Der gefeierte Regisseur Herbert Fritsch (u. a. Murmel Murmel) wird auch in der Spielzeit 2019/2020 eine neue Inszenierung für das Schauspielhaus Bochum kreieren.

Herbert Fritsch, geboren 1951 in Augsburg, ausgebildeter Schauspieler, war von 1993 bis 2007 eine der einflussreichsten Persönlichkeiten an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf. Als Regisseur gelang ihm mit einer doppelten Einladung zum Berliner Theatertreffen 2011 der entscheidende Durchbruch. Seitdem arbeitet er an großen Theatern wie der Berliner Volksbühne, dem Schauspielhaus Zürich, dem Schauspielhaus Hamburg, dem Burgtheater Wien und der Berliner Schaubühne. Seine Produktionen brachten ihm bisher sieben Einladungen zum Berliner Theatertreffen ein und Gastspieleinladungen rund um den Globus. Im Jahr 2017 wurde er mit dem Berliner Theaterpreis ausgezeichnet.

Aus der Jurybegründung: „Fritsch befreit seine Schauspieler*innen zum hemmungslosen Grimassieren und kunstvollen Chargieren, zu exaltierten Tönen und haarsträubender Slapstickakrobatik. Im Zentrum seiner Regiekunst stehen der von ihm selbst gestaltete Raum und die Körper – in ihrer komischen bis grotesken Überzeichnung. Was Fritsch und seine tollen Truppen aus diesen Körpern herausholen, hat weit mehr mit Choreografie, Physik und deren Überwindung zu tun als mit Narration und Psychologie. Damit stellt sich der Regisseur in die Tradition der den Unsinn feiernden Avantgardekünstler. Gleichzeitig hegt der katholisch erzogene Fritsch eine kaum verhohlene Liebe zur Komödie, ja zum Schwank des frühen 20. Jahrhunderts, dessen sexuell verklemmte Untertöne er geradezu genüsslich unter den Teppichen hervorkehrt, um sie mindestens an die große Glocke zu hängen. Auch in kanonischer Dramenliteratur, etwa von Ibsen, Hauptmann, Molière oder Dürrenmatt, buchstabieren Fritschs Spieler*innen Verdrängtes und Verklemmtes körperlich neu aus und ringen ihr so emanzipatorische Seiten neu ab. Das seltene Glück der Spieler*innen und Bespielten in Fritschs Theaters ist es, erfahrbar zu machen, wie nahe Anarchie und Formvollendung, Virtuosität und Entgrenzung, Scheitern und Hoffnung beieinander liegen, ja, dass sie ohne einander nicht zu haben sind.“

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  • Eine neue Inszenierung von Herbert Fritsch
  • Regie: Herbert Fritsch
    Schauspielhaus
  • Premiere: März 2020