Wie sind eigentlich die Kostüme für „Nicht wie ihr“ entstanden? Welche Gedanken und Konzepte stecken hinter den lila, blau und grünen Trikots? Bloggerin Clara Werdin hat mit der Kostümbildnerin gesprochen, war zu Besuch in der Gewandmeisterei und hat sich die Arbeitsabläufe in den Schneidereien genauer angesehen.

Über den Hauptcharakter in „Nicht wie ihr“ wissen wir mittlerweile eine Menge: Sein Name ist Ivo Trifunović und er ist Profifußballer beim FC Everton. Er fährt schnelle Autos, liebt seinen Bugatti und verdient eine Unmenge an Geld. Über seinen Modestil wissen wir das: „Ivo trägt fast immer schwarz, so wie alle, die sich mit Mode auskennen. Natürlich setzt er manchmal Farbakzente, helle Schuhe, ein buntes T-Shirt unter dem schwarzen Hoodie, aber immer Schwarz als Basis.“

Die ersten Entwürfe

Darauf hat Sophia Deimel aufgebaut. Sie ist Kostümassistentin am Schauspielhaus und die Kostümbildnerin von „Nicht wie ihr“. „Die Figur „Ivo" sollte bei allen drei Schauspieler*innen zum Ausdruck gebracht werden.“, sagt sie, denn Ivo ist die Person, deren Geschichte erzählt wird und die von allen Schauspieler*innen gespielt wird. Vom Regisseur, Malte Jelden, hat Deimel viele Freiheiten in ihrer Entwurfsarbeit bekommen. Für ihn sei vor allem wichtig gewesen, dass Ivo schick und cool ist. Für Deimel hieß das, Sport und Fashion miteinander zu verbinden: „Fashion spielt in der Fußballwelt eine ziemlich große Rolle. Fußballer tragen oft die teuersten Designerstücke und werben für verschiedene Modeunternehmen.“ Deshalb habe sie sich für ihre Recherche von Profifußballern auf Instagram inspirieren lassen: “Besonders Serge Gnabry, Leroy Sané und Hector Bellerin tragen oft interessante Looks.“ So entstanden
ihre ersten Entwürfe.

Arbeit im Team

„Die Entwürfe der Kostümbildnerin werden dann in der Kostümbesprechung genauer angesehen.“, sagt Britta Brodda, Kostümdirektorin am Schauspielhaus. „An dieser Besprechung sind viele verschiedene Personen aus der Gewandmeisterei beteiligt: Die Gewandmeister*innen, die Vorarbeiter*innen, die Kostümbildner*innen selbst und ich als Organisatorin.“ Jede Person hat in der Entwicklung der Kostüme andere Aufgaben, die ineinandergreifen und aufeinander aufbauen. Darum sei die Entstehung der Kostüme immer Teamarbeit, sagt Brodda. Am Schauspielhaus Bochum arbeiten zwei Gewandmeister*innen. In der Herrenschneiderei arbeitet Dieter Zunke als Gewandmeister. In der Damenschneiderei ist es Cornelia Fischer. „Ihre Aufgaben bestehen darin, anhand der Entwürfe der Kostümbildner*inne Schnitte auf die Maße der Schauspielenden anzufertigen und diese Schnitte aus den Stoffen zuzuschneiden.“, sagt Brodda. Anschließend nähen die Vorarbeiter*innen beziehungsweise die Schneider*innen die Stoffe zusammen.

Der Entstehungsprozess der Kostüme

Für Sophia Deimel war die Entstehung der Kostüme für „Nicht wie ihr“ eine Entwicklung: „Es ist nicht immer von Anfang an klar, wie ein Kostüm aussehen wird. Vieles entsteht durchs Ausprobieren. Ich habe mich auch durch den Anfertigungsprozesses inspirieren lassen und dann weitere Entscheidungen getroffen.“ Die Trikots in blau und grün, die alle sehr kurz sind und fast wie Crop-Tops aussehen, habe sie spontan und intuitiv aus alten Fußballtrikots zusammengestellt. Unter den Trikots tragen die Schauspieler*innen enge schwarze Shirts – hier kommt Ivo durch, der immer Schwarz als Basis trägt.

Was die Kostüme außerdem ausmacht, ist die Wandelbarkeit der Kleidung und das Spiel mit Buttons: Der schwarze Rock, den Schauspielerin Karin Moog über der grünen Fußballhose trägt, lässt sich komplett aufknöpfen und so schnell aus- und wieder anziehen. Konstantin Bühlers untere Hosenteile kann man abknöpfen, so trägt er mal eine lange und dann wieder eine kurze Hose. Und auch Anne Rietmeijers Hose lässt sich an den Seiten öffnen und wieder schließen. Außerdem gibt es Jacken mit Reißverschluss und auch eine blaue Tasche. So haben die Schauspieler*innen auf der Bühne immer etwas zu tun. Sie ziehen sich aus und wieder an, binden ihre Stollenschuhe auf und wieder zu oder ziehen ihre Stutzen stramm. Auf diese Weise werden die Kostüme zu einem wichtigen Requisit.

Die verschiedenen Bereiche in der Gewandmeisterei

„Die Trikots wurden komplett neu gefertigt. Aber die alten Fußballschuhe haben wir in unserem Schuhfundus gefunden“, sagt Damenschneiderin Anita Pyrkosch. Im Schauspielhaus gibt es nicht nur einen Fundus, sondern gleich mehrere. „Es gibt zum Beispiel den Tagesfundus, in dem die Kostüme der laufenden Produktionen untergebracht sind“, sagt Pyrkosch „dann gibt es aber auch den historischen Fundus mit Kostümen aus vergangenen Zeiten, einen Fundus mit Herrenkleidung und einen für Damenkleidung, den Schuhfundus, den Hutfundus und den Stofffundus.“ Zusätzlich dazu hat das Schauspielhaus auch einen Außenfundus mit ausgelagerten Kostümen. „In den Proben tragen die Schauspieler noch nicht die finalen Kostüme, sondern ähnliche Kleidung, die wir zuvor im Fundus zusammengesucht haben.“, erzählt sie „Und oft können wir Kleidung aus dem Fundus als Grundlage für neue Kostüme verwenden.“ Neben dem Fundus gibt es in der Gewandmeisterei außerdem das Atelier des Schuhmachers und das der Hut- beziehungsweise Putzmacherin sowie eine Färbeküche und Waschmaschinen.

Die Arbeit der Schneider*innen

Die Schneider*innen sind nicht nur dafür zuständig, die Kostüme zu nähen, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Kostüme gewaschen und repariert werden und dass sie bei jeder Vorstellung wie neu aussehen. Für „Nicht wie ihr“ ist Anita Pyrkosch bei jeder Vorstellung mit vor Ort. Sie bringt die frisch gewaschenen Kostüme in einem Koffer zu den Vereinsheimen und passt auf, dass alles richtig sitzt. „Bei „Nicht wie ihr“ gibt es während der Inszenierung keine Kostümwechsel, bei denen ich helfen muss“ sagt Pyrkosch „bei anderen Produktionen stehen wir Schneiderinnen hinter der Bühne und helfen bei den oft hektischen Umzügen der Schauspieler.“ An den Abenden, an denen „Nicht wie ihr“ gezeigt wird, sitzt sie mal gemütlich an der Theke des Vereinsheims oder bei gutem Wetter draußen am Fußballfeld und wartet darauf, die Kostüme wieder einzupacken. Das Besondere ist: „Ich bin immer mit dabei und tauche so richtig in die Produktion mit ein.“

Text: Clara Werdin

< zurück