Pressemitteilungen

11.09.2016

Bochumer Theaterpreis 2016 für Matthias Redlhammer und Torsten Flassig

Heute Abend fand im Schauspielhaus Bochum die feierliche Verleihung des Bochumer Theaterpreises 2016 statt. Matthias Redlhammer wurde mit dem Theaterpreis 2016 in der Kategorie „Arrivierte“ ausgezeichnet, Torsten Flassig ist der aktuelle Preisträger in der Sparte „Nachwuchs“. Die diesjährige Preisverleihung war bereits die elfte, die der Freundeskreis des Schauspielhauses Bochum ausrichtete. Das Schauspielhaus Bochum gratuliert den Preisträgern und auch den Nominierten sehr herzlich!

Im Anschluss an das Spielzeiteröffnungsfest des Schauspielhauses Bochum fand heute Abend in festlichem Rahmen die Vergabe des Bochumer Theaterpreises 2016 durch den Freundeskreis des Schauspielhauses Bochum statt.

Matthias Redelhammer erhielt den Preis in der Kategorie „Arrivierte“. 1957 in Köln geboren, erhielt er seine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Von 1981 bis 1986 war er bereits einmal am Schauspielhaus Bochum engagiert, es folgten 1986-1990 das Burgtheater Wien und 1990-1992 das Schillertheater Berlin. Ab 1992 arbeitete er als freier Schauspieler bei den Salzburger Festspielen, am Theater am Goetheplatz Bremen, Thalia Theater Hamburg, Düsseldorfer Schauspielhaus, Schauspielhaus Zürich, Theater Neumarkt und am Schauspielhaus Bochum. Daneben sah man ihn immer wider in verschiedene Fernseh- und Kinorollen unter anderem in „Tatort“, „SK-Kölsch“ und „Bluthochzeit“. Von 2008 bis 2009 folgten ein Engagement am Schauspiel Frankfurt unter Elisabeth Schweeger und Gastengagements am Schauspiel Köln und am Theater Freiburg. Seit der Spielzeit 2010/2011 ist Matthias Redlhammer festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum. Wichtige Rollen in den letzten Jahren waren u. a. die Titelrollen in "Volpone" (Regie: Sebastian Nübling) und "Othello" (Regie: David Bösch), Alfred Loth in "Vor Sonnenaufgang" (Regie: Anselm Weber), Ill in "Der Besuch der alten Dame" (Regie: Anselm Weber), Bernd in "Rose Bernd" (Regie: Roger Vontobel) und König Arthus in "Monty Python's Spamalot" (Regie: Christian Brey). Die Laudatio für Matthias Redlhammer hielt der bekannte deutsche Schauspieler Hansa Czypionka. Nominiert in der Kategorie „Arrivierte“ waren außerdem Bernd Rademacher und Roland Riebeling.

Den Preis in der Kategorie „Nachwuchs“ erhielt Torsten Flassig. Geboren 1987 in Rüdersdorf bei Berlin, spielte er bereits im Schultheater und im Jugendtheaterclub, wurde dort entdeckt und konnte erste Kameraerfahrungen sammeln. Nach dem Abitur trat er dem PE-ENSEMBLE in Berlin bei, bevor er 2009 sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock aufnahm. Während des Studiums arbeitete er u. a. mit Johanna Schall und Kay Wuschek, spielte am Volkstheater Rostock in Brechts „Leben des Galilei“ (Regie: Kay Wusckek) sowie Schillers „Die Räuber“ (Regie: Rüdiger Pape) und wurde 2011 als Stipendiat in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen. 2013 machte er seinen Abschluss an der HMT, gastierte am Schlosstheater Celle in Wedekinds „Frühlings Erwachen“ (Regie: Michael Knof) und ist seit Beginn der Spielzeit 2013/2014 am Schauspielhaus Bochum engagiert. Wichtige Rollen waren bisher u. a. die Titelrollen in Schillers "Don Karlos" und Astrid Lindgrens "Michel aus Lönnenberga", außerdem seine Rollen in "Leas Hochzeit", "Familiengeschäfte" und "Mephisto". Die Laudatio für Torsten Flassig hielt Schauspielhaus-Chefdramaturg Olaf Kröck. In der Kategorie „Nachwuchs“ waren außerdem Juliane Fisch und Damir Avdic nominiert.
08.09.2016

Pressebrief Oktober 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
zu unseren nächsten Premieren am Schauspielhaus Bochum laden wir Sie herzlich ein.
 
Hermann Schmidt-Rahmer beschäftigt sich nach seinen Inszenierungen von Elfriede Jelineks „Die Schutzbe-fohlenen / Appendix / Coda / Epilog auf dem Boden“ und „Gespenster des Kapitals“ nach Honoré de Balzac erneut auf der Grundlage eines literarischen Textes mit der aktuellen politischen Situation. Ausgehend von Molières „Tartuffe“ folgt er in seiner Inszenierung der Frage, wie jemand, der offensichtlich lügt und betrügt, so beliebt sein kann und so wirkungsvoll, dass sein Erfolg offenkundig nicht aufzuhalten ist. Und das, obwohl jeder weiß, dass es nicht gut ausgehen kann und alle Schaden nehmen werden, außer der Betrüger selbst. Die Rolle des Tartuffe spielt Jürgen Hartmann. Die Premiere ist am 22. Oktober im Schauspielhaus.
 
