„Die kapitalistische Wirtschaftsordnung braucht diese rücksichtslose Hingabe an den Beruf des Geldverdienens.“ Das befand Max Weber 1904. Seit der Roman Der Streik der Schriftstellerin Ayn Rand 1957 unter dem Originaltitel Atlas Shrugged erschien, gilt er in den USA als das meistgelesene und wohl auch einflussreichste Buch nach der Bibel. Ayn Rand beschreibt, wie ausgerechnet die Elite, die Wohlhabenden und Mächtigen, sich der traditionellen Instrumente der Linken bedienen und in den titelgebenden Streik treten – aus Protest gegen die kreativitäts- und exzellenzfeindliche Gleichmacherei des liberalen Sozialstaats.

In den USA ist der Roman das meistgelesene Buch – nach der Bibel

Als alte Frau wird Ayn Rand selbst auf die Leistungen der staatlichen Sozialversicherung zurückgreifen müssen, doch noch als Fünfzigjährige schreibt sie das romaneske Glaubensbekenntnis der Leistungselite und propagiert darin eine Gesellschaftsordnung, in der Wettbewerb den Einzelnen zu Höchstleistungen anspornt und der Leistung Einzelner ebenso wenig Grenzen gesetzt sind wie dem Streben nach Reichtum. Der Egoismus der Wenigen führt zum Wohlstand der Vielen – das heißt, er ist nicht nur subjektiv vorteilhaft, sondern auch im Sinne aller moralisch geboten. Solidarität hingegen schränkt das Potenzial des Einzelnen ein und ist deshalb moralisch verwerflich.

Regisseur Nicolas Stemann wagt eine Neu-Lektüre dieses unter den Vorzeichen des Kalten Kriegs entstandenen Romans und den Abgleich mit einer gesellschaftlichen Gegenwart, die je nach Blickwinkel als aggressiver Neoliberalismus oder als überreglementierter „Semi-Sozialismus“ (Peter Sloterdijk) beschrieben wird. In seiner Inszenierung stellt er die Frage, ob Solidarität eine Einbahnstraße ist und was genau eine Gemeinschaft zusammenhält. Oder eben auseinanderfliegen lässt.

Kooperation zwischen Zürich und Bochum

Nicolas Stemann ist einer der profiliertesten zeitgenössischen Theater- und Opernregisseure. Seine Inszenierungen wurden vielfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Ab der Spielzeit 2019/2020 ist er gemeinsam mit Benjamin von Blomberg Co-Intendant des Schauspielhaus Zürich. Von dort kommt die Inszenierung Der Streik im Rahmen einer langfristigen Kooperation ans Schauspielhaus Bochum: Transfer Bochum/Zürich!

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  • Der Streik
  • Text: nach Ayn Rand
    Regie: Nicolas Stemann
    Schauspielhaus
  • Premiere: Mai 2020
Eine Produktion des Schauspielhaus Zürich