Tod eines Handlungsreisenden

von Arthur Miller
Regie: Agnese Cornelio
Als Arthur Miller 1949 sein wohl berühmtestes Stück über die letzten zwei Tage im Leben des Willy Loman schrieb, war die Welt eine andere und die USA ein anderes Land. Eben noch war Amerika aufgebrochen, hatte das alte Europa befreit und Deutschland neu erfunden. Seitdem verbindet uns eine eigentümliche Hassliebe mit Amerika: es versprach uns Freiheit und Rock’n’ Roll, Selbstverwirklichung und Demokratie, Stars und unbegrenzte Möglichkeiten. Doch immer schon haben wir Amerika kritisiert: zu laut, zu bunt, zu oberflächlich erschien uns das Paradies des Kapitalismus. Wir haben Amerika geliebt und gehasst, wir haben es siegen sehen und sehen es scheitern. Wir haben das Land der unendlichen Möglichkeiten bewundert und verachtet, wir haben seine Träume geträumt, seine Idole geliebt und seine Politik enttäuscht und erbittert kritisiert. Heute wissen wir nicht mehr, ob seine Träume die richtigen waren. So wie Willy Loman, der Handlungsreisende, der immer unterwegs ist, seinen Träumen von Erfolg und Reichtum ein Leben lang hinterjagt, immer einen Witz und eine gute Idee parat, doch irgendwann müde wird und nicht mehr weiß, wohin der Weg noch führt. So müde und hohl wie er scheinen heute die großen Versprechen Amerikas. Das trotzige „Yes we can“ von Obama wirkt kläglich und verzweifelt angesichts der sozialen Widersprüche und Konflikte. „Yes we can“ scheint auch das Lebensmotto des traurigen Handlungsreisenden zu sein, der immer wieder aufsteht, auch wenn es keinen Sinn mehr macht. Doch wenn wir dem nicht mehr glauben können, was bleibt dann noch? Amerikas Träume waren unsere Träume, seine Widersprüche und Konflikte waren unsere. Wenn die USA scheitern, muss Europa sich fragen, welche Träume ihm noch bleiben. Die italienische Regisseurin Agnese Cornelio, die zum ersten Mal in Bochum inszeniert, führt uns mit Willy Loman auf eine letzte Reise durch Amerika. Dabei verändert sie die Perspektive der Geschichte: Was bleibt, wenn alles schon vorbei wäre? Willy Loman schaut zurück und erinnert sich: Gute Nacht John-Boy!
Premiere: 4. November 2011, Kammerspiele
Dauer: 1 Stunde und 55 Minuten, keine Pause

Besetzung

Willy Loman
Bernhard / Howard Wagner
Letta Forsythe / Frau
Bühne
Kostüme
Musikalische Einstudierung
Torsten Kindermann, Radek Fedyk
Video
Licht
Wolfgang Macher
Dramaturgie
Dimitrij Schaad (Biff Loman), Krunoslav Šebrek (Happy Loman), Bernd Rademacher (Willy Loman)
Ragna Guderian (Frau), Bernd Rademacher (Willy Loman), Dimitrij Schaad (Biff Loman)
Krunoslav Šebrek (Happy Loman), Bernd Rademacher (Willy Loman), Dimitrij Schaad (Biff Loman), Ragna Guderian (Frau in Boston)
Bernd Rademacher (Willy Loman), Veronika Nickl (Linda Loman), Dimitrij Schaad (Biff Loman), Krunoslav Šebrek (Happy Loman)
Bernd Rademacher (Willy Loman), Nicola Mastroberardino (Ben)
Bernd Rademacher (Willy Loman), im Hintergrund: Dimitrij Schaad (Biff Loman), Krunoslav Šebrek (Happy Loman)
Krunoslav Šebrek (Happy Loman), Bernd Rademacher (Willy Loman), Dimitrij Schaad (Biff Loman), Ragna Guderian (Frau)
Bernd Rademacher (Willy Loman), Dimitrij Schaad (Biff Loman), im Hintergrund: Ragna Guderian (Letta Forsythe), Krunoslav Šebrek (Happy Loman)
Bernd Rademacher (Willy Loman), Dimitrij Schaad (Biff Loman)
Bernd Rademacher (Willy Loman)
Bernd Rademacher (Willy Loman), Dimitrij Schaad (Biff Loman)