Beschreibungen von Gefühlen und Beobachtungen wie auch strukturelle Vorgänge in Bewegungselemente und -bilder. Live-Musik und Sound erarbeitet Manuel Loos gemeinsam mit dem Ensemble. Das Klangbild bewegt sich hierbei von Soundscapes, die die Handlung unermüdlich vorantreiben, bis hin zu Zitaten aus Jazz und Swing, welche eine Brücke zwischen der Entstehungszeit des Textes, den Orten der Handlung zu Horváths Zeiten und der gegenwärtigen Bühnensituation bilden. Die Premiere ist am 2. Februar in den Kammerspielen.

Ende gut, alles gut ist ein Geheimtipp unter Shakespeares Werken, das aufgrund seiner unkonventionellen Geschlechterrollen selten gespielt wird. Vor dem Hintergrund der aktuellen #MeToo-Debatte dreht Regisseur Robert Schuster in seiner Inszenierung die Geschlechter zweifach um und offenbart so ihre kulturelle Gemachtheit: Aus weiblichen Figuren werden Männer, die wiederum von Schauspielerinnen verkörpert werden. So provoziert die Inszenierung die Fragen: Wie stark halten uns Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit in ihrem Griff, wenn wir auf die Handlungen eines Menschen blicken? Bewerten wir das Verhalten eines Menschen seinem/ihrem biologischen Geschlecht entsprechend? Kann es gelingen, dass Geschlecht irgendwann keine Rolle mehr spielt? In einer Zeit in der tagtäglich über diskriminierende Sprache und Darstellungen debattiert wird – in der die neue Zensur moralisch aber zu schlagkräftig ist, um ignoriert werden zu dürfen – kokettiert die Inszenierung bewusst mit politischer Unkorrektheit. Denn was könnte uns mehr über unsere Gesellschaft verraten als die Frage, warum manche Zuschreibungen ein Lachen und andere einen Aufschrei auslösen. Die Premiere ist am 3. Februar im Schauspielhaus.

FürTräum weiter kommt in den Kammerspielen eine ganz besondere Besetzung zusammen, um das erste Bühnenstück der Drehbuchautorin Nesrin Şamdereli („Almanya – Willkommen in Deutschland“), ein Auftragswerk für das Bochumer Schauspielhaus, zur Uraufführung zu bringen. Zum Bochumer Ensemble stoßen dabei u. a. Vedat Erincin, der in „Almanya“ den Großvater Hüseyin spielte, und Almila Bagriacik, die neue Kieler Tatort-Kommissarin, in der Rolle der Nil, einer Koma-patientin, um die sich nicht nur ihre auseinandergedriftete türkisch-griechisch-deutsche Familie versammelt, sondern auch ihre Ex-Freundin und andere (ehemals) nahe Menschen. Diese Komödie der Zwischenzustände unter Kulturen, Generationen, Geschlechtern, Sexualitäten und zwischen Leben und Tod wird von Selen Kara in Szene gesetzt, deren Inszenierung des Liederabends „Istanbul“ zurzeit sehr erfolgreich am Schauspielhaus zu sehen ist. Die Uraufführung von „Träum weiter“ ist am 24. Februar.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

04.12.2017

Pressebrief Januar 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

als erste Premiere im neuen Jahr zeigen wir Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft. Sartres moderner Klassiker seziert die Handlungsoptionen des Menschen angesichts seiner existenziellen Freiheit. Das Individuum wird ver- und beurteilt nach seinen Taten. Schuld und Bestrafung ergeben sich daraus, wie es sein Leben lebt, unentrinnbar der Bewertung durch andere. In Zeiten von Digitalisierung und virtuellen Räumen ergibt sich eine neue Perspektive auf das Lehrstück: Wie gnadenlos ist die berühmte „Hölle“ der anderen, wenn Handlung nicht real erlebt, sondern sozial bemessen wird? In der Debüt-Inszenierung von Frederick Krieger spielen Johanna Eiworth, Matthias Eberle und Simin Soraya. Die Premiere ist am 25. Januar im Theater Unten.

Einar Schleefs „Gertrud präsentieren wir als Bochumer Premiere am 26. Januar in den Kammerspielen. Die Inszenierung von Jakob Fedler mit den Schauspielern Antonia Bill, Wolfram Koch und Almut Zilcher ist eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin (Premiere in Berlin am 15. Dezember). Einar Schleefs Roman ist ein eigenwilliger, sprunghafter, eigensinnig preisgebender Erzählsturm. Schleef schrieb den fiktionalen Monolog seiner Mutter Gertrud, einer Näherin, als ein schroffes und wütendes, sehnsüchtiges und gieriges sich Mitteilen einer „anständigen Frau“. Mit dem Hintergrund der Industrie- und Bergbaustadt Sangerhausen verweist Schleef zugleich auf die Zerrüttung der Verheißungen des industriellen Zeitalters und dessen proletarischer Milieus, auf kleinbürgerlichen Überlebenszwang und das beständige Ausbleiben der Zukunft. 2015 erarbeitete Jakob Fedler bereits mit Roland Koch Schleefs „Der Tod des Lehrers“; die Inszenierung war in Bochum und u. a. an der Berliner Volksbühne und am Staatsschauspiel Hannover zu sehen.

