Die Süddeutsche Zeitung nannte ihn kürzlich einen „Sprachdruiden“. Mag sein, dass einem ein solches Etikett als Schauspieler reichlich albern vorkommt. Aber es war anerkennend gemeint. Wie man sich also einen Sprachdruiden vorzustellen hat? Vielleicht als jemanden, der literarische Texte so durchdringt, dass Welten entstehen nur aus Sprache, und dass man nie ganz versteht, wie er das macht: wie ein weiser Sprach-Zauberer aus einer fremden Sphäre – dem Theater. Solch ein Schauspieler ist Jens Harzer.

Den Theaterfans ist der 46-jährige gebürtige Wiesbadener längst ein Begriff. Viele Jahre gehörte er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele, als dort noch Regie-Legende Dieter Dorn das Sagen hatte. Harzer war gleich von der Falckenberg-Schauspielschule an das berühmte Theater engagiert worden. 16 Jahre lang arbeiteten er und Dorn in München zusammen – am Theater eine halbe Ewigkeit. Wenn Harzer einen künstlerischen Partner gefunden hat, ist er sehr treu. Große Rollen spielte er nicht nur bei Dorn, auch bei Jürgen Gosch oder Andrea Breth. Zweimal wurde er Schauspieler des Jahres: als Arzt Astrow in Onkel Wanja und als Marquis Posa in Don Karlos.

Und jetzt: Johan Simons. Auch zwischen diesen beiden zeichnet sich eine innige Arbeitsbeziehung ab. Die „Penthesilea“ ist ihre vierte Inszenierung – in knapp vier Jahren. Nach drei Romanbearbeitungen am Hamburger Thalia Theater (Deutschstunde von Siegfried Lenz, Der Schimmelreiter von Theodor Storm und Fountainhead von Ayn Rand) nun ein großes, klassisches Drama. Penthesilea. Heinrich von Kleist. DER Sprach-Welt-Schöpfer schlechthin. Und Harzer spielt Achilles, den Griechenfürsten, der sich in die Amazone Penthesilea verliebt – mit tragischem Ende.

In der Inszenierung von Johan Simons, die so stark auf das Wort vertraut und im Reden das ganze Drama um Penthesilea und Achilles erschafft, ist Jens Harzer in seinem Element. Vor allem interessiert ihn die Frage, wie sehr man sich in der Liebe selbst umkehren muss, um zum Anderen zu passen? Der Ausnahmeschauspieler Jens Harzer wird auch diesmal aus Sprache neue Welten formen.


Penthesilea, Regie: Johan Simons, Premiere: 10.11.2018

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