In Franz Kafkas berühmter Novelle „Die Verwandlung“ wird ein Alptraum zur Realität. Der Protagonist Gregor Samsa erwacht als Käfer – er ist kein Mensch mehr und kann daher gequält, misshandelt, getötet und schließlich entsorgt werden. Doch wer ist dabei unmenschlich? Wer passt nicht in die Welt? Das ist die zentrale Frage in der Inszenierung von Jan-Christoph Gockel, in der reale Schauspieler auf die Puppen von Michael Pietsch treffen und sich Kafkas dicht gedrängte Sprache mit Filmassoziationen, Theaterbildern, Slapstick und Musik zu einem Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer und den unzähligen Facetten des Werkes verwebt. Die Premiere der ersten Bochumer Regiearbeit von Jan-Christoph Gockel, der Hausregisseur am Staatstheater Mainz ist und 2015 von Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres nominiert wurde, ist am 29. Oktober in den Kammerspielen.
 
„Kula“ ist der Name eines Tauschsystems, das in Neuguinea zwischen Einheimischen verschiedener Inseln praktiziert wird. Dieses Tauschprinzip steht symbolisch für das transnationale Theaterprojekt „Kula – nach Europa“. In Folge der Attentate in Paris und Brüssel sowie den islamophoben Ausschreitungen in Deutschland und den Vorfällen dieses Sommers stellte das Team um den Regisseur Robert Schuster die Frage danach, was das europäische Zusammenleben bestimmt, inwiefern Diversität bereichernd sein kann und wie man sich jenseits politischer Differenzen und gesellschaftlicher Umbrüche mit Respekt begegnen kann. Die Produktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Kunstfests Weimar wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert und entstand in Kooperation mit dem Theater Freiburg. Das Schauspielhaus Bochum ist neben dem Kurtheater Baden (CH) und der Scène Nationale „La Filature“ in Mulhouse (F) Koproduktionspartner des Projekts. Nach der Uraufführung am 1. September in Weimar ist die Bochumer Premiere am 7. Oktober in den Kammerspielen.
 
Mit „Nalu und das Polymeer“ hat Martina van Boxen, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, ein Stück Fantasy- und Musiktheater für Kinder ab zehn Jahren geschrieben. Zusammen mit ihrem Team geht sie mit ihrer fantastischen Geschichte und unter Einbeziehung von Musik, Videoprojektionen und Objekten der Frage nach, was wäre, wenn eine Umweltkatastrophe unermesslichen Ausmaßes unseren Planeten nachhaltig verändert hätte und das einzig übriggebliebene Material Kunststoff wäre. Die Uraufführung ist am 1. Oktober im Theater Unten.
 
Herzliche Grüße
Christine Hoenmanns

05.09.2016

Schauspielhaus Bochum knackt 200.000-Zuschauer-Marke

In der abgelaufenen Spielzeit 2015/2016 haben 208.967 Zuschauer das Schauspielhaus Bochum besucht. Dies ist eine der höchsten Besucherzahlen in der Geschichte des Schauspielhauses. Durch die hohe Besucherfrequenz konnten auch die Einnahmen noch einmal gesteigert werden und belaufen sich in der letzten Saison auf knapp 3 Mio. Euro (2,96 Mio Euro). Das ist eine Steigerung von 70% seit dem Amtsantritt von Anselm Weber (1,74 Mio Euro). Angesichts der großen Konsolidierungsanstrengungen vor allem in den Jahren 2011 bis 2013, als das Schauspielhaus eine Budgetdefizit von 1,8 Mio Euro aus den Vorjahren zu verkraften hatte, steht das Schauspielhaus unter Anselm Weber wirtschaftlich solide da. Es konnten Rücklagen gebildet werden, die der Intendanz von Johan Simons als Vorbereitungsetat dienen werden. Ein Aspekt der Einnahmesteigerung unter Anselm Weber ist die Zahl der Gastspiele des Schauspielhauses an anderen Theatern im In- und Ausland, die in der letzten Saison zusätzlich über 11.000 Zuschauer sahen. Etwa 35 Vorstellungen spielt das Schauspielhaus Bochum pro Spielzeit auswärts mit einem Einnahmevolumen von gut 300.000 Euro.
22.08.2016

Pressebrief September 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
die neue Spielzeit startet am 16. September mit einer neuen Inszenierung von Jan Klata. Der Intendant des polnischen Nationaltheaters Stary in Krakau ist einer der renommiertesten Theatermacher Osteuropas und hat neben diversen Inszenierungen in Polen zuletzt am berühmten Moskauer Künstlertheater Shakespeares „Macbeth“ inszeniert. Mit Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“ zeigt er jetzt seine vierte Arbeit am Schauspielhaus Bochum. Der weltberühmte Roman ist eine der größten Kriminalgeschichten der Weltliteratur und erzählt von Größenwahn, Schuld und Reue. Jan Klata und sein Dramaturg Olaf Kröck haben für die Bühnenadaption die Übersetzung von Swetlana Geier verwendet. Die Figur des Raskolnikow ist mit der Ausnahmeschauspielerin Jana Schulz besetzt, die zum ersten Mal mit dem Regisseur zusammenarbeitet.
 
Zum zweiten Mal hat die junge Autorin Laura Naumann ein Auftragswerk für das Schauspielhaus Bochum verfasst: Nach „Raus aus dem Swimmingpool, rein in mein Haifischbecken“ nun ein weiteres Stück mit einem so schwer merkbaren wie verheißungsvollen Titel: „Manchmal hat die Liebe regiert und manchmal einfach niemand“. Abermals untersucht sie darin anhand einer locker gefügten Reihe von Personen die Frage, wie wir leben wollen, und welche Geschichten wir erzählen, wenn wir von unserem Leben sprechen. Die Uraufführung ist am 18. September in den Kammerspielen. Es inszeniert erstmals in Bochum der Regisseur Jan Gehler, dessen Uraufführung von Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ zum Theaterfestival Radikal Jung sowie zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen war und der sich als Hausregisseur am Staatsschauspiel Dresden zu einem der bekanntesten Regisseure seiner Generation entwickelt hat.
 
