HANNAH BIEDERMANN IST REGISSEURIN UND SPEZIALISTIN FÜR KINDER- UND JUGENTHEATER. SIE INSZENZIERT DAS FAMILIENSTÜCK DER SAISON.

„Eine Familie haben wir doch alle. Das betrifft uns alle“, das ist Hannah Biedermann wichtig, als sie von ihrem Stück Alle Jahre wieder erzählt. Themen, die für alle ein Thema sind, die privat und politisch zugleich sind, da will Hannah Biedermann ran. Die 36-Jährige hat sich seit ihrem Diplom der Szenischen Künste, das sie 2010 in Hildesheim gemacht hat, darauf spezialisiert, im Theater die Geschichten eines jungen Publikums zu erzählen. Und diesem Publikum zu begegnen. Mit viel Offenheit. Nicht erst im Zuschauerraum, sondern bereits während der Recherchen.

Die Regisseurin ist eine neugierige Zuhörerin, eine, die nicht für die anderen erzählt, sondern sie erzählen lässt. Auch das Stück Alle Jahre wieder entwickelt sie im Gespräch, indem sie sich von den Schauspielern ihre Erlebnisse mit Familienfesten und Ritualen erzählen lässt und mit Kindern und Jugendlichen aus Bochum Interviews führt. So ergänzen sich in Biedermann-Stücken kindliche und erwachsene Perspektiven. Lokale und globale, deutsche und migrantische, christliche, muslimische und viele andere Perspektiven finden zusammen.

Dafür, dass das eine das andere nicht ausschließt, steht Hannah Biedermann. Sie macht Theater für Kinder und Jugendliche, das gleichzeitig Theater für alle Generationen ist. Vielfach wurde sie ausgezeichnet. 2017 erhielt sie den Deutschen Theaterpreis Faust für die beste Regie im Kinder- und Jugendtheater für ihr Stück „entweder und“, einer „fetzigen Revue“, wie die Kritik damals schwärmte, über Jungs- und Mädchenklischees. Ihre Aufführungen sind oft voller Phantasie – und beeindrucken mit sonderbaren Kostümen.

Seitdem Biedermann Theater für Kinder und Jugendliche macht, fragt sie sich, wofür Familie heute noch bei jungen Zuschauern steht. In Bochum widmet sie sich dem Phänomen Familie anhand von Familienfesten. „Auf Weihnachten kann man sich verlassen, aber warum“, fragte sie sich.

Sie will herausfinden, was ein so eindeutig christliches Fest wie Weihnachten einer Gesellschaft bedeutet, in der kaum noch jemand eindeutige kulturelle Wurzeln hat. Und sie ist neugierig, andere Rituale und Feste kennen zu lernen, um dann im November die Uraufführung von Alle Jahre wieder im Schauspielhaus zu feiern. In der Tat feiern, denn bei Hannah Biedermann entsteht mit jedem Stück etwas Neues, in Bochum diesmal ein neues Fest. Ein Fest, zu dem alle eingeladen sind.

Alle Jahre wieder, Regie: Hannah Biedermann, Premiere 24. November

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