Das Detroit-Projekt

Motorcities im Aufbruch

International Lab (1st edition)
ABLAUFPLAN SYMPOSIUM
10:00 Uhr 
Begrüßung und Eröffnung durch Katja Aßmann (Künstlerische Leitung Urbane Künste Ruhr)
und Sabine Reich (Geschäftführende Dramaturgin Schauspielhaus Bochum)

11:00-11:30 Uhr   
Politik, Kritik und Kunst in Polen
Igor Stokfiszweski („krytykapoliyczna“/ „Politische Kritik“) und Marta Keil (Kuratorin)

11:30-12:00 Uhr 
Zehn Jahre nach „Shrinking Cities“
Perspektiven aus Liverpool (Paul Domela, Liverpool, Kurator)

12:00-12:30 Uhr 
Spanien im Aufbruch?
Berichte und Erfahrungen von Alberto Nanclares (basurama), Patrizia di Monte (Architektin) und José Carlos Arnal (FZCC Zaragoza)

13:00 Uhr: Mittagessen

14:00-16:00 Uhr: Arbeitsgruppen

16:00-16:30 Uhr
Lektionen aus Detroit – Was können wir aus  Detroit lernen?
Der Künstler Tyree Guyton („Heidelberg Project“) über seine Arbeit und die Bedeutung der Kunst in Detroit (Impulsvortrag und Gespräch)

16:30-17:00 Uhr 
Was braucht Bochum in Zukunft?
Impulsvortrag von Dr. Manfred Wannöffel

17:00-18:00 Uhr 
Gemeinsame Abschlussdiskussion
Karten: € 15,-; Anmeldung erforderlich unter: detroit@bochum.de

Die Veranstaltung wird größtenteils in englischer Sprache stattfinden, deutsche Zusammenfassungen und Übersetzungen werden begleitend eingesetzt.

Bochum steht vor dem größten Paradigmenwechsel in seiner Geschichte: Die Stadt des Bergbaus und der Industrie vollzieht mit der Schließung des Opel-Werkes den Wandel zu einer post-industriellen Stadt. Es geht dabei um den Verlust von Arbeitsplätzen und die Schaffung neuer Arbeit, aber vieles in der Stadt muss sich ändern, wenn wir in Bochum zu einer innovativen Stadt der Zukunft werden wollen. Es braucht neue Bündnisse zwischen Industrie, Bildung und Kultur, neue Formen von Arbeit und viele neue Impulse, Ideen und Initiativen, um Bochum zu verändern.

Doch Bochum ist nicht die einzige Stadt, die diese sozialen und kulturellen Transformationen erlebt. In ganz Europa vollzieht sich diese Bewegung und besonders betroffen sind die Standorte anderer Opel-Werke wie Ellesmere Port/Liverpool, Zaragoza und Gliwice. Auch sie sind ehemalige Bergbau- und Industriestädte, in denen durch die Opel-Werke noch zahlreiche Arbeitsplätze gesichert sind, doch sollte GM diese Städte verlassen, müssen auch hier neue Strategien entwickelt werden.

Wie reagieren Künstler, Architekten und Intellektuelle in Polen, Spanien und England auf diese Herausforderungen? Kann die Kunst Antworten geben für die Motorcities im Aufbruch? Was brauchen diese Städte für die Zukunft? Industriekultur oder neue Arbeit? Welche Arbeit und welche Städte brauchen wir in Zukunft? Internationale Experten diskutieren diese Fragen: Sie eröffnen neue Perspektiven auf die alte Frage nach der Zukunft der Städte.

In Polen ist die Gruppe „krytykapoliyczna“ (politische Kritik) eine der führenden und innovativsten Kräfte, wenn es darum geht, Politik und Engagement neu zu denken. In ihr verbinden sich links-gerichtete Intellektuelle, die eine neue Kultur kritischer Debatten in Polen etablierten. Igor Stokfiszweski, einer der Autoren dieser Gruppe, wird in Bochum über die polnischen Erfahrungen mit zusammenbrechenden Systemen sprechen. Zusammen mit der Kuratorin Marta Keil stellt er die neuen politischen Tendenzen in der polnischen Kunst und Kultur vor.