Das Erfolgsteam von „Monty Python’s Spamalot“ ist zurück. Ihre neue Premiere im Schauspielhaus ist am 24. September „Weekend im Paradies“. Christian Brey hat die Komödie von Franz Arnold und Ernst Bach über Wochenend-kavaliere und Sonntagsbräute, über berufliche Initiative und unverhoffte Aufstiegschancen im Ministerium in den 1960er Jahren angesiedelt. Die Bühne und die Kostüme hat seine Ausstatterin Anette Hachmann entworfen und als Musikalischer Leiter ist erneut Tobias Cosler mit von der Partie. Im Weekend-Hotel treffen die Ministeriumsangestellten unter anderem auf vier tanzende „Bombay-Babes“, choreografiert von Paul Kribbe, „Die Tiger von Eschnapur“ – die Hotelband – und vor allem in ungewohnten Konstellationen aufeinander. Turbulenzen sind hier vorprogrammiert.
 
Die Ruhrtriennale ermöglicht mit ihrer Campustriennale Masterclass bereits im zweiten Jahr Nachwuchstalenten zusammen mit international renommierten Künstlern und Dramaturgen ihre Projektideen zu realisieren. Unter dem Titel „Zwischen Welten“ beschäftigen sich die Kollektive mit Situationen des Umbruchs, Übergangs und Transits. Larissa Bischoff und Ksenia Ravvina widmen sich in „Adolescence“am Schauspielhaus Bochum der schwierigen Zeit der Pubertät, mit dem Zwischenzustand, nicht mehr Kind, aber noch nicht erwachsen zu sein. Am Ringlokschuppen Ruhr und am Schauspiel Essen werden mit dem Phänomen Gentrifizierung und dem Transit-Ort Autobahnraststätte weitere „Zwischen Welten“ erkundet. Die Inszenierungen in Mülheim, Essen und Bochum können per Kombiticket und Bustransfer an einem Abend nacheinander besucht werden. Die Uraufführung ist am 17. September.
 
Herzliche Grüße
Christine Hoenmanns

04.05.2016

DIE SAISON 2016/2017 IM SCHAUSPIELHAUS BOCHUM

„Im Jahr der Kulturhauptstadt haben wir unsere Arbeit am Schauspielhaus Bochum begonnen. Nun legen wir das Programm für die siebte Saison vor. In den vergangenen Jahren war unsere Arbeit durch die angespannte ökonomische Situation des Theaters nicht immer leicht. Doch mit Stolz können wir sagen, dass es uns aus eigener Kraft gelungen ist, das Schauspielhaus Bochum wieder wirtschaftlich solide aufzustellen. Besonders freue ich mich, dass wir trotz der Sparzwänge über all die Jahre ein inhaltlich wie künstlerisch anspruchsvolles Programm bieten konnten. Wir haben die unterschiedlichsten Regiehandschriften von jungen und arrivierten Künstlern präsentiert, internationale Regisseure nach Bochum geladen, eine Vielzahl von Ur- und Erstaufführungen gezeigt, mit den Arbeiten von Renegade den Tanz zurück ans Haus geholt, haben das Junge Schauspielhaus gestärkt, das Theater in die Stadt und in die Region geöffnet, uns mit der lokalen und überregionalen freien Theaterszene vernetzt und mit dem „Detroit-Projekt“ große Aufmerksamkeit auf eine der größten Herausforderungen der Stadt Bochum lenken können.“
 
Anselm Weber, aus dem Vorwort des Spielzeitmagazins 2016/2017 
 
 
Die Spielzeit 2016/2017
 
Anselm Weber und sein Team haben für die siebte und letzte Spielzeit der laufenden Intendanz erneut einen Spielplan zusammengestellt, der eine große Vielfalt von Inhalten und Ästhetiken präsentiert. Wie in den Jahren zuvor ist es gelungen, international bekannte Künstler wie Paul Koek und Jan Klata nach Bochum einzuladen. Die Autorin Laura Naumann hat im Auftrag des Schauspielhauses ein neues Stück geschrieben und das Ensemble Renegade zeigt eine Retrospektive auf sieben Jahre Tanz mit „Renegade in Residence“ am Schauspielhaus Bochum. Zudem kooperiert das Schauspielhaus mit Künstlern der freien Szene wie kainkollektiv aus Bochum und Rimini Protokoll. Als Kooperation mit der Ruhrtriennale gibt es eine Masterclass, außerdem beteiligt sich das Schauspielhaus an einem internationalen Theaterprojekt des Regisseurs Robert Schuster. Auch das Junge Schauspielhaus gestaltet wieder einen breitgefächerten Spielplan für Klein und Groß auf allen Bühnen sowie Workshops, Theaterclubs und ein theaterpädagogisches Begleitprogramm.
 
Geplant sind über 20 Neuproduktionen mit insgesamt fünf Uraufführungen und einer deutsch-sprachigen Erstaufführung. Neben u. a. Barbara Bürk, Hermann Schmidt-Rahmer, Anselm Weber und Hausregisseur Roger Vontobel werden erstmals Jan Gehler, Jan-Christoph Gockel und Hasko Weber am Schauspielhaus inszenieren.
 
