König Lear ist alt und des Regierens müde. Er hat beschlossen, sein Reich unter seinen drei Töchtern aufzuteilen. Aber der alte Monarch macht aus der Verteilung ein Spiel, einen Liebes- Test: Wer mich am meisten liebt, bekommt das größte Stück Land. Zweimal läuft es gut, aber dann verweigert sich die jüngste Tochter – wahre Liebe ist kein Tauschhandel. Lear verleugnet und enterbt sie auf einen Schlag. In diesem Moment entfaltet sich das Drama von Lear, dem alten Mann, der so viel Mühe hat, sich von Titeln, Besitz und Macht zu lösen. Indem er sich selbst immer mehr verlässt und seine Identität abstreift, kommt er schließlich bei sich selbst an.

König Lear ist die vielleicht dunkelste Tragödie Shakespeares. Im Zentrum stehen Fragen, die die Menschheit schon immer berührt haben: der Sinn des Lebens, das Leiden, die menschliche Wut. In König Lear hat Shakespeare auf schaurige Weise das Leiden ergründet; das Leiden des einzelnen Menschen, das Leid der Welt.

Der Sinn des Lebens, das Leiden, die Wut

Ecce Homo. Seht den Menschen, wie er ist. Mit seiner Gewalt, Macht und Zerstörung – aber auch mit seiner enormen Kraft, seinen Mitmenschen zu vergeben. Um sie zu retten vor zu viel Selbst-Hass.

Johan Simons sieht seine Aufgabe als Regisseur darin, diese großen Themen auf menschliche Dimensionen zurückzuführen: „Im Zentrum von König Lear beschreibt Shakespeare einen gewaltigen Sturm, der sowohl real wie im Inneren des Königs wütet. Das Besondere ist für mich, dass sich Lear freiwillig dem Sturm ergibt, im letzten Augenblick aber die Kraft des Sturmes ausnutzt, um sein eigenes Leben in eine andere Richtung zu lenken. Der Tod – genauer: die Art und Weise, wie man stirbt – ist ein wichtiges Thema. Ich selbst habe den Großteil meines Lebens hinter mir und frage mich, ob ich in meiner Todesstunde über meine Angst hinaus geraten werde. Dass Lear trotz allem Elend und mit der Leiche seiner Tochter in seinen Armen glücklich stirbt, berührt mich besonders in diesem Drama.“

Neue Übersetzung von Miroslava Svolikova

Shakespeares Drama wird im Auftrag des Schauspielhaus Bochum neu übersetzt von der österreichischen Autorin und Dramatikerin Miroslava Svolikova. Sie wurde 1986 geboren und ist eine feinsinnige, humorvolle und sich leichtfüßig zwischen mehreren Sprachen und Disziplinen bewegende Künstlerin, die für ihre Stücke bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Die Titelrolle spielt Pierre Bokma, der bereits in Johan Simons’ Eröffnungsinszenierung Die Jüdin von Toledo als Jehuda Ibn Esra zu sehen war. Bokma wurde für seine schauspielerischen Leistungen mit den renommiertesten Theaterpreisen der Niederlande sowie mit dem International Emmy Award ausgezeichnet.

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Sa, 25.04.
19:30
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Premiere
  • König Lear
  • Text: William Shakespeare
    Regie: Johan Simons
  • Premiere: 25.04.2020