José Carlos Arnal leitet das Zentrum für Kunst und Technolgie „etopia“ in Zaragoza und wird zusammen mit der Architektin Patrizia di Monte über die spanische Krise und die neuen Strategien in Zaragoza sprechen. Patrizia di Monte initiierte in Zaragoza das international vielbeachtete Projekt „esto no es un solar“, in dem sie Kunst und Architektur zu einer vitalen Kraft der Stadterneuerung machte. Ergänzt werden die Experten aus Zaragoza von Alberto Nanclares aus dem Architekenkollektiv „basurama“ aus Madrid. „basurama“ entwickelt internationale Projekte, mit denen sie viele kleine Lösungen anbieten für die großen Fragen der Städte. Auch wenn sie sich mit schwierigen Themen wie Müll, Mobilität und Wohnen beschäftigen, sind ihre Aktionen doch überraschend einfach und machen Spaß.

Aus Liverpool kommt Paul Domela, der schon vor 10 Jahren an dem maßgeblichen internationalen Projekt „Shrinking Cities“ beteiligt war und dafür den Liverpool-Part kuratierte. Anschließend war er lange für die „Art Biennal Liverpool“ tätig und begleitete zahlreiche Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Momentan scheint Liverpool die große Krise der 90er Jahre zu überwinden und Paul Domela zieht Bilanz: Was kann Kunst leisten in einer Stadt ohne Arbeit?

>> Am Vormittag stellen sich diese drei Expertengruppen vor und laden nach dem Mittagessen in Arbeitsgruppen zu Diskussionen ein.

Am Nachmittag richten wir unseren Blick in die Stadt, die wie keine andere zum Symbol einer zerfallenden Industriestadt wurde: Detroit. Diese Stadt markiert den Niedergang einer ganzen Ära: Die Ruinen dieser Stadt manifestieren das Ende des 20. Jahrhunderts und seiner Industrie. Es war, ähnlich wie im Ruhrgebiet, die Auto- und Stahlindustrie, die die Stadt zur Boomtown und dann zur Ruine werden ließ.

Über die Parallelen und Differenzen zwischen Bochum und Detroit diskutieren der Künstler Tyree Guyton aus Detroit und Dr. Manfred Wannöffel von der Ruhr-Universität Bochum. Tyree Guyton initiierte vor 27 Jahren das „Heidelberg Project“ und setzte mit seinen Installationen und Aktionen in den Straßen Detroits ein deutliches Zeichen gegen den Niedergang der Stadt. Dr. Manfred Wannöffel ist Soziologe und leitet die gemeinsame Forschungsstelle der IGMetall und der Ruhr-Universität über Transformationen im Verhältnis von Arbeit und Gesellschaft. Mit einer gemeinsamen Abschlussdiskussion endet dieser Tag, zu dem wir herzlich einladen!

International Lab
Die Experten aus England, Polen und Spanien nehmen teil am „Internationalen Labor“ des Detroit-Projektes. Ein Jahr arbeiten sie zusammen und treffen sich in jeder Stadt einmal, um unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Methoden zu diskutieren und neue Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen. Im Oktober 2014 kehren sie nach Bochum zurück und werden Empfehlungen aussprechen für die Veränderungen in Bochum.

DAS DETROIT-PROJEKT
DAS DETROIT-PROJEKT ist ein einjähriges internationales Stadtprojekt und Kunstfestival in Bochum. Es stellt Fragen und sucht Antworten zur Zukunft der Stadt, der Arbeit und der Kunst und verbindet vier europäische Opel-Städte. Denn nicht nur in Bochum, sondern auch in Zaragoza (Spanien), in Ellesmere Port/Liverpool (England) und Gliwice (Polen) fürchten die Menschen, ihre Arbeit zu verlieren. Auch diese Städte und Länder suchen ihren Weg ins 21. Jahrhundert. Gemeinsam mit ihnen entwickeln wir Möglichkeiten und Chancen für die Zukunft.

Vom 10. bis 12. Oktober 2013 eröffnen wir DAS DETROIT-PROJEKT zusammen mit Gästen aus den europäischen Opel-Städten sowie aus Detroit. Wir laden ein zu einem internationalen Bankett, einem Symposium, zu einem Nightwalk durch Bochum-Ehrenfeld, einer Talkshow, zu einem Live-Art-Fest in der Bochumer Innenstadt, einem Konzert und - als Abschluss - zu einer Party am Samstag ab 22.00 Uhr in der Eve-Bar, dem Theater Unten und dem Tanas.
Ein Projekt von Schauspielhaus Bochum und Urbane Künste Ruhr
Ein Projekt mit
Gefördert durch die