Das Detroit-Projekt

Die Kinder von Opel

Eine Generationen-Lücke
Regie: kainkollektiv
Mit der angekündigten Opel-Schließung zum Ende des Jahres endet in Bochum ein Stück Industriegeschichte. Eng verbunden mit dieser Arbeitsgeschichte sind die Leben der Menschen, die für Opel gearbeitet haben oder noch arbeiten. Denn trotz aller aktuellen Abgesänge: Noch ist das Werk nicht geschlossen, der Kampf nicht zu Ende. Viel zu oft vergisst man, dass Arbeitsraum auch Lebensraum, politischer Raum, Begegnungsstätte bedeutet. Was geschieht mit diesen Räumen nach ihrer Schließung? Wie sieht das Leben danach aus? Wo findet es statt? Welche Lücke klafft?
Opel hat viele Kinder, nur sind sie in der Regel heute keine „Kinder“ mehr: all die, die einmal dazu gehörten und irgendwann gegangen sind oder gehen mussten. Die, die jetzt schon draußen stehen, vor den Werkstoren, und sich erinnern an ihre Zeit in der Fabrik. Die jung ihre Lehre im Betrieb machten und blieben, zum Teil bis heute. Oder auch die, deren Eltern Opelaner waren und die mit den Sorgen um den Arbeitsplatz aufwuchsen. All die, die ein neues Leben anfingen oder es vielleicht einmal tun werden und doch mit den Autos, der Fabrik, der besonderen Werksgeschichte, die auch eine Ruhrgebietsgeschichte ist, lebenslänglich verbunden bleiben. Aber auch die jungen Generationen, die Kinder ohne Opel, sind von der Frage betroffen, wie sich die Zukunft der Region darstellen wird im Kontext eines nicht enden wollenden Strukturwandels. Die Lücke, die sich mit diesem Wandel auftut, ist nicht zuletzt eine Generationen-Lücke, aber alle „Kinder von Opel“ müssen mit einer Weltlage umgehen, in der das Lokale und Globale sich beständig auf schwer zu entwirrenden Wegen durchkreuzen. An den Knotenpunkten dieser Bewegungen geschehen erstaunliche Lebensgeschichten.

Die Bochumer Theatermacher vom kainkollektiv haben sich auf eine Reise in die unterschiedlichen Herzkammern der Stadt gemacht, echte und erfundene „Opel-Kinder“ getroffen und sie eingeladen, uns mitzunehmen in ihre Welten. In einer theatralen Expedition durch ein für viele nur unzureichend bekanntes Bochum werden Personen, Geschichten, Dinge, Bilder und Sounds, die wichtig sind für ein Leben mit und ohne Opel, erfahrbar.

InterviewpartnerInnen: Alexander Bazio, Hennes Bender, Heidi Bösel, Anne Fröhlich, Paul Fröhlich, Christoph Graffweg, Stefanie Hartung, Christian Kowoll, Gerhard Mattern, Michael Müller, Stefanie Neuerburg, Lea Rack, Melissa Reuter, Milan Sommer, Dr. Manfred Wannöffel, Klasse 3b der Grundschule Laer und Yasmin Struwe (Klassenlehrerin)

In Zusammenarbeit mit der Zukunftsakademie NRW (ZAK).
Ein Projekt von Schauspielhaus Bochum und Urbane Künste Ruhr
von Oktober 2013 bis Oktober 2014 im Schauspielhaus und in der Stadt
Premiere: 17. Oktober 2014, Theater Unten
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

Besetzung

Mit
Hilmar Born, Sercan Gögsen, Amelie Mattern, Jennifer Müller, Gabriele Sommer, Gisbert Rüther, aktive Opelaner in wechselnder Besetzung, Bianca Künzel (Hörspielsprecherin)
Bühne & Kostüm
Installation/Video
Jan Ehlen
Illustration
Julia Zeijn
Videoschnitt
Julia Zejn, Silvia Dierkes (Das Cabinet)
Musik/Hörspiel
Dramaturgie
Sabine Reich, Seta Guetsoyan
Ein Projekt mit
Gefördert durch die
Amelie Mattern
Sercan Gögsen
Jennifer Müller
Hilmar Born
Gisbert Rüther
Gabriele Sommer