03.01.2018

Pressebrief Februar 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere diesjährige Koproduktion mit dem Studiengang Schauspiel der Folkwang Universität der Künste ist Ödön von Horváths „Jugend ohne Gottin der Regie von Martina van Boxen. Am Beispiel einer namenlos gewordenen Generation Jugendlicher zeichnete Horváth 1937 den Verlust von autonomem Denken auf. Wo Horváth über die Innensicht des Lehrers Mechanismen andeutet und Hinweise für die systematische Einengung liefert, knüpft in Martina van Boxens Inszenierung der Choreograf Arthur Schopa mit gestischem Material an und überträgt Beschreibungen von Gefühlen und Beobachtungen wie auch strukturelle Vorgänge in Bewegungselemente und -bilder. Live-Musik und Sound erarbeitet Manuel Loos gemeinsam mit dem Ensemble. Das Klangbild bewegt sich hierbei von Soundscapes, die die Handlung unermüdlich vorantreiben, bis hin zu Zitaten aus Jazz und Swing, welche eine Brücke zwischen der Entstehungszeit des Textes, den Orten der Handlung zu Horváths Zeiten und der gegenwärtigen Bühnensituation bilden. Die Premiere ist am 2. Februar in den Kammerspielen.

Ende gut, alles gut ist ein Geheimtipp unter Shakespeares Werken, das aufgrund seiner unkonventionellen Geschlechterrollen selten gespielt wird. Vor dem Hintergrund der aktuellen #MeToo-Debatte dreht Regisseur Robert Schuster in seiner Inszenierung die Geschlechter zweifach um und offenbart so ihre kulturelle Gemachtheit: Aus weiblichen Figuren werden Männer, die wiederum von Schauspielerinnen verkörpert werden. So provoziert die Inszenierung die Fragen: Wie stark halten uns Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit in ihrem Griff, wenn wir auf die Handlungen eines Menschen blicken? Bewerten wir das Verhalten eines Menschen seinem/ihrem biologischen Geschlecht entsprechend? Kann es gelingen, dass Geschlecht irgendwann keine Rolle mehr spielt? In einer Zeit in der tagtäglich über diskriminierende Sprache und Darstellungen debattiert wird – in der die neue Zensur moralisch aber zu schlagkräftig ist, um ignoriert werden zu dürfen – kokettiert die Inszenierung bewusst mit politischer Unkorrektheit. Denn was könnte uns mehr über unsere Gesellschaft verraten als die Frage, warum manche Zuschreibungen ein Lachen und andere einen Aufschrei auslösen. Die Premiere ist am 3. Februar im Schauspielhaus.

FürTräum weiter kommt in den Kammerspielen eine ganz besondere Besetzung zusammen, um das erste Bühnenstück der Drehbuchautorin Nesrin Şamdereli („Almanya – Willkommen in Deutschland“), ein Auftragswerk für das Bochumer Schauspielhaus, zur Uraufführung zu bringen. Zum Bochumer Ensemble stoßen dabei u. a. Vedat Erincin, der in „Almanya“ den Großvater Hüseyin spielte, und Almila Bagriacik, die neue Kieler Tatort-Kommissarin, in der Rolle der Nil, einer Koma-patientin, um die sich nicht nur ihre auseinandergedriftete türkisch-griechisch-deutsche Familie versammelt, sondern auch ihre Ex-Freundin und andere (ehemals) nahe Menschen. Diese Komödie der Zwischenzustände unter Kulturen, Generationen, Geschlechtern, Sexualitäten und zwischen Leben und Tod wird von Selen Kara in Szene gesetzt, deren Inszenierung des Liederabends „Istanbul“ zurzeit sehr erfolgreich am Schauspielhaus zu sehen ist. Die Uraufführung von „Träum weiter“ ist am 24. Februar.

Herzliche Grüße

Christine Hoenmanns

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