Eröffnung im September: Die neue Spielzeit startet am 16. September 2016 mit einer Inszenierung von Jan Klata. Der polnische Regisseur und Intendant des Stary Teatr Kraków setzt „Verbrechen und Strafe“ von Fjodor M. Dostojewski und damit eine der größten Kriminalgeschichten der Weltliteratur für das Schauspielhaus in Szene und erzählt von Größenwahn, Schuld und Reue. Die Rolle des Raskolnikow wird Jana Schulz spielen. Am gleichen Wochenende, am 18. September, kommt das neue Stück der Autorin Laura Naumann zur Uraufführung in den Kammerspielen. „Manchmal hat die Liebe regiert und manchmal einfach niemand“ entstand als Auftragswerk für das Schauspielhaus Bochum. An einer lose zusammengefügten Gruppe von Menschen spielt Laura Naumann die Fragen durch, die unser Leben bestimmen. Was steuert unsere Entscheidungen: Zufall oder Schicksal? Das, was wir uns angewöhnt haben „ich“ zu nennen? Oder manchmal auch die Liebe? Regie führt Jan Gehler, der u. a. am Thalia Theater Hamburg und am Maxim Gorki Theater Berlin inszeniert und am Staatsschauspiel Dresden Hausregisseur war.

Rund eine Woche später zeigt das Schauspielhaus die dritte Bochumer Arbeit von Christian Brey, der mit „Weekend im Paradies“ von Franz Arnold und Ernst Bach erneut sein Talent für Komödien unter Beweis stellen wird (24.9.2016, Schauspielhaus). In einem zweiten Eröffnungs-Premierenblock hat im Oktober Molières „Tartuffe“, inszeniert von Hermann Schmidt-Rahmer (22.10.2016, Schauspielhaus), und „Die Verwandlung“ von Franz Kafka Premiere (29.10.2016, Kammerspiele). In seinem Bochumer Regiedebüt wird Jan-Christoph Gockel die berühmte Erzählung Kafkas mit Schauspielern und Puppen des Puppenbauers und –spielers Michael Pietsch interpretieren.
 
Weitere zentrale Spielplanpositionen: Als deutschsprachige Erstaufführung zeigt das Schauspielhaus „Die unsichtbare Hand“ des renommierten amerikanischen Autors Ayad Akhtar – zusammen mit George Brants „Am Boden“ als Doppelpremiere an einem Abend, inszeniert von Intendant Anselm Weber (DSE/Premiere am 3.12.2016, Kammerspiele). In der Regie von Hasko Weber, Generalintendant des Nationaltheaters Weimar, hat Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ am 21.1.2017 Premiere im Schauspielhaus. Barbara Bürk, eingeladen zum diesjährigen Theatertreffen, zeigt Eduard von Keyserlings Erzählung „Am Südhang“ in einer eigenen Bühnenbearbeitung (Uraufführung am 10.3.2017 in den Kammerspielen). Und der Niederländer Paul Koek wird mit „Der Steppenwolf“ nach dem Roman von Hermann Hesse eine neue (Musiktheater)Inszenierung erarbeiten, die ab 4.2.2017 in den Kammerspielen zu sehen sein wird.
 
Liebe? Marius von Mayenburg wird Shakespeares berühmteste Liebestragödie „Romeo und Julia“ inszenieren (Premiere am 11.3.2017, Schauspielhaus) und Jan Neumann wird sich im Kontrast dazu den „Gefährlichen Liebschaften“ von Christopher Hampton nach dem Roman von Choderlos de Laclos widmen (224.2017, Schauspielhaus).
 
Nachwuchs: Unsere Koproduktionsinszenierung mit der Folkwang Universität der Künste ist in der kommenden Spielzeit „Homo Empathicus“ der zeitgenössischen Dramatikerin Rebekka Kricheldorf in der Regie von Thomas Ladwig, der zum ersten Mal am Schauspielhaus arbeitet (Premiere am 16.2.2017, Theater Unten). Als erste Regiearbeit zeigt Maren Watermann, Regieassistentin am Schauspielhaus, „Finnisch“ von Martin Heckmanns (Premiere am 13.1.2017, Theater Unten).
 
Zum Abschluss seiner siebenjährigen Intendanz am Schauspielhaus Bochum inszeniert Anselm Weber Arthur Millers „Alle meine Söhne“ (20.5.2017, Schauspielhaus) und Hausregisseur Roger Vontobel zeigt als letzte Bochumer Inszenierung tags zuvor Bernard-Marie Koltès‘ „Kampf des Negers und der Hunde“ in den Kammerspielen.
 
Kooperationen: Die Bochumer Performancegruppe kainkollektiv entwickelt unter dem Titel „Hagar“ eine Globe Opera Performance für die Kammerspiele und in Zusammenarbeit mit Urbane Künste Ruhr macht „Truck Tracks Ruhr“ nach einem Konzept von Rimini Protokoll Station in Bochum. „Zwischen Welten“ ist das Thema der Ruhrtriennale Masterclass 2016, an der neben dem Schauspielhaus Bochum das Schauspiel Essen und der Ringlokschuppen Ruhr beteiligt sind; die Uraufführung ist am 17. September. Robert Schuster entwickelt in Zusammenarbeit mit der Compagnie AZA/Frankreich, dem Azdar Theatre/Afghanistan, dem Theater Freiburg, dem Nationaltheater Weimar und dem Schauspielhaus Bochum ein internationales Projekt: Die Uraufführung von „Kula – nach Europa“ ist am 7. Oktober im Theater Unten. Und unter dem Motto „Tanz, Bochum, tanz!“ blickt das Schauspielhaus im März/April 2017 zusammen mit dem Ensemble Renegade auf sieben Jahre „Renegade in Residence“ am Schauspielhaus Bochum zurück.
 
