Tief im Westen. Im abgelegenen Hafenviertel einer westeuropäischen Großstadt leben die Menschen, die von der Gesellschaft sonst übersehen werden. Eingewanderte, Geflüchtete, Arbeitslose. Der „Quai West“ ist ihr Rückzugsort, und das gleichnamige Stück des französischen Autors Bernard-Marie Koltès lenkt mit großer Leidenschaft ein Licht auf diese Schattengestalten. Zwei Menschen aus der besser gestellten Welt verschlägt es hierhin: den Geschäftsmann Maurice Koch, der Gelder veruntreut hat und sich das Leben nehmen will, und seine Sekretärin Monique, die ihn davon abbringen möchte.

Sie haben es plötzlich mit den Bewohner*innen vom Kai zu tun: Cécile, die Mutter aus dem fernen Bürgerkriegsland. Fremd ist sie in Europa geblieben, mit ihrem Mann Rodolfe, dem Ex-Soldaten. Charles, ihr Sohn, streift auf undurchsichtigen Wegen durchs Leben, er wittert Geschäfte, wo andere nichts mehr erwarten. Claire, seine Schwester, hat den Jungen Fak im Schlepptau, der sie rumkriegen will. Und dann ist da noch dieser namenlose junge Mann, den Charles „Brownie“ und Cécile den „Wilden“ nennt und der alles still beobachtet. Sie werden eine Schicksalsgemeinschaft, die Armen, die Reichen. Gestrandete alle zusammen. Aber wie viel Solidarität ist unter ihnen möglich?

Nichts wird geschenkt

Bernard-Marie Koltès (1948 – 1989) stellt mit seinem Stück Quai West die spannende Frage, wie jeder Mensch zu seinem Recht kommt in dieser Welt. Seine Antwort ist klar und hart und hochaktuell: Jeder versucht, aus dem anderen noch ein letztes Stück Profit zu schlagen. Denn geschenkt wird einem nichts, egal, an welchem Ende der sozialen Leiter.

Koltès zeigt das Leben am Rand der Gesellschaft auch als große Groteske

In einer Zeit, in der wir – wie Brecht es formulierte – nur jene sehen, die „im Lichte stehen, die im Dunkeln sieht man nicht“, rückt Koltès die Abgehängten ins Zentrum und stellt sie uns als große, dramatische Charaktere vor. Mit Wut, mit Stolz, mit Würde. Und mit viel Komik, denn auch am äußersten Rand der Gesellschaft ist das Leben manchmal einfach eine gemeine Groteske.

Mit ihrer Inszenierung von Quai West, das 1986 am Schauspielhaus Bochum seine deutsche Erstaufführung erlebte, kehrt Karin Henkel nach langer Zeit als Regisseurin nach Bochum zurück. Siebenmal wurde sie zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2018 erhielt sie den Theaterpreis Berlin von der Stiftung Preußische Seehandlung für ihre außerordentlichen Verdienste um das deutschsprachige Theater.

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  • Gefördert durch die Sparkasse Bochum
  • Text: Bernard-Marie Koltès
    Regie: Karin Henkel
  • #Schauspiel
  • Schauspielhaus
Do, 03.10.
19:00
Premiere
Premiere: 03.10.2019
Team:
  • Text: Bernard-Marie Koltès
    Regie: Karin Henkel