Vorschau: Die nächsten Premieren sind am 2. und 3. Februar 2018. Unsere diesjährige Koproduktion mit dem Studiengang Schauspiel der Folkwang Universität der Künste ist Horváths „Jugend ohne Gott“ in der Regie von Martina van Boxen (2.2.2018, Kammerspiele). Robert Schuster inszeniert Shakespeares „Ende gut, alles gut“. Die Premiere ist am 3. Februar 2018 auf der Schauspielhaus-Bühne. Weitere Infos dazu folgen im Februar-Pressebrief.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns
06.11.2017

Pressebrief Dezember 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

Malalai von Maiwand, die „afghanische Jungfrau von Orléans“, löste im Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialmacht 1880 ihren Schleier und rannte mit diesem als Flagge auf den Feind zu. Die Soldaten folgten ihr und siegten. Malalai wurde zum Inbegriff weiblicher Tatkraft. Das transnationale Projekt MALALAI – die afghanische Jungfrau von Orléans von Robert Schuster und Julie Paucker verbindet diesen Mythos mit der französische Legende der Jeanne d’Arc und Schillers Drama. Im Schnittpunkt dieser weiblichen Freiheitsikonen und Gotteskriegerinnen begegnen sich französische, afghanische, deutsche und israelische Schauspielerinnen und Schauspieler. „MALALAI“ ist der zweite Versuch, ein Projekt mit der afghanischen Theatergruppe AZDAR zu verwirklichen. Nachdem sie für „KULA – nach Europa“ keine Einreiseerlaubnis bekamen, ist es nun gelungen, sie nach Deutschland zu holen. Regie führte Robert Schuster. Die Bochumer Premiere ist am 7. Dezember in den Kammerspielen.

Als europäische Erstaufführung zeigen wir am 9. Dezember Stephen Karams „The Humans. Eine amerikanische Familie in der Regie von Leonard Beck, der am Schauspielhaus Bochum bereits erfolgreich Dennis Kellys „Waisen“ in Szene gesetzt hat. Stephen Karams mit vier Tony Awards unter anderem als „Best Play 2016“ ausgezeichnetes Stück ist ein temporeiches Familienporträt, in dem Auswirkungen der Finanzkrise ebenso wie Nachwirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 im Alltag einer amerikanischen Familie spürbar werden. Entwaffnend ehrlich und unterhaltsam zugleich zeichnet der Autor eine Familie, deren amerikanischer Traum sich nicht erfüllt hat. 

Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum an Milo Rau: Am 4. Dezember vergibt die Stadt Bochum ihren Kulturpreis, den Peter-Weiss-Preis, für 2017. Er ist mit 15.000 Euro dotiert und geht an den Schweizer Regisseur und Theaterautor Milo Rau. Laudatorin ist die renommierte Autorin und Publizistin Carolin Emcke, die 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Seit 1990 wird der städtische Kulturpreis alle zwei Jahre in den Sparten Literatur, Theater, bildende Kunst und Film vergeben. Im Vorfeld der Preisverleihung, um 19:00 Uhr, zeigen wir Milo Raus „Empirein den Kammerspielen. Die Preisverleihung findet im Anschluss um 21:30 Uhr statt.

Lassen Sie uns gern wissen, ob Sie zu unseren Premieren kommen. Wir würden uns freuen, Sie begrüßen zu dürfen.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

09.10.2017

Pressebrief November 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

Lisa Nielebock, am Schauspielhaus bereits seit vielen Jahren als Regisseurin präsent (u. a. „Penthesilea“, „Roberto Zucco“, „Kasimir und Karoline“, „Amphitryon“) inszenierte hier zuletzt Joseph Roths Roman „Hiob“. Nun bringt sie in den Kammerspielen „Die Orestie“ von Aischylos auf die Bühne – als Bochumer Erstaufführung. Die einzige erhaltene Trilogie der Antike erzählt anhand des Atridenfluchs von einem zentralen Paradigmenwechsel der westlichen Zivilisation: Denn nach der bis dato gültigen Logik von göttlicher Vorsehung und Blutrache erfüllt Orestes mit der Ermordung seiner Mutter gleichzeitig eine heilige Pflicht, begeht aber auch die schwerstmögliche Sünde. Doch die Göttin Athene eröffnet mit einem geordneten Gerichtsverfahren eine neue Möglichkeit, mit der unentscheidbaren Schuldfrage umzugehen. Der Familienfluch, der blutige Kreislauf aus Gewalt und Rache, ist durchbrochen und ein friedlicherer Weg für die Familie und die Menschheit scheint möglich. Zum Bochumer Ensemble stoßen dabei u. a. Werner Wölbern als Agamemnon und Apollon und Heiner Stadelmann als Wächter. In der Titelrolle des Orestes ist Dennis Herrmann zu sehen. Die Premiere ist am 18. November.

Tagsdrauf, am 19. November, hat unser diesjähriges Kinder- und Familienstück Premiere im Schauspielhaus: „Pünktchen und Anton“ nach dem Roman von Erich Kästner. Neben Erich Kästners erstem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ aus dem Jahr 1929 und „Das fliegende Klassenzimmer“ von 1933 gehört der 1931 erschienene Roman „Pünktchen und Anton“ bis heute zu den beliebtesten Kinderbüchern des Schriftstellers. Seine Romane gewannen bereits kurz nach Erscheinen an Popularität, da Kästner gegenwartsbezogene Kinderbücher schrieb, die Alltag und soziale Gegensätze widerspiegelten, während sich die Kinderliteratur seiner Zeit häufig auf Märchenwelten oder moralisierende Geschichten beschränkte. Die ausgewiesene Kinder- und Jugendtheaterregisseurin und Faust-Preisträgerin Brigitte Dethier siedelt Kästners Geschichte über die Freundschaft dieser scheinbar ungleichen Kinder in einer rauen Großstadtwelt an. Die Härte des Alltags macht für Dethier keineswegs vor den Kindern halt. Aber mit Pünktchen und Anton lässt sich immer auch die Geschichte einer unerschütterlichen Hoffnung erzählen. Denn die beiden Kinder finden, wie viele ihrer literarischen Nachfahren innerhalb der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur, ihre Wege und gemeinsame Lösungen, sich gegenüber einer manchmal erschreckend skrupellosen Erwachsenenwelt zu behaupten. Wir empfehlen das diesjährige Kinder- und Familienstück für alle ab 6 Jahren.