Junges Schauspielhaus / Kinder- und Jugendproduktionen: Unser diesjähriges Kinder- und Familienstück ist Paul Maars „Das Sams – Eine Woche voller Samstage“ in der Regie von Barbara Hauck, die am Schauspielhaus u. a. die Erfolgsproduktion „Bochum“ inszeniert hat. Das Junge Schauspielhaus unter der Leitung von Martina van Boxen setzt seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fort und startet mit zwei Uraufführungen in die kommende Saison: „Nalu und das Polymeer“ ist Fantasytheater für Kinder ab 10 Jahren und wird am 1. Oktober uraufgeführt. Das Tanz- und Theaterprojekt „Über Gott und die Welt“ entwickelt Martina van Boxen mit dem Choreografen Arthur Schopa, Uraufführung ist am 1. Dezember. Das erfolgreiche Großprojekt „Schulen in Bewegung“ mit Bochumer Schülerinnen und Schülern aus allen Schulformen wird fortgesetzt (Premiere am 8.6.2016, Kammerspiele) und Sandra Anklam entwickelt erneut einen Theaterabend in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum. Außerdem bietet das Junge Schauspielhaus weiterhin sein umfangreiches Workshop- und Jugendprogramm an.


06.04.2016

Pressebrief Mai 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
zu den nächsten Premieren im Schauspielhaus Bochum laden wir Sie herzlich ein. 
 
Daniela Löffner, die in diesem Jahr mit ihrer Turgenjew-Inszenierung „Väter und Söhne“ am Deutschen Theater Berlin erstmals zum Theatertreffen eingeladen ist, bringt am Schauspielhaus Bochum eine eigene Bearbeitung des weltberühmten Romans „Mephisto“ von Klaus Mann, der 1936 im Amsterdamer Exil erschienen und in Westdeutschland jahrzehntelang verboten war, auf die Bühne. In ihrer Inszenierung wird es darum gehen, die Ambivalenzen im Verhalten des opportunistischen Karrieristen Höfgen (gespielt von Raiko Küster) aus seiner Identität als leidenschaftlicher Schauspieler zu entwickeln. Zugleich kommt das Auseinanderdriften extremer politischer Meinungen in den Blick, das unsere Gegenwart in mancher Hinsicht mit der angespannten Situation in der Weimarer Republik verbindet. Die Premiere ist am 13. Mai.
 
Wunschkinder? Marc ist 19, hat vor vier Monaten Abi gemacht und beschäftigt sich seitdem hauptsächlich mit Schlafen, Kiffen, Fernsehen und dem Leerfressen des elterlichen Kühlschranks. Selma, auch 19, macht eine Ausbildung, holt abends ihr Abitur nach, arbeitet in einer Kneipe, sitzt am Wochenende in einem Callcenter und kümmert sich um ihre psychisch labile Mutter. Dann treffen Marc und Selma aufeinander, verlieben sich. Selma wird schwanger – und das Leben der jungen Erwachsenen und ihrer „Erziehungsberechtigten“ gerät aus der Bahn. Das neue Stück des Erfolgsduos Lutz Hübner und Sarah Nemitz („Bochum“, „Richtfest“) ist eine genau beobachtete Untersuchung des Verhältnisses zwischen den Generationen und wirft zugleich einen kritisch-humorvollen Blick auf die Lebensmodelle des Mittelstands. Anselm Weber inszeniert „Wunschkinder“ für die Kammerspiele. Die Uraufführung ist am 29. Mai.
 
Am 12. Mai hat Dennis Kellys „Waisen“ Premiere. Im Gewand eines Krimis stellt der Autor, der zu den meistgespielten britischen Gegenwartsdramatikern gehört und 2009 in der Kritikerumfrage von Theater heute zum besten ausländischen Dramatiker des Jahres gewählt wurde, die  Frage nach der Beständigkeit von Wertvorstellungen, wenn es um den Schutz der eigenen Familie geht. Liam taucht blutüberströmt im Wohnzimmer seiner Schwester Helen und ihres Mannes Danny auf und behauptet, er habe auf der Straße einen Verletzten gefunden. Für Helen ist klar, dass die Polizei nicht eingeschaltet werden darf, denn Liam ist vorbestraft. Doch Danny ist zunehmend irritiert von Liams immer widersprüchlicher werdenden Aussagen. Wie weit wird er für seine Familie gehen? Leonard Beck gibt mit der Inszenierung des preisgekrönten Stücks sein Regiedebüt am Schauspielhaus Bochum und schafft im Theater Unten eine Bühnensituation, die die Zuschauer in unmittelbare Nähe zum Geschehen bringt und ihnen ermöglicht, die Geschichte um Liebe, Lügen und Loyalität intensiv mitzuerleben.
 
Seit 1958 gehört das Festival „FIDENA – Figurentheater der Nationen“ zu den populärsten Aktivitäten des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V. Vom 4. bis 12. Mai findet findet das Festival FIDENA in Bochum, Essen, Herne und Hattingen statt. Zum allerersten Mal in der fast 60-jährigen Geschichte des Festivals entsteht mit der Uraufführung „Moondog“ eine eigene Festivalproduktion in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum. „Moondog“, in der Regie von FIDENA-Intendantin Annette Dabs, ist eine – nicht nur – musikalische Hommage an den Komponisten Louis Thomas Hardin alias Moondog. Die Uraufführung ist am 4. Mai in den Kammerspielen.
 
Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

04.03.2016

THEMENMONAT: DAS EIGENE & DAS FREMDE

Der dramatische Anstieg der Flüchtlingsströme nach Europa und die globale Bedrohung durch anti-westliche Terrorgruppen beherrschen gegenwärtig die öffentlichen und privaten Diskussionen und Gespräche. Das optimistische „Wir schaffen das“ der Kanzlerin und eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft treffen auf besorgte Fragen und Ablehnungsbekundungen, die immer mehr vor Gewalt nicht zurückschrecken. Mehr denn je stellt sich die Frage, wie wir in Zukunft zusammen leben wollen. Können und wollen wir uns eine offene, von Freiheitsrechten geprägte Gesellschaft leisten? Wann schlägt die Verteidigung der Freiheit um in ihr Gegenteil? Was definieren wir als das Eigene, wo beginnt das Fremde?
 
Mit einem Themenmonat „Das Eigene & das Fremde“ will das Schauspielhaus Bochum im März/April in verschiedenen Veranstaltungen diesen Fragen nachgehen. Im Zentrum steht die deutschsprachige Erstaufführung von Anders Lustgartens „Lampedusa“, die Schauspielhaus-Chefdramaturg Olaf Kröck inszeniert. Der britische Autor mit amerikanisch-ungarischen Wurzeln stellt die unaufhaltsame Migrationswelle mithilfe zweier Einzelgeschichten in einen gesamteuropäischen Kontext und hat mit seinem wütenden, bitteren und doch hoffnungsvollen Zwei-Personen-Stück einen der eindringlichsten zeitgenössischen Theatertexte über die vielleicht wichtigste Herausforderung unserer Zeit geschrieben. Die Uraufführung fand im Sommer 2015 im Londoner Soho Theatre statt. Die deutschsprachige Erstaufführung ist am 11. März in den Kammerspielen.
Ein zweiter Schwerpunkt ist Anfang April die Premiere des neuen Projekts von Hermann Schmidt-Rahmer, der Elfriede Jelineks großes Werk zur europäischen Flüchtlingskrise „Die Schutzbefohlenen“ als Ausgangspunkt seiner neuen Inszenierung nehmen wird. Die drei weiteren Teile des Textkonvoluts, „Appendix“, „Coda“ und der erst im Januar 2016 entstandene Part „Epilog auf dem Boden“, der nun zum ersten Mal in einer Bühnenfassung verwendet wird, werden ebenfalls Teil des Abends sein.
 
Weitere Veranstaltungen innerhalb des Themenmonats: Am 13. März laden wir als Teil der bundesweiten Initiative „Die offene Gesellschaft“ zu einer öffentlichen Diskussion in die Kammerspiele ein. In der Matinee zu „Lampedusa“ (6. März) stellen wir die Frage nach der Situation der Flüchtlinge vor Ort und zur Matinee von „Die Schutzbefohlenen“ (3. April) beschäftigen wir uns mit den Sorgen, Ressentiments, Abwehr-prozessen und der Frage, ob wir einem Krieg der Welten entgegenblicken. Außerdem gibt es im Rahmen des Themenmonats eine Tanztheaterpremiere unseres Partners Renegade in der Zeche 1: Neco Çelik inszeniert „Basmala – Freund oder Feind“, eine choreografische Spurensuche über den muslimischen Mann zwischen Hip Hop und Dschihad (Premiere am 10. März in der Zeche 1). Ab 18. März stellen wir mit einer Ausstellung im Schauspielhaus-Foyer die Projekte vor, die das Schauspielhaus-Publikum durch seine großzügigen Spenden im Rahmen unserer Spendenaktion von November bis Ende Januar unterstützt hat. Am 30. März lädt der Bochumer WorldBeatClub unter dem Titel „Musik verbindet“ zu einem Konzert in die Eve Bar. Im Tanas präsentieren wir am 6. April in einer Lesung mit Omar El-Saeidi Abbas Khiders „Ohrfeige“. Und die Generalversammlung des europäischen Theaternetzwerks „Union des Théâtres de l’Europe“ vom 8.-10. April schließt mit internationalen Perspektiven zum Thema „Das Eigene & das Fremde“ den Komplex ab.

01.03.2016

Pressebrief April 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
„Du sollst dir kein Bildnis machen“: das ist ein zentraler Gedanke im Werk Max Frischs. Der Begriff Bildnis meint dabei in säkularer Wendung das Bild vom anderen ebenso wie, darin gespiegelt, das Bild vom Selbst. Doch die Forderung nach vielschichtiger Offenheit im Umgang miteinander verträgt sich schlecht mit unserem Alltagsbedürfnis nach klaren Verhältnissen. Darf ein Mensch die Bildnisse, die seine Umwelt von ihm hat, einfach verleugnen? Darf man ein anderer werden, als man zu sein scheint, und mit allem brechen, was dem im Weg steht – Beruf, Ehefrau, Geliebte, Existenz? In der Regie von Eric de Vroedt, der im letzten Frühjahr „Leas Hochzeit“ von Judith Herzberg am Schauspielhaus inszeniert hat, wird aus Max Frischs weltberühmtem Roman „Stiller“ ein theatrales Spiel mit den Bildern und Bildnissen einer radikalen Suche nach Identität. Der Schweizer Autor Reto Finger hat für diese Inszenierung eine eigene Theaterfassung erstellt. Die Premiere ist am 2. April im Schauspielhaus.
 
