Er sei „das Versprechen des souveränen Schauspielers“. Mit diesen Worten pries Juror Fabian Hinrichs in seiner Laudatio den Schauspieler Benny Claessens, als er ihm im Mai den Alfred-Kerr-Darstellerpreis des Berliner Theatertreffens verlieh. Kurz darauf wurde Claessens sogar zum „Schauspieler des Jahres“ gewählt.

Verdient gehabt hätte der Belgier diese Ehren eigentlich schon früher. Etwa während seiner Zeit an den Münchner Kammerspielen, an die er 2010 zusammen mit dem damaligen Intendanten Johan Simons – jetzt Chef an der Königsallee – gekommen war. Damals brach Claessens‘ ungewöhnlich körperlicher Schauspielstil wie ein Gewitter über das Münchner Theaterpublikum herein. Zwischen zarter Zerbrechlichkeit und wilder Raserei spielte er alles und jeden an die Wand – die Münchner liebten und fürchteten ihn gleichermaßen.

In München begann Claessens, das Stadttheater zu hassen

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Benny Claessens, heue 36, selbst Regie führte. Seine erste Inszenierung Spectacular Light- shows of Which U Don’t See The Effect galt nicht nur unter Theaterfans als bemerkenswert. Benny Claessens, der als Schauspieler das Stadttheater und seine Zwänge zu hassen gelernt hatte, entwickelte als Regisseur die Vision eines anderen Theaters: eine neue Kunstsprache – brutal, zärtlich – irgendwo zwischen zeitgenössischem Tanz, Performance-Art und Theater im Theater.
Für das Stadttheater, das eine moralische Anstalt sein will und die wichtigen politischen Themen der Zeit verarbeitet, hat Benny Claessens nur ein müdes Lächeln übrig. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen wagt er sich am Schauspielhaus Bochum nun an eine Inszenierung, die eben den blinden Fleck dieser linken Institutionen voller Gutmenschen aufzeigen soll: Mit White People’s Problems / The Evil Dead eröffnet er die Zeche Eins als neuen Spielort des Schauspielhauses. 
Die Inszenierung deutet auf den Rassismus innerhalb einer deutschen Kunst- und Theater- szene, die stets bemüht ist, alles richtig zu machen, und dabei die Betroffenen womöglich doch nur für eigene Zwecke benutzt.

Die Probleme eines weißen, heterosexuellen Bürgertums

Am Ende gehe es, so Claessens, nach wie vor auf deutschen Stadttheaterbühnen nur um die Probleme eines weißen, heterosexuellen Bürgertums. Glaubt man dem Regisseur, wird sich das bald ändern. Das Versprechen des souveränen Schauspielers riecht in der Tat nach Revolution.


„White People’s Problems / The Evil Dead“, Regie: Benny Claessens, ab 2. November in der Zeche Eins (Vorstellungstermine nur bis 6. Dezember)

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