Reportagen Live. Weltgeschehen im Kleinformat, in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Magazin REPORTAGEN: Seit nunmehr sechs Jahren schickt das Schweizer Magazin REPORTAGEN die besten deutschsprachigen Journalisten in alle Welt, um überraschende Geschichten zutage zu fördern, die unseren Blick auf die Gegenwart verändern. In Anlehnung an die Kultreihe „Reportagen Live“ in Zürich legen vier Reporterinnen und Reporter von REPORTAGEN in Bochum einen Zwischenhalt ein, lesen ihre Texte, berichten über ihr Leben als Geschichtensucher und erzählen über Hintergründe und Hindernisse auf dem Weg zur perfekten literarischen Reportage, der Königsdisziplin des Journalismus. Den Anfang macht am 5. November Sandro Mattioli mit seiner Reportage „Mafioso im Ruhestand“.

Lassen Sie uns gern wissen, ob Sie zu unseren Premieren kommen. Wir würden uns freuen, Sie begrüßen zu dürfen.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

11.09.2017

Pressebrief Oktober 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu unseren nächsten Premieren am Schauspielhaus Bochum und zur Wiedereröffnung der Eve Bar am 6. Oktober laden wir Sie herzlich ein.

Mit Torben Kuhlmanns vielfach ausgezeichnetem Bilderbuch „Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ widmen sich Martina von Boxen und ihr Team in ihrer ersten Produktion der neuen Spielzeit einem besonderen literarischen Genre. Aus der Perspektive einer Maus, deren Lebenssituation durch die Erfindung der Mausefalle bedroht wird und ihre Angehörigen bereits vertrieben hat, zeichnet der Autor die Auswanderergeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach. Keineswegs nur als Metapher bilden die gefährliche Atlantiküberquerung und der damit verbundene Wunsch, in einem anderen Land ein besseres und sicheres Leben zu führen, den Ausgangspunkt für die Reise dieser erfindungsreichen Maus. In der Verquickung von Objekttheater und Soundscapes lassen Maria Trautmann, Manuel Loos und Michael Habelitz die atmosphärisch dichte Bilder- und Erzählwelt entstehen, die für Kinder ab 5 Jahren geeignet ist. Die Uraufführung ist am 14. Oktober im Theater Unten.

Im Liederabend „Istanbul“ dreht die junge türkeistämmige Regisseurin Selen Kara die Perspektive auf die Situation von Auswanderern um, die in einem fremden Land anzukommen versuchen. Der Abend verlegt das Wirtschaftswunder kurzerhand in die Türkei, das zum Sehnsuchtsland für die vom Krieg ausgezehrten Deutschen wird. Und so erlebt der Prototyp des Deutschen, Klaus Gruber (Roland Riebeling), dort all die Schwierigkeiten, die schon die Großväter von Selen Kara bei ihrer Einreise nach Deutschland hatten, am eigenen Leib mit. Torsten Kindermann, dem (Bochumer) Publikum u. a. durch seine Bearbeitung der Grönemeyer-Songs in „Bochum“ bekannt ist, arrangiert für „Istanbul“ die Lieder der Grande Dame des türkischen Pop, Sezen Aksu, neu. Die deutschen Schauspieler des Ensembles lernen eigens dafür in türkischer Sprache zu singen. Der Abend ist zugleich eine Hommage an die vielen türkischen Gastarbeiter, die dem Ruhrgebiet in den 1960er Jahren zum Aufschwung verholfen haben. Die Premiere ist am 20. Oktober in den Kammerspielen.

Nach „Drei Männer im Schnee“, „Monty Python's Spamalot“ und „Weekend im Paradies“ inszeniert Christian Brey in dieser Saison mit „Der Mann ohne Vergangenheit“ Aki Kaurismäkis farbenfrohsten und hoffnungsvollsten Film auf der Schauspielhaus-Bühne. In der vielfach ausgezeichneten Filmvorlage, die von der Kritik als „Ballade über Solidarität“ beschrieben wird, entfaltet sich eine melancholisch-schöne Geschichte über Güte und Mitmenschlichkeit unter den Ärmsten der Armen. In der Rolle des „M“ wird Michael Kamp zu sehen sein, die Rolle der Heilsarmeeangestellten „Irma“ spielt Juliane Fisch. Für die finnische Atmosphäre sorgen – wie auch bei Breys letzten Arbeiten – seine Ausstatterin Anette Hachmann sowie Tobias Cosler als Musikalischer Leiter samt Band. Denn wenn es nur weniger Worte bedarf – wie es ein echter Kaurismäki verlangt – wird gesungen. Die Premiere ist am 21. Oktober.