Am 9. April hat das neue Projekt von Hermann Schmidt-Rahmer Premiere in den Kammerspielen. Ausgangspunkt seiner Inszenierung ist Elfriede Jelineks großes Werk zur europäischen Flüchtlingskrise „Die Schutzbefohlenen“. Die drei weiteren Teile des Textkonvoluts, „Appendix“, „Coda“ und der erst im Januar 2016 entstandene Part „Epilog auf dem Boden“, der nun zum ersten Mal in einer Bühnenfassung verwendet wird, werden ebenfalls Teil des Abends sein. Elfriede Jelineks Texte schlagen einen weiten Bogen. Während sie in dem ersten, viel gespielten Teil von dem rücksichtlosen Umgang der europäischen Politik gegenüber den Schutzsuchenden tief bewegt war, und vorwurfsvoll die Kälte der westlichen Politik anprangerte, wird in den folgenden Texten ihre Ratlosigkeit gegenüber der massenhaften Fluchtbewegung Richtung Nord-Europa deutlich. Hermann Schmidt Rahmer, der mit „Die Schutzbefohlenen / Appendix / Coda / Epilog auf dem Boden“ zum fünften Mal ein Werk von Elfriede Jelinek inszeniert, ergänzt die Fassung mit dokumentarischem Text- und Videomaterial.
 
Am 7. April zeigen wir die letzte Etappe von „The Rest is Noise“ im Schauspielhaus. Die Ruhrtriennale hat ein halbes Jahr lang außerhalb der Festivalzeit mit dieser musikalisch-literarischen Reise durch die Musik des 20. Jahrhunderts von Alex Ross Station in den sechs großen Schauspielhäusern der Region gemacht. Es lesen Schauspieler des jeweiligen Ensembles, musikalisch begleitet von Mitgliedern der Bochumer Symphoniker und der Pianistin Sachiko Hara. Regie führt Johan Simons. In der finalen Etappe in Bochum stehen Komponisten des ausklingenden 20. Jahrhunderts auf dem Programm, darunter Hans Werner Henze, Helmut Lachenmann, Karlheinz Stockhausen, Tōru Takemitsu und Olga Neuwirth.
 
Vom 8. bis 10. April ist das Schauspielhaus Gastgeber der Generalversammlung des europäischen Theaternetzwerks „Union des Théâtres de l’Europe“. Zweimal jährlich tauschen sich die internationalen Mitglieder aus – diesmal zum Thema „Das Eigene & das Fremde“ – und halten ihre Generalversammlung ab. Im Zentrum stehen neben der eigentlichen Generalversammlung und dem Besuch von Vorstellungen zusätzlich ein öffentlicher Vortrag von Koen Tachelet (8. April) sowie das „Café Europa“ (9. April), ein Diskussionsformat, das ausgehend von Impulsreferaten u. a. von Hermann Schmidt-Rahmer, Hatice Akyün und Martin Dietzsch, Neorassismen, Formen politischen Theaters sowie die Utopie einer offenen Gesellschaft beleuchtet.
 
Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

17.02.2016

Deutschsprachige Erstaufführung LAMPEDUSA

LAMPEDUSA
von Anders Lustgarten
Deutsch von Stefan Kroner
 
Das Mittelmeer ist die Wiege der Identität Europas – Ausgangspunkt unserer jahrtausendealten Kultur, Sehnsuchtsort der Deutschen schon seit Goethes Zeiten. Heute wird es immer mehr zu einem gutbewachten Massengrab. Knapp eine Million Menschen flohen im vergangenen Jahr über das Mittelmeer nach Europa. 3.600 sind dabei ertrunken. Wie viele werden es dieses Jahr sein? Wie viele müssen es noch werden?
 
Stefano war Fischer. Heute fischt er im Auftrag der Regierung Überlebende und Leichen aus dem Wasser vor seiner Insel. Denise treibt in einer europäischen Großstadt für eine Wucherkreditfirma Schulden ein, stellt den Fuß in Türen, winkt mit Pfändungen und hört sich schäbige Lügen in schäbigen Wohnzimmern an. Beide haben nichts gemeinsam. Und doch verbindet sie etwas: Sie stehen an vorderster Front, an dem Punkt, an dem aus Politik harte Realität wird. Wer die Arbeit verliert und mit den Raten in den Rückstand gerät, wer den Halt verliert und über die Reling rutscht wird ihr Kunde. Kein besonders toller Job. Bis in beiden Leben etwas Außergewöhnliches geschieht.
 
Der junge britische Autor Anders Lustgarten ist eine echte Entdeckung. Mit „Lampedusa“ hat er ein starkes, wütendes, bitteres und doch hoffnungsvolles Stück über die vielleicht wichtigste Herausforderung unserer Zeit geschrieben.
 
Anders Lustgarten gewann 2011 mit seinem Stück „If you don’t let us dream we won’t let you sleep“, eine Abrechnung mit dem Finanzkapitalismus, den ersten „Harold Pinter Playwright’s Award“. Er arbeitet an Projekten für Fernsehen und Radio und an Auftragsstücken für das National Theatre sowie für das Royal Court Theatre. Wegen seiner Tätigkeit als politischer Aktivist saß er bereits auf vier Kontinenten im Gefängnis.
 
Olaf Kröck (*1971) ist Chefdramaturg des Schauspielhauses Bochum. Er studierte Angewandte Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis an der Universität Hildesheim und war Künstlerischer Leiter des 3. europäischen Theaterfestival transeuropa 2000 in Hildesheim. Anschließend arbeitete er als Dramaturg und Regisseur am Stadttheater Hildesheim, war 2001-2004 Schauspieldramaturg und künstlerischer Leiter der Experimentierbühne „UG“ am Luzerner Theater bei Barbara Mundel und von 2005-2010 Dramaturg am Schauspiel Essen unter der Intendanz von Anselm Weber, mit dem er 2010 ans Schauspielhaus Bochum wechselte. In der Spielzeit entwickelte als Künstlerischer Ko-Leiter das internationale „Das Detroit-Projekt“ maßgeblich mit. 2017/2018 wird er als Intendant der Interimsspielzeit das Schauspielhaus Bochum leiten.
 
