Reportagen Live

Weltgeschehen im Foyer
Ein Auftragskiller, der aussteigt und damit selbst ins Visier der italienischen Mafia gerät. Ein Erfinder, der ein Tabu bricht und damit die Hygiene indischer Frauen revolutioniert. Ein Wissenschaftler, der die Bewohner einer Pazifikinsel vor Fettleibigkeit retten will. Ein US-Teenager, der sich in einen Stahlkäfig sperren lässt, um vor grölenden Zuschauern einen Gleichaltrigen zu verprügeln. Vier Protagonisten, vier dramatische Geschichten – allesamt wahr. Seit nunmehr sechs Jahren schickt das Schweizer Magazin REPORTAGEN die besten deutschsprachigen Journalisten in alle Welt, um überraschende Geschichten zutage zu fördern, die unseren Blick auf die Gegenwart verändern. In Anlehnung an die Kultreihe „Reportagen Live“ in Zürich legen vier Reporterinnen und Reporter von REPORTAGEN in Bochum einen Zwischenhalt ein, lesen ihre Texte, berichten über ihr Leben als Geschichtensucher und erzählen über Hintergründe und Hindernisse auf dem Weg zur perfekten literarischen Reportage, der Königsdisziplin des Journalismus.

Moderation: Dmitrij Gawrisch

Unsere Gastronomie hat Kaffee und Croissants im Angebot!
5. November 2017
Sandro Mattioli, „Mafioso im Ruhestand“

An Luigi Bonaventuras Händen klebt Blut, viel Blut. Nicht nur hat der italienische Mafiaboss zahlreiche Morde in Auftrag gegeben, einige hat er auch selbst verübt. Dann stieg er aus. Er gestand seine Taten und bat für sich und seine Familie um Aufnahme ins italienische Zeugenschutzprogramm. Doch die Mafia bleibt ihm auf den Fersen, entschlossen, den Verrat zu rächen... Die wahre Geschichte „Mafioso im Ruhestand“ liest sich spannender als mancher Krimi und war für den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Beste Reportage nominiert. Ihr Autor, Sandro Mattioli, ist einer der führenden Mafiaexperten Deutschlands. Neben seiner journalistischen Tätigkeit sitzt er dem Verein „Mafia? Nein danke!“ vor. Mattioli liest aus seiner Reportage und stellt sich anschließend den Fragen des Publikums. 
14. Januar 2018
Daniela Schröder, „Ein Mann für die Tage“

In Indien sind Frauen noch immer Menschen zweiter Klasse – unabhängig von Kaste oder Einkommen. Das fällt besonders beim Thema Menstruation auf: im Land, das sich gern von seiner Hightech-Seite zeigt, noch immer ein großes Tabu, an dem auch die Frauen selbst nicht zu rütteln wagen. Hinzu kommt die Armut, die es den meisten Inderinnen verunmöglicht, handelsübliche Binden oder Tampons zu verwenden. Arunachalam Muruganantham, kurz: Muruga, ein einfacher Schlosser, hat das Problem bei seiner Frau erkannt und eine Maschine entwickelt, mit der Damenbinden einfach und preiswert hergestellt werden können. Eine Sensation! Die preisgekrönte Hamburger Journalistin Daniela Schröder hörte erstmals bei BBC von Muruga und wusste sofort, dass seine Geschichte erzählt werden muss. Sie liest aus ihrer Reportage und berichtet über die Besonderheiten der Recherche in Indien.
25. Februar 2018
Anne Backhaus, „McSamoa“

Traumstrände, Regenwälder, Korallenriffe – auf Reiseprospekten erscheint Amerikanisch-Samoa im Südpazifik als ein kleines Paradies. Doch die Tropeninseln haben ein schwergewichtiges Problem: Seine Bewohner essen sich zu Tode. „Das Fett ist wie eine Welle über die Insel geschwappt, hat alle erreicht und Tausende in den Tod gerissen“, sagt Stephen McGarvey. Der 65-jährige US-Wissenschaftler wirkt wie das krasse Gegenteil der Samoaner: großgewachsen, 86 Kilogramm schwer, ein Langstreckenläufer mit breiten Schultern und sehr kurzem grauem Haar. Kann er die rund 55000 Inselbewohner retten? Die Reporterin Anne Backhaus, Jahrgang 1982, schreibt regelmäßig für den „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“. Auf Samoa habe sie sich wie ein kleines rothaariges Alien gefühlt. Warum? Das verrät sie, wenn sie über die Hintergründe ihrer Reportage „McSamoa“ erzählt.
15. April 2018
Matthias Fiedler, „Mein kleiner Gladiator“

„Einen Tag bevor Korey Mendoza im kalifornischen San Bernardino in einen Käfig steigt, probt er vor dem Einschlafen gedanklich seinen besten Würgegriff. Er schließt die Augen, fühlt, wie er seinen Gegner in den Schwitzkasten nimmt, wie er ihn blitzschnell auf den Rücken dreht und ihm mit dem Unterarm die Kehle zudrückt.“ Dass Korey bereits mit 14 Jahren Mixed-Martial-Arts-Kämpfer ist, erfahren die Leser erst später. Mixed Martial Arts, kurz MMA, ist ein Vollkontaktsport, der verschiedene Kampfstile vereint: Kickboxen, Muay Thai, Jiu-Jitsu, Ringen, Judo. Ellenbogen- und Kniestöße, Würfe, Schläge und Tritte gegen den Kopf – alles erlaubt. Bei seinen Recherchen in den USA blickt der Münchner Journalist Matthias Fiedler hinter die übliche Darstellung von „prügelnde Kindern vs. verantwortungslose Eltern“. Seine Geschichte schüttelt buchstäblich durch.
In Zusammenarbeit mit REPORTAGEN – Das unabhängige Magazin für erzählte Gegenwart
ab November 2017, Mittleres Foyer, Schauspielhaus

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So 14.01.2018
Mittleres Foyer im Schauspielhaus
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