Der Alte ist Sargbauer, doch leider gehen die Geschäfte schlecht. Was ja, aus Sicht der möglichen Kundschaft, eine gute Entwicklung ist. Aber der Sargbauer würde gern mehr Särge schreinern in Pupka, dem Städtchen, in dem er mit seiner Frau lebt. Eines Tages erkrankt seine Frau. Dem Alten dämmert, dass den beiden nicht mehr viel Zeit bleibt. Gemeinsam machen sie sich mit der Kutsche auf den Weg zum Krankenpfleger in die Nachbarstadt. Auf diesem Weg kommen immer weitere Figuren hinzu – ein Kutscher, ein Sanitäter, eine junge Mutter, zwei Prostituierte und ihre versoffenen Kunden –, und alle scheinen sie ihr Leben hinter sich zu haben. Außer die drei Cherubine, die schließlich auch mit von der Partie sind …

Mit Hanoch Levins Requiem inszeniert Johan Simons einen Klassiker der israelischen Dramatik erstmalig in deutscher Sprache. Das Stück ist ein fein komponierter Abgesang, ein letztes Schwelgen in Erinnerungen und ein tragikomischer Text über verpasste Gelegenheiten und die Vergeblichkeit menschlichen Strebens.

Wiederentdeckung des bekanntesten und radikalsten Dramatikers Israels

Hanoch Levin (1943 – 1999) gilt als Israels bekanntester, radikalster und produktivster Dramatiker. Seine Bühnenstücke prägen das israelische Theater bis heute und sind in vielen Ländern bekannt – im deutschsprachigen Raum werden sie jetzt wiederentdeckt. Als Sohn polnischer Immigranten wuchs er in ärmlichen Verhältnissen in Tel Aviv auf und erhielt eine jüdisch-orthodoxe Erziehung. 1967, nach dem Sechs-Tage-Krieg, schrieb er eine Reihe politischer Kabarett-Programme, die ihn über Nacht zum intellektuellen Staatsfeind machten. Requiem war eines der letzten Stücke, das Levin schrieb, und das letzte, das er 1999 am Cameri-Theater in Tel Aviv, seiner künstlerischen Heimat, selbst inszenierte. Der Text variiert Motive dreier Kurzgeschichten von Anton Tschechow. Levins „Todesmärchen“, wie er es selbst nannte, ist ein zeitloses, beeindruckendes Drama, das nach seiner Uraufführung zum umjubelten Klassiker der israelischen Dramatik wurde und Levin international bekannt machte.

Eine neue Sichtweise auf die Existenz

„Du hast dieses Gefühl, dass du etwas siehst, was du noch nie zuvor gesehen hast. Eine ganz neue Sprache, eine neue Form, eine neue Sichtweise auf die Existenz, eine neue politische Sichtweise. Seine Themen sind so universell, man konnte sich ihnen nicht entziehen.“ (Hagai Levi, Regisseur, Drehbuchautor und Autor der Fernsehserie The Affair über Hanoch Levin)

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Fr, 12.06.
19:30
Premiere
  • Requiem
  • Text: Hanoch Levin
    Regie: Johan Simons
  • Premiere: 12.06.2020