Die Ratten

von Gerhart Hauptmann
Regie: David Bösch
Nichts wünschen sich Frau John und ihr Mann sehnlicher als ein Kind, seit ihr Albertchen drei Monate nach der Geburt gestorben ist. Als Frau John mit der Zeit klar wird, dass ihre Hoffnungen umsonst sind, lässt sie sich auf ein zweifelhaftes Geschäft ein: Sie nutzt die lange Abwesenheit ihres Mannes und kauft sich ein Baby. Von der verzweifelten hochschwangeren Pauline Piperkarcka, die drauf und dran war, sich in die Spree zu stürzen. So scheint erstmal allen geholfen. Stolz präsentiert Frau John ihrem Mann und der Nachbarschaft das Kind. Doch Pauline bekommt Gewissensbisse und verlangt ihren Sohn zurück. Da Frau John das Kind jedoch freiwillig nicht hergeben will, vertauscht es Pauline heimlich mit dem todkranken Kind der Nachbarin. Die tragische Geschichte der verzweifelten Mütter entwickelt sich zur Verwechslungskomödie, in der schließlich niemand mehr weiß, wer was vor wem geheim hält und welches Kind zu wem gehört. Eine „Berliner Tragikomödie“ nennt Gerhart Hauptmann sein Stück, das er 1909 am Höhepunkt seines Ruhmes fast zwanzig Jahre nach seinem Skandaldebüt „Vor Sonnenaufgang“ schrieb. Hier ist versammelt, was unter dem Titel Naturalismus am Ende des 19. Jahrhunderts die Theatermittel radikal erneuerte: In einer verkommenen Mietskaserne, auf deren Dachboden der arbeitslose Theaterdirektor Hassenreuther seinen Kostümfundus untergebracht hat, tummeln sich die Ratten und die kleinen Leute, deren Lebensdramen Hauptmann auf die Bühne bringt. Dass der Theologiestudent Erich Spitta, der unbedingt Schauspieler werden möchte und bei Hassenreuther Unterricht nimmt, als eine Art Alter Ego Hauptmanns auftritt und vehement fordert, dass es auf der Bühne genauso lächerliche Figuren wie im Leben geben sollte, hält dem Naturalismus den Spiegel vor und erinnert daran, dass manchmal die Dramen des echten Lebens die bewegendsten sind.
Premiere: 28. Januar 2011, Kammerspiele
Dauer: 2 Stunden und 20 Minuten, eine Pause

Besetzung

Haro Hassenreuther
Walpurga, seine Tochter
Erich Spitta
Alice Rütterbusch
Herr John
Frau John
Bruno Mechelke, ihr Bruder
Pauline Piperkarcka, Dienstmädchen
Frau Sidonie Knobbe
Selma, ihre Tochter
Quaquaro, Hausmeister
Regie
Kostüme
Licht
Bernd Kühne
Dramaturgie

Pressestimmen

04.02.2011
Die Zeit, Gerhard Jörder
Treppen, die die Welt bedeuten
Katharina Linder (Frau John)
Katharina Linder (Frau John), Jürgen Hartmann (Herr John)
Jürgen Hartmann (Herr John), Katharina Linder (Frau John)
Maja Beckmann (Pauline Piperkarcka), im Hintergrund: Katharina Linder (Frau John)
Maja Beckmann (Pauline Piperkarcka)
Maja Beckmann (Pauline Piperkarcka)
Maja Beckmann (Pauline Piperkarcka), Raiko Küster (Quaquaro)
Maja Beckmann (Pauline Piperkarcka), Daniel Stock (Bruno Mechelke), im Hintergrund: Katharina Linder (Frau John)
Maja Beckmann (Pauline Piperkarcka), Katharina Linder (Frau John)
Katharina Linder (Frau John)