Regie: Olaf Kröck, Bühne: Dorothea Lütke Wöstmann, Kostüme: Janna Banning, Musik: Frank Böhle, Dramaturgie: Alexander Leiffheidt
 
Mit: Juliane Fisch, Raiko Küster
 
Deutschsprachige Erstaufführung am 11. März in den Kammerspielen
Die nächsten Vorstellungen: 24. März & 1., 10., 30. April
 
 
MATINEE ZU LAMPEDUSA
Einblicke in die Produktion und Gespräch über die Situation der Flüchtlinge in Bochum
 
„Alle meine Stücke sind Konfrontationen mit der Wirklichkeit“, schreibt der Londoner Autor Anders Lustgarten über sein neustes Werk „Lampedusa“. Getreu dem Motto des Autors beschäftigen wir uns im Rahmen des Themenmonats „Das Eigene & das Fremde“ in der Matinee am Sonntagvormittag vor der Premiere mit der Wirklichkeit der Flüchtlinge, die nach wie vor tagtäglich über das Mittelmeer nach Europa kommen, und mit der aktuellen Situation der Flüchtlinge in Bochum.
 
Als Gäste sind eingeladen: Susanne Lange (Flüchtlingshilfenetzwerk Bochum-Südwest), Eyob Muhe (Asylbewerber aus Eritrea), Dr. Frank Taschner (Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Rat, Koordinator des Initiativkreises Flüchtlingsarbeit) und Regisseur Olaf Kröck. Moderation: Alexander Leiffheidt (Dramaturg).
 
6. März, 11:00 Uhr im Tanas
09.02.2016

Pressebrief März 2016

Sehr geehrte Damen und Herren
 
der dramatische Anstieg der Flüchtlingsströme nach Europa und die globale Bedrohung durch anti-westliche Terrorgruppen beherrschen gegenwärtig die öffentlichen und privaten Diskussionen und Gespräche. Das optimistische „Wir schaffen das“ der Kanzlerin und eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft treffen auf besorgte Fragen und Ablehnungsbekundungen, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Mehr denn je stellt sich die Frage, wie wir in Zukunft zusammen leben wollen. Können wir uns eine offene, von Freiheitsrechten geprägte Gesellschaft überhaupt noch leisten? Wann schlägt die Verteidigung der Freiheit um in ihr Gegenteil? Was definieren wir als das Eigene, wo beginnt das Fremde?
 
Mit einem Themenmonat „Das Eigene & das Fremde“ wollen wir im März/April in verschiedenen Veranstaltungen diesen Fragen nachgehen. Im Zentrum steht die deutschsprachige Erstaufführung von Anders Lustgartens„Lampedusa“, die Schauspielhaus-Chefdramaturg Olaf Kröck inszenieren wird. Der britische Autor mit amerikanisch-ungarischen Wurzeln stellt die unaufhaltsame Migrationswelle mithilfe zweier Einzelgeschichten in einen gesamteuropäischen Kontext und hat mit seinem wütenden, bitteren und doch hoffnungsvollen Zwei-Personen-Stück einen der eindringlichsten zeitgenössischen Theatertexte über die vielleicht wichtigste Herausforderung unserer Zeit geschrieben. Die Uraufführung fand im Sommer 2015 im Londoner Soho Theatre statt. Die deutschsprachige Erstaufführung ist am 11. März in den Kammerspielen.
Ein zweiter Schwerpunkt ist Anfang April die Premiere des neuen Projekts von Hermann Schmidt-Rahmer, der Elfriede Jelineks großes Werk zur europäischen Flüchtlingskrise „Die Schutzbefohlenen“ als Ausgangspunkt seiner neuen Inszenierung nehmen wird. Die drei weiteren Teile des Textkonvoluts, „Appendix“, „Coda“ und der erst im Januar 2016 entstandene Part „Epilog auf dem Boden“, der nun zum ersten Mal in einer Bühnenfassung verwendet wird, werden ebenfalls Teil des Abends werden. Weitere Infos dazu folgen im April-Pressebrief.
 
Weitere Veranstaltungen innerhalb des Themenmonats: Am 13. März laden wir als Teil der bundesweiten Initiative „Die offene Gesellschaft“ zu einer öffentlichen Diskussion in die Kammerspiele ein. Im Rahmen der Matinee zu „Lampedusa“ (6. März) stellen wir die Frage nach der Situation der Flüchtlinge vor Ort und zur Matinee von „Die Schutzbefohlenen“ (3. April) beschäftigen wir uns mit den Sorgen, Ressentiments, Abwehrprozessen und der Frage, ob wir einem Krieg der Welten entgegenblicken. Außerdem gibt es im Rahmen des Themenmonats eine Tanztheaterpremiere unseres Partners Renegade in der Zeche 1: Neco Çelik inszeniert „Basmala – Freund oder Feind“, eine choreografische Spurensuche über den muslimischen Mann zwischen Hip Hop und Dschihad (Premiere am 10. März in der Zeche 1). Am 30. März lädt der Bochumer WorldBeatClub unter dem Titel „Musik verbindet“ zu einem Konzert in die Eve Bar. Und die Generalversammlung des europäischen Theaterverbands Union des Théâtres de l’Europe vom 8.-10. April schließt mit internationalen Perspektiven zum Thema „Das Eigene & das Fremde“ den Komplex ab.
 
Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

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