Karsten Riedel kam am Bochumer Schauspielhaus zur Bühnenmusik und über die Bühnenmusik zur Vertonung von Gedichten, die er zu den unterschiedlichsten und berührendsten Songs verarbeitet. Mit „Der Liebe Lust, der Liebe Schmerz“ kehrt die Wattenscheider Musiklegende ans Schauspielhaus zurück. Mit Klavier, Geige, Kontrabass und Gitarre, gespielt von ihm selbst, Christoph König („Uwaga!") und Nils Imhorst, durchschreitet er sein vielfältiges lyrik-musikalisches Repertoire, das sich aus William Shakespeares Sonetten speist, ergänzt um Gedichte von Dylan Thomas und Frank Wedekind. Und bei jeder Vorstellung bekommt er textlichen und musikalischen Besuch aus dem Schauspiel-Ensemble. Zur Premiere am 31. Oktober in den Kammerspielen wird Neu-Ensemblemitglied Johanna Eiworth erwartet.

Die Eve Bar ist zurück! #placetobetween: Unter den Bühnenbrettern des Schauspielhauses entsteht für ein Jahr ein Ort, an dem sich Gegensätze aufheben und Grenzen fließend werden. Mit einem Programm aus Klub, Konzerten, Late-Night-Talks und Stegreif-Performances gibt die Eve Bar sich dem hin, was jenseits von starren Kategorien und hartgezogenen Linien liegt. Ob Bühne oder Wohnzimmer, Fremde oder Heimat, Mensch oder Alien, Birne oder Apfel, Pop oder Subkultur, gestern oder morgen, alt oder jung, Mann oder Frau, wir bleiben im Dazwischen. Wir feiern die Wiedereröffnung am 6. Oktober mit einer ersten Klubnacht. Kurator und Produktionsleiter der Eve Bar ist Tobias Malcharzik, der seit Spielzeitbeginn zum Team von Intendant Olaf Kröck gehört.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

31.08.2017

Pressebrief September 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
zum Saisonbeginn 2017/2018 laden wir Sie herzlich ein. Die Intendanz von Olaf Kröck am Schauspielhaus Bochum startet mit einem langen Premierenwochenende vom 21. bis zum 23. September 2017:
 
Wir eröffnen die Spielzeit mit einer neuen Produktion von Hermann Schmidt-Rahmer. Nach „Die Schutzbefohlenen / Appendix / Coda / Epilog auf dem Boden“ überschreibt er dieses Mal, ähnlich wie bei „Gespenster des Kapitals", einen Theatertext für die Gegenwart. Bei ihm wird Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ über ein verseuchtes Kurbad zum zeitgenössischen Lehrstück über die Erosion des demokratischen Diskurses im 21. Jahrhundert: „Volksverräter!!“ ist der Titel. Denn ersetzt man „Volksfeind“ durch das Unwort des Jahres 2016, finden wir uns in einem aufgeheizten Aufmarsch „besorgter Bürger“ wieder. Denken wir über Ibsens Fragestellungen weiter nach, landen wir aber auch unmittelbar bei Donald Trump. Im Bochumer „Volksverräter!!" steht nicht mehr nur das Wohl einer kleinen Gemeinschaft auf dem Spiel und ein idealistischer Wahrheitskämpfer gleitet in totalitäre Töne ab. Es geht um nichts weniger als die Frage, wie die Demokratie die Komplexität der Spätmoderne bewältigen kann im Angesicht der Vereinfachungssehnsucht, die der Populismus repräsentiert. Als Badearzt Stockmann ist Roland Riebeling zu sehen und aus Bürgermeister Peter Stockmann wird Bürgermeisterin Petra, gespielt von Veronika Nickl. Die Premiere ist am 21. September im Schauspielhaus.
 
Was war zuerst da, die Gesellschaft oder die Familie? Autorin Laura Naumann, Regisseurin Anna Fries und Schauspieler-innen und Schauspieler des Ensembles haben sich bei Bochumer Familien zum Abendessen eingeladen. Aus dem, was sie dort erlebt haben, hat Laura Naumann ein neues Stück geschrieben: „Wir müssen reden“. Anna Fries entwickelt eine Inszenierung um die Familie als „Staat im Kleinformat“ und den Abendbrottisch als Zentrum des Universums. Denn hier spielen sich die schönen, die schmerzhaften, die scheinbar banalen und doch einzigartigen Momente des Familienlebens ab, die jeden Menschen prägen und für die Gesellschaft formen. Die Uraufführung mit Therese Dörr, Lisa Jopt, Anke Zillich, Günter Alt und Jana Deppe zeigen wir am 22. September im Theater Unten.
 
Das Völkerrecht beugen zur Sicherung der Macht? Dem brüllenden Volk nachgeben und durch Gewalt Stärke beweisen? Die eigene Verwandte hinrichten lassen, um den Thron nicht zu gefährden? Heike M. Götze inszeniert als Eröffnung in den Kammerspielen Friedrich Schillers „Maria Stuart“ mit Bettina Engelhardt (Elisabeth) und Johanna Eiworth (Maria) in den Hauptrollen. Dabei liefern sich Maria und Elisabeth ein intensives Intrigenspiel zweier mächtiger Frauen in einer Welt aus Männern, die Berater und Liebhaber, Verräter und Attentäter gebiert. Die eine gefangen im Kerker, die andere in politischen Zwängen und übermenschlichen Erwartungen. So sind in der Inszenierung von Heike M. Götze nicht nur Thron und Lebensglück Fixpunkte des Handelns, sondern vor allem der eigene Mythos, der in die Geschichte eingehen wird. Die Premiere ist am 23. September.
 
Lassen Sie uns gern wissen, ob Sie zu unseren Premieren kommen. Wir würden uns freuen, Sie begrüßen zu dürfen.
 
Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

30.05.2017

Themenwoche WIR UND DIE
3.-11. Juni 2017


WIR UND DIE
Vom Blick auf die Anderen
 
Eine Themenwoche zur Frage wer wir sind, was uns verbindet und was uns trennt
3.-11. Juni 2017
 
Die Politik der einfachen Lösungen, die aktuell weltweit an Zuspruch gewinnt, fußt auf einer grundlegenden Trennung: Die Rede ist stets vom „Wir“, die wir hier sind (und vermeintlich immer schon hier waren) und vom „Die“, von den Illegalen und Migranten, die angeblich nicht zu uns gehörten. Wahlweise lässt sich diese Achse der Unterscheidung auch von der Horizontalen in die Vertikale drehen – dann liest sich dieselbe Gleichung als „Wir“, die wir hier unten seien, denen nicht zugehört werde, und „Die“, die da oben, die korrupten Politiker, die Gutmenschen-Lobby und Lügenpresse.
 
„Wir und die“ ist die Kernformel, der erste Glaubenssatz des Populismus. Beide Varianten der Formel bewirken das Gleiche: Sie fingieren das Authentische und Autochthone, konstruieren zusammen mit dem Gegenpol einer angeblichen Bedrohung einen Pol der Selbstvergewisserung. Sie reduzieren damit die zunehmende Komplexität der Welt auf ein Schema, dem selbst der einfachste Geist noch folgen kann. Schuld sind nie „wir“, sondern immer nur „die“. Und wie wird es besser? Ganz einfach, „Die“ müssen weg. Aber können wir die Formel nicht auch anders verwenden? Wenn wir Identität (mit Kwame Anthony Appiah) als „Aktivität, nicht als Ding“ begreifen – kann aus der starren Unterscheidung die Beschreibung eines konstruktiven Prozesses werden? Oder taugt die Rede vom „Wir und die“ doch nur zur rhetorischen Waffe politischer Brandstifter?
 
„Es ist eine bleibende gesellschaftspolitische Herausforderung, die unüberwindbare Unterscheidung zwischen ‚uns‘ und ‚den anderen‘ nicht denen zu überlassen, die daraus essentialistische Ausgrenzungs- und Bedrohungsszenarien machen wollen, sondern sie in spielerischer, selbstreflexiver und relativierender Hinsicht zu thematisieren. Genau dazu wollen wir mit dieser Themenwoche beitragen.“ (Prof. Dr. Stefan Berger)
 
„Migrations- und Wanderbewegungen sind so alt wie die Menschheit. Was das „Wir“ ausmacht und was „die anderen“, das ist Bestandteil einer fortwährenden Verhandlung über Identitätsgrenzen. Wie kommt es, dass diese Grenzen heute wieder zunehmend als undurchdringbar und starr behauptet werden und dass manche meinen, sie mit Hass und Gewalt verteidigen zu müssen? Was treibt die Auseinandersetzung über „Wir und die“ in die Hysterie und Menschenfeindlichkeit? Das ist eine Frage, mit der sich das Theater bereits seit der Antike auseinandersetzt und zu der es mit seinen Stoffen auch heute wieder viel beizutragen hat.“ (Alexander Leiffheidt)
 
In einer aktuellen Themenwoche vom 3. bis 11. Juni wollen wir anhand von Gesprächen und Vorträgen die politischen Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit im Kontext von Identität, Integration und Segregation untersuchen. Dazu zeigen wir passende Filme sowie Theaterproduktionen.
 
Vorstellungen aus dem Repertoire
„Kampf des Negers und der Hunde“ am 3. Juni 2017 in den Kammerspielen
„Schule in Bewegung: Der Herr der Fliegen“ am 8. Juni 2017 in den Kammerspielen
„Kurze Interviews mit fiesen Männern“ am 10. Juni 2017 im Theater Unten
„Biedermann und die Brandstifter“ am 11. Juni 2017 im Schauspielhaus
„Lampedusa“ am 11. Juni 2017 in den Kammerspielen
 
Gespräche und Vorträge
mit der Historikerin Dagmar Kift, Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Goch und Mitglied des Landtags Serdar Yüksel (6. Juni), dem Sozialpsychologen Prof. Dr. Jürgen Straub (8. Juni), dem Gewaltforscher Prof. Dr. Andreas Zick, Historiker Prof. Dr. Stefan Berger und Chefdramaturg Olaf Kröck (11. Juni)
Der Eintritt zu allen Vorträgen und Gesprächen ist frei.
 
Dokumentarfilme im Endstation.kino
„Café Waldlust“ von Matthias Koßmehl, 7. Juni 2017
„Ferne Söhne“ von Andres Rump, 10. Juni 2017
Karten: 5,00 € (im endstation.kino erhältlich)

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Schauspielhaus Bochum – Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets – endstation.kino
Programmplanung: Prof. Dr. Stefan Berger, Alexander Leiffheidt, Nina Selig


12.05.2017

Intendanz Olaf Kröck: Die Saison 2017/2018 im Schauspielhaus Bochum

Olaf Kröck ist in der Spielzeit 2017/2018 Intendant des Schauspielhauses Bochum. In den letzten vier Spielzeiten war er bereits Chefdramaturg des Hauses, 2013/2014 hat er das internationale „Detroit-Projekt“ des Schauspielhauses maßgeblich mitentwickelt und im März 2016 Anders Lustgartens „Lampedusa“ für die Kammerspiele inszeniert. Als Dramaturg war er u. a. am Luzerner Theater und am Schauspiel Essen engagiert.

