30.05.2017

Themenwoche WIR UND DIE
3.-11. Juni 2017


WIR UND DIE
Vom Blick auf die Anderen
 
Eine Themenwoche zur Frage wer wir sind, was uns verbindet und was uns trennt
3.-11. Juni 2017
 
Die Politik der einfachen Lösungen, die aktuell weltweit an Zuspruch gewinnt, fußt auf einer grundlegenden Trennung: Die Rede ist stets vom „Wir“, die wir hier sind (und vermeintlich immer schon hier waren) und vom „Die“, von den Illegalen und Migranten, die angeblich nicht zu uns gehörten. Wahlweise lässt sich diese Achse der Unterscheidung auch von der Horizontalen in die Vertikale drehen – dann liest sich dieselbe Gleichung als „Wir“, die wir hier unten seien, denen nicht zugehört werde, und „Die“, die da oben, die korrupten Politiker, die Gutmenschen-Lobby und Lügenpresse.
 
„Wir und die“ ist die Kernformel, der erste Glaubenssatz des Populismus. Beide Varianten der Formel bewirken das Gleiche: Sie fingieren das Authentische und Autochthone, konstruieren zusammen mit dem Gegenpol einer angeblichen Bedrohung einen Pol der Selbstvergewisserung. Sie reduzieren damit die zunehmende Komplexität der Welt auf ein Schema, dem selbst der einfachste Geist noch folgen kann. Schuld sind nie „wir“, sondern immer nur „die“. Und wie wird es besser? Ganz einfach, „Die“ müssen weg. Aber können wir die Formel nicht auch anders verwenden? Wenn wir Identität (mit Kwame Anthony Appiah) als „Aktivität, nicht als Ding“ begreifen – kann aus der starren Unterscheidung die Beschreibung eines konstruktiven Prozesses werden? Oder taugt die Rede vom „Wir und die“ doch nur zur rhetorischen Waffe politischer Brandstifter?
 
„Es ist eine bleibende gesellschaftspolitische Herausforderung, die unüberwindbare Unterscheidung zwischen ‚uns‘ und ‚den anderen‘ nicht denen zu überlassen, die daraus essentialistische Ausgrenzungs- und Bedrohungsszenarien machen wollen, sondern sie in spielerischer, selbstreflexiver und relativierender Hinsicht zu thematisieren. Genau dazu wollen wir mit dieser Themenwoche beitragen.“ (Prof. Dr. Stefan Berger)
 
„Migrations- und Wanderbewegungen sind so alt wie die Menschheit. Was das „Wir“ ausmacht und was „die anderen“, das ist Bestandteil einer fortwährenden Verhandlung über Identitätsgrenzen. Wie kommt es, dass diese Grenzen heute wieder zunehmend als undurchdringbar und starr behauptet werden und dass manche meinen, sie mit Hass und Gewalt verteidigen zu müssen? Was treibt die Auseinandersetzung über „Wir und die“ in die Hysterie und Menschenfeindlichkeit? Das ist eine Frage, mit der sich das Theater bereits seit der Antike auseinandersetzt und zu der es mit seinen Stoffen auch heute wieder viel beizutragen hat.“ (Alexander Leiffheidt)
 
In einer aktuellen Themenwoche vom 3. bis 11. Juni wollen wir anhand von Gesprächen und Vorträgen die politischen Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit im Kontext von Identität, Integration und Segregation untersuchen. Dazu zeigen wir passende Filme sowie Theaterproduktionen.
 
Vorstellungen aus dem Repertoire
„Kampf des Negers und der Hunde“ am 3. Juni 2017 in den Kammerspielen
„Schule in Bewegung: Der Herr der Fliegen“ am 8. Juni 2017 in den Kammerspielen
„Kurze Interviews mit fiesen Männern“ am 10. Juni 2017 im Theater Unten
„Biedermann und die Brandstifter“ am 11. Juni 2017 im Schauspielhaus
„Lampedusa“ am 11. Juni 2017 in den Kammerspielen
 
Gespräche und Vorträge
mit der Historikerin Dagmar Kift, Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Goch und Mitglied des Landtags Serdar Yüksel (6. Juni), dem Sozialpsychologen Prof. Dr. Jürgen Straub (8. Juni), dem Gewaltforscher Prof. Dr. Andreas Zick, Historiker Prof. Dr. Stefan Berger und Chefdramaturg Olaf Kröck (11. Juni)
Der Eintritt zu allen Vorträgen und Gesprächen ist frei.
 
Dokumentarfilme im Endstation.kino
„Café Waldlust“ von Matthias Koßmehl, 7. Juni 2017
„Ferne Söhne“ von Andres Rump, 10. Juni 2017
Karten: 5,00 € (im endstation.kino erhältlich)

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Schauspielhaus Bochum – Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets – endstation.kino
Programmplanung: Prof. Dr. Stefan Berger, Alexander Leiffheidt, Nina Selig


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