Kula – nach Europa

Transnationales Theaterprojekt
mit Darstellern aus Deutschland, Frankreich und Afghanistan
Regie: Robert Schuster
Mit einem deutsch-französisch-afghanischen Ensemble stellen wir uns die Frage, was uns in Europa auseinander treibt, und was uns immer noch zusammenhält. Wie funktioniert Zusammenleben verschiedener Kulturen, inwiefern kann Diversität bereichernd sein und wie begegnet man sich mit Freude und Respekt?
„Kula“ ist der Name eines Tauschsystems, das in Neuguinea zwischen Einheimischen verschiedener Inseln praktiziert wird. Getauscht werden kostbare Gegenstände, deren Wert ökonomisch zwar nicht messbar, sozial und kulturell aber von essentieller Bedeutung ist. Kula-Objekte werden im Laufe der Zeit mit der Geschichte ihrer Weitergabe aufgeladen und tragen so eine Botschaft des Friedens und der Verständigung in sich.
Dieses Tauschprinzip steht symbolisch für unseren Theaterabend: Schenken - Tauschen - Geschichten weitergeben – und sichtbar wird das gesellschaftlich Verbindliche, Verpflichtende, Verspielte. Gemeinsam mit seinem Ensemble untersucht der Regisseur Robert Schuster Möglich­keiten und Beschränkungen der Verständigung zwischen KünstlerInnen europäischer Länder und einem nicht-europäischen Land. „Kula“ ist ein Ritual und ein Fest der Verständigung im Spiel.

Hinweis:
Geplant war es, die afghanische Theatergruppe AZDAR, die seit ihrer politisch brisan­ten Inszenierung „Heartbeat: The Silence After the Explosion“ in ihrer Heimat von den Tali­ban bedroht wird, erstmals nach Deutschland zu holen. Trotz monatelanger Be­mühungen haben die Künstler aber bis zum heutigen Tag von der Deutschen Botschaft in Kabul keine VISA für die Einreise nach Deutschland erhalten. Einzig der Regisseur und Leiter des Ensembles, Nasir Formuli, der bereits seit 2014 in Berlin studiert, wirkt in der Produktion mit. AZDAR bleibt Partner, Themen- und Ideengeber des Projekts, im Stück ist die Abwesenheit nun zum politischen Kern geworden.
Die KünstlerInnen von „KULA – nach Europa“ und AZDAR haben beschlossen, an ihrer Zusammenarbeit festzuhalten, und in einem Jahr ein Folgeprojekt zu machen. Wenn irgend möglich in Deutschland, weil die schönste und stärkste Antwort auf Abschottungs- und Rückzugsmechanismen in der Gesellschaft der gelungene kulturelle Austausch ist. Wenn das nicht möglich ist, werden sie sich in einem Land treffen, wo alle hinreisen können.
Produktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Kunstfests Weimar. In Kooperation mit dem Theater Freiburg.
Koproduktion mit La Filature - Scène Nationale - Mulhouse, Schauspielhaus Bochum, Kurtheater Baden, Theater Chur und AZA.
Uraufführung: 7. Oktober 2016, Kammerspiele
Dauer: ca. 2 Stunden 5 Minuten, keine Pause

Besetzung

Mit
Matthias Breitenbach, Ahmad Nasir Formuli, Matthias Hejnar, Thaïs Lamothe, Céline Martin-Sisteron, Stefanie Mrachacz, Alexandre Ruby, Jonas Schlagowsky, Romaric Séguin, Elke Wieditz
Bühne und Kostüme
Eva-Maria van Acker
Dramaturgie und Textfassung
Julie Paucker
Geräusche
Max Bauer
Head of movement
Martin Gruber
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, Goethe Institut, Institut français Berlin, Institut français Erfurt, Jeune Théâtre National (JTN)