Saison der Bochumer Erstaufführungen

Zusammen mit seinem Team hat Olaf Kröck für die Spielzeit 2017/2018 einen Spielplan zusammengestellt, der fast ausschließlich aus Bochumer Erstaufführungen besteht. Nur vier der insgesamt 25 Neuproduktionen waren bereits am Schauspielhaus Bochum zu sehen. Zehn Neuproduktionen sind Uraufführungen, dazu kommt eine europäische Erstaufführung. Und doch umfasst der Spielplan die Geschichte von der Antike über die Klassik bis in die Gegenwart. So wird erstmals am Schauspielhaus Bochum eine der ältesten antiken Tragödien überhaupt gezeigt: die „Orestie“ von Aischylos in der Regie von Lisa Nielebock. Heike M. Götze verhandelt die Last der Macht in Schillers „Maria Stuart“, Hermann Schmidt-Rahmer setzt sich in „Volksverräter!!“, einer Überschreibung von Ibsens „Volksfeind“, mit der Frage von Demokratie und Populismus auseinander. In „Istanbul“ beschäftigt sich Selen Kara musikalisch mit dem verwirrenden Gefühl mehr als nur eine Heimat zu haben und in „Endgame“ konfrontiert uns machina eX in Form eines Spiels mit den perfiden Formen digitaler Kriegsführung. „The Humans. Eine amerikanische Familie“ von Stephen Karam war der große Broadway-Erfolg des letzten Jahres, den Otto Kukla als europäische Erstaufführung für das Schauspielhaus inszeniert. Und nicht zuletzt lässt Johanna Wehner in der Theater-Uraufführung von Lars von Triers „Melancholia“ die Welt untergehen. Weitere wichtige Regisseure der kommenden Saison sind Christian Brey, Robert Schuster, Fabian Gerhardt, Milan Peschel und Ari Benjamin Meyers. Zusammen mit dem Vokalensemble SLIXS wird Olaf Kröck ebenfalls eine neue Arbeit entwickeln: „Time to Close Your Eyes“ (UA am 7.4.2018, Kammerspiele).

Olaf Kröck wird das Jahr seiner Intendanz am Schauspielhaus Bochum auch nutzen, um die kulturpolitischen Herausforderungen des Stadttheaters zu reflektieren. So wird die 3. Bundesweite Ensembleversammlung des ensemble-netzwerks im Mai 2018 am Schauspielhaus Bochum stattfinden. Eine wichtige Forderung des Netzwerks, das Gagengefüge auf ein gerechtes Niveau zu heben, wird am Schauspielhaus umgesetzt und das Gagenprofil des Ensembles liegt im Anfängerbereich über dem der Mindestgage. Ferner wird es während der Intendanz von Olaf Kröck keine Samstags-Proben für das Ensemble geben. 20 unterschiedliche Regisseure werden in der kommenden Spielzeit den Bochumer Spielplan prägen. Darunter sind sieben Regisseurinnen, deutlich mehr, als bundesweit üblich.

Eröffnung im September
Die Spielzeit startet am 21. September 2017 mit dem neuen Projekt von Hermann Schmidt-Rahmer mit dem Titel „Volksverräter!!“. Laura Naumann entwickelt zusammen mit dem Ensemble ein neues Stück: „Wir müssen reden“. Die Uraufführung inszeniert Anna Fries, die zum ersten Mal in Bochum arbeitet (22.9.2017, Theater Unten). Und die Premiere von „Maria Stuart“, inszeniert von Heike M. Götze, mit Bettina Engelhardt und Johanna Eiworth in den Hauptrollen, ist am 23. September in den Kammerspielen. Ein großes Theaterfest zusammen mit unseren Zuschauern feiern wir in dieser Saison nicht vorab, sondern als Teil des Eröffnungswochenendes am Samstag, 23. September auf dem Theatervorplatz: mit dem Bochumer Frühstück, verschiedenen Bands, Mitmachaktionen und zahlreichen kleineren Auftritten.

Weitere zentrale Spielplanpositionen
Christian Brey bringt Aki Kaurismäkis Film „Der Mann ohne Vergangenheit“ und damit den finnischen Tango auf die Schauspielhaus-Bühne (21.10.2017), Robert Schuster inszeniert Shakespeares dunkle Komödie „Ende gut, alles gut“ (3.2.2018, Schauspielhaus), Fabian Gerhardt Daniel Paul Schrebers autobiografischen Text „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“, der u. a. Siegmund Freud inspirierte (UA am 27.4.2018, Kammerspiele), und Milan Peschel setzt Nestroys „Freiheit in Krähwinkel“ (26.5.2018, Kammerspiele) in Szene.
Die Drehbuchautorin Nesrin Şamdereli, ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis für „Almanya“, schreibt für das Schauspielhaus Bochum ein Stück mit dem Titel „Träum weiter“ (UA in der Regie von Selen Kara am 24.2.2018, Kammerspiele). Christoph Kalkowski wurde für sein SWR Hörspiel von Jewgenij Semjatins „Wir“ mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2016 ausgezeichnet und erarbeitet und inszeniert nun eine Bühnenversion für das Schauspielhaus (UA im Mai 2018).
Ferner wird Frederick Krieger als Abschlussarbeit seiner Assistenzzeit am Schauspielhaus Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ inszenieren (25.1.2018, Theater Unten) und der bekannte (Bochumer) Musiker Karsten Riedel entwickelt einen neuen musikalischen Abend für die Kammerspiele mit dem Titel „Der Liebe Lust, der Liebe Schmerz" (31.10.2017). Als mobile Produktion zieht das „Rumpel Pumpel Theater“ ab Anfang Juni 2018 zu verschiedenen, auch spontanen Auftritten durch die Stadt. Stefan Scheer, der zusammen mit seiner Agentur seit 2010 das Design des Schauspielhauses verantwortet, entwickelt eine Gaming-App mit dem Titel „Rausch und Ordnung“, in der Zuschauer zu Spielern werden und auf Mitglieder des Ensembles treffen. Die für iOS und Android optimierte App launchen wir im Dezember 2017.
Zum Abschluss inszeniert der renommierte Komponist, Dirigent und performative Regisseur Ari Benjamin Meyers mit „Changing of the Guard“ ein öffentliches Ritual für Bochum auf dem Vorplatz des Theaters (UA im Juni 2018).

