Gertrud

nach dem Roman von Einar Schleef
Regie: Jakob Fedler
Gertrud pflegt ihren kranken Mann Willy bis zu seinem Tod. Sie bleibt allein in der thüringischen Kleinstadt Sangerhausen zurück, versucht sich neu zurechtzufinden, begleitet von ihren Erinnerungen. „Meine Kindheit fiel ins Kaiserreich, der Sportplatz in der Weimaraner, die Ehe auf Hitler und das Alter in die DDR. Wohin mein Kopf. Das 1000-jährige Gottesreich erleb ich nimmer.“ Sie trifft Freundinnen, besucht ihre Söhne in Berlin und Westdeutschland, läuft durch ihre Heimatstadt, spricht mit ihrem toten Mann, sucht eine neue Liebe, sehnt sich nach dem Tod. Einar Schleefs Roman „Gertrud“ ist ein eigenwilliger, sprunghafter, eigensinnig preisgebender Erzählsturm. Schleef schrieb den fiktionalen Monolog seiner Mutter Gertrud, einer Näherin, als ein schroffes und wütendes, sehnsüchtiges und gieriges sich Mitteilen einer „anständigen Frau“, aber auch als eine an ihren Toten vereinsamende Geschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Kaiserreich und später DDR. Mit dem Hintergrund der Industrie- und Bergbaustadt Sangerhausen verweist Schleef zugleich auf die Zerrüttung der Verheißungen des industriellen Zeitalters und dessen proletarischer Milieus, auf kleinbürgerlichen Überlebenszwang und das beständige Ausbleiben der Zukunft.


Jakob Fedler (*1978) hat in Bochum bereits seine Inszenierung „Der Tod des Lehrers“ mit Wolfram Koch gezeigt. Er arbeitet u. a. am Deutschen Nationaltheater Weimar und am Staatstheater Nürnberg, war 2008 zum Festival Radikal Jung eingeladen und wurde 2010 mit seiner Inszenierung „Kaspar Häuser Meer“ bei den Bayerischen Theatertagen ausgezeichnet.
Eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin
Premiere: 26. Januar 2018, Kammerspiele

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Premiere
Fr 26.01.2018
20:00, Kammerspiele
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