Kooperationen
Die Intendanz von Olaf Kröck am Schauspielhaus Bochum wird außerdem geprägt durch zahlreiche Kooperationen und Koproduktionen. Als Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin zeigen wir Jakob Fedlers Inszenierung von Einar Schleefs „Gertrud“ mit Antonia Bill, Almut Zilcher und Wolfram Koch (Bochumer Premiere im Januar 2018, Kammerspiele). Das Medientheaterkollektiv machina eX produziert seine nächste Arbeit, ein Theater-Game mit dem Titel „Endgame“, zusammen mit dem HAU Hebbel am Ufer, Münchner Kammerspiele, FFT Düsseldorf, Gessnerallee Zürich, Staatstheater Darmstadt und dem Schauspielhaus Bochum. Die Bochumer Premiere ist im Mai 2018 in der Zeche 1. Die Bochumer Performancegruppe kainkollektiv entwickelt eine Road Movie/Theatre Performance zwischen Ost- und Westeuropa mit dem Titel „Western Dreams and Eastern Promises“ (UA im Juni 2018, Kammerspiele). Zusammen mit den Schauspielstudierenden der Folkwang Universität der Künste bringt Martina van Boxen Horváths „Jugend ohne Gott“ auf die Kammer-Bühne (Premiere am 2. Februar 2018). Und als Nachfolgeprojekt von „KULA – nach Europa“ inszeniert Robert Schuster in Zusammenarbeit mit der Compagnie AZA/Frankreich, dem Azdar Theatre/Afghanistan, dem Theater Freiburg, dem Nationaltheater Weimar und dem Schauspielhaus Bochum als nächstes „MALALAI – die afghanische Jungfrau von Orléans“ (Premiere in Bochum im Dezember 2017, Kammerspiele). In Zusammenarbeit mit REPORTAGEN, dem renommierten Magazin für erzählte Gegenwart, werden vier Reporter in Anlehnung an die Züricher Kultreihe ihre Texte als „Reportagen Live“ im Schauspielhaus vorstellen (ab November 2017). Und im Mai 2018 präsentiert Annette Dabs mit der Jubiläumsausgabe der FIDENA das 60. Figurentheater-Festival mit zahlreichen Vorstellungen im Schauspielhaus. Außerdem findet die 3. Bundesweite Ensembleversammlung des ensemble-netzwerks vom 4. bis 6. Mai 2018 am Schauspielhaus Bochum statt.

Junges Schauspielhaus / Kinder- und Jugendproduktionen
Als diesjähriges Kinder- und Familienstück planen wir Erich Kästners „Pünktchen und Anton“. Regie führt die erfahrene Kinder- und Jugendtheater-Regisseurin und Intendantin des Jungen Ensemble Stuttgart Brigitte Dethier (19.11.2017, Schauspielhaus). Das Junge Schauspielhaus unter der Leitung von Martina van Boxen setzt seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fort und startet mit einer Uraufführung in die kommende Saison: „Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ nach dem Bilderbuch von Torben Kuhlmann für Kinder ab 5 Jahren (14.10.2017, Theater Unten). Die nächste „Schulen in Bewegung“ Produktion mit Bochumer Schülerinnen und Schülern aus allen Schulformen wird „Peter Pan“, bekannt durch den Roman von James M. Barrie, für die Martina van Boxen eine eigene Fassung schreibt (Premiere im Juni 2018, Kammerspiele). Sandra Anklam entwickelt erneut einen Theaterabend in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum und mit der JVA Bochum. Außerdem bietet das Junge Schauspielhaus weiterhin zusammen mit den Schauspielhaus-Theaterpädagoginnen Franziska Rieckhoff und Ruth Hengel sein umfangreiches Workshop- und Jugendprogramm an.

#placetobetween – Wiedereröffnung der Eve Bar
In der Spielzeit 2017/2018 werden wir die Eve Bar wiedereröffnen (ab 6.10.2017). Geplant sind Klubs, Konzerte, Late-Night-Talks, Steggreif-Performances u.v.m. Die Künstlerische Leitung übernimmt Tobias Malcharzik.

Weiterhin im Spielplan
Zahlreiche Produktionen der Intendanz von Anselm Weber werden auch in der Saison 2017/2018 weiterhin im Spielplan an der Königsallee zu sehen sein, u. a. „Verbrechen und Strafe“ mit Jana Schulz in der Hauptrolle (Regie Jan Klata), „Biedermann und die Brandstifter“ in der Inszenierung von Hasko Weber, Remarques „Arc de Triomphe“ (Regie: Fabian Gerhardt), Paul Koeks Inszenierung von Hesses „Steppenwolf“ mit Roland Riebeling in der Hauptrolle und „Hagar“ von kainkollektiv. Außerdem zeigen wir weiterhin viele Inszenierungen im Theater Unten wie den Soloabend „Finnisch“ mit Dennis Herrmann, sowie einige Arbeiten des Jungen Schauspielhauses, u. a. Martina van Boxens „Nalu und das Polymeer“ und „Däumelinchen“ nach Hans Christian Andersen.

Ensemble
Das Bochumer Ensemble der Spielzeit 2017/2018 besteht aus rund 40 Schauspielerinnen und Schauspielern, davon sind 25 fest engagiert. Die meisten sind dem Publikum seit vielen Jahren vertraut, so gehören u. a. Friederike Becht, Bettina Engelhardt, Jürgen Hartmann, Kristina Peters, Bernd Rademacher, Roland Riebeling, Daniel Stock und Anke Zillich weiterhin fest zum Ensemble. Hinzu kommt Mark Oliver Bögel, der bereits von 2005 bis 2009 in Bochum engagiert war. Zudem wechseln die Spieler Johanna Eiworth und Martin Weigel vom Theater Freiburg nach Bochum. Neu sind außerdem Lisa Jopt und Pirmin Sedlmeir aus Oldenburg. Zu den zahlreichen Gästen gehören u. a. Jana Schulz, Werner Wölbern, Wolfram Koch, Almut Zilcher, Dietmar Bär und Marco Massafra. Viele Spieler der Intendanz Weber werden außerdem weiterhin in den Repertoire-Produktionen in Bochum auf der Bühne stehen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Bochumer Dramaturgie besteht aus Annelie Mattheis, Eva Bormann, Miriam Wendschoff und Monika Gies-Hasmann, die bereits länger am Schauspielhaus engagiert sind. Hinzukommen werden Sascha Kölzow, der bereits von 2010 bis 2014 Dramaturg in Bochum war, Simon Meienreis, der vom Theater Marburg nach Bochum wechselt, und Eve Bar-Leiter Tobias Malcharzik, Absolvent der Universität Hildesheim.

10.05.2017

Pressebrief Juni 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
zu den letzten Premieren der Intendanz von Anselm Weber am Schauspielhaus Bochum und zu unserer Themenwoche „Wir und die. Vom Blick auf die anderen“ laden wir Sie herzlich ein.
 
Am 8. Juni hat unter der Künstlerischen Leitung von Martina van Boxen unser diesjähriges „Schulen in Bewegung“-Projekt Premiere in den Kammerspielen. Rund sechzig Bochumer Schülerinnen und Schüler aus sechs Schulformen haben über fünf Monate hinweg gemeinsam „Der Herr der Fliegen“ von William Golding in der Dramatisierung von Nigel Williams erarbeitet. Golding stellt in seinem 1954 veröffentlichten Roman zwei unvereinbare Wahrheiten gegenüber: Am Beispiel der heranwachsenden Jugendlichen zeigt er, wie sich ein totalitäres System etablieren und soziale Bemühungen verdrängen kann. „Schulen in Bewegung“ hat sich über die letzten Jahre zu einer kreativen Plattform entwickelt, die jedes Jahr junge Talente entdeckt, fördert und auch fordert. Unter professioneller Leitung realisieren die Schüler ihre Ideen innerhalb der Arbeitsgruppen Schauspiel, Tanz, Musik, Video, Multimedia & PR, Kostüm und Bühnenbild und zeigen die bühnenreife Inszenierung am Ende dem Publikum in den Kammerspielen.
 
Hagar, „die Fremde“, ist eine für Christentum, Judentum und Islam gleichermaßen wichtige Figur. Als ägyptische Magd und Neben-Frau Abrahams gebiert sie diesem einen Sohn, Ismael, während Abraham mit seiner Frau Sara kinderlos bleibt. Als Sara doch schwanger wird und Isaak gebiert, werden Hagar und Ismael verstoßen und fliehen in die Wüste. Ismael, Stammvater der Araber, wird Prophet der islamischen, Isaak Protagonist der jüdisch-christlichen Welt. Die Geschichte der drei Religionen ist damit auch als verwickelte Familiengeschichte lesbar. In Kooperation mit Kulturvereinen und Gemeinden verschiedener Konfessionen und Nationalitäten in Bochum entwickelt kainkollektiv mit „Hagar“ eine zeitgenössische Globe Opera: Zwischen szenischem Konzert und Opern-Performance wird der Theaterraum zur Versammlungsstätte, in der sich die lokal-globale Weltfamilie (Bochums) selbst begegnet. Die Uraufführung ist am 29. Juni in den Kammerspielen.
 
Thema „Wir und die. Vom Blick auf die Anderen“: Die Politik der einfachen Lösungen, die aktuell weltweit an Zuspruch gewinnt, fußt auf einer grundlegenden Trennung: Die Rede ist stets vom „Wir“, die wir hier sind (und vermeintlich immer schon hier waren) und vom „Die“, von den Illegalen und Migranten, die angeblich nicht zu uns gehören. Wahlweise lässt sich diese Achse der Unterscheidung auch von der Horizontalen in die Vertikale drehen – dann liest sich dieselbe Gleichung als „Wir“, die wir hier unten sind, denen nicht zugehört wird, und „Die“, die da oben, die korrupten Politiker, die Gutmenschen-Lobby und Lügenpresse. „Wir und die“ ist die Kernformel, der erste Glaubenssatz des Populismus. In einer erweiterten Themenwoche vom 3. bis 11. Juni wollen wir anhand von Gesprächen und Vorträgen die politischen Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit im Kontext von Identität, Integration und Segregation untersuchen. Dazu zeigen wir passende Filme sowie Theaterproduktionen unseres Repertoires.
 
Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

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