In unmittelbarer Nähe des Theaters liegt eine der wichtigsten Schauspielschulen im deutschsprachigen Raum. Das Schauspielhaus Bochum setzt die langjährige Zusammenarbeit mit der Folkwang Universität der Künste fort. Am neuen Spielort Zeche Eins entsteht eine Aufführung mit den Schauspiel-Studierenden des 4. Jahrgangs. Regisseur Florian Fischer, der mit seinen Inszenierungen und Rechercheprojekten in sehr unterschiedlichen Disziplinen arbeitet, entwickelt in engem Austausch zwischen Theater und Hochschule ein neues Stück für Bochum. 

Welche Autor*innen beschäftigen dich?

Florian Fischer: Aktuell lese ich ausschließlich marginalisierte Autor*innen. Mich langweilt der Kanon. Es erscheint mir unzulänglich, dieses Prinzip des weißen Mannes, der mir die Welt in linearer, psychologischer Weise erklären will. So nehme ich die Welt nicht wahr, ich bewege mich nicht einfach von A nach B, sondern in Kreisen, werde zurückgeworfen, fange von Neuem an... Ich hoffe, meinen Blick verändern zu können, ein Zentrum (in dem wir uns ja im Rahmen des Stadttheaters aufhalten) nicht mehr aus dem Zentrum zu sehen, sondern von der Peripherie beschrieben zu bekommen. Darf ich einen Tipp abgeben? Lest Kathy Acker, immer und immer wieder Kathy Acker! She is the mistress of writing.

Wie arbeitest du?

Florian Fischer: Das beruht sehr auf den Menschen, die am künstlerischen Arbeitsprozess teilnehmen. Es gibt bei mir nichts, was immer gleich und wiedererkennbar ist, außer vielleicht die Spaziergänge, die ich mit den Beteiligten unternehme. Wenn Theater über die Welt erzählen will, dann muss es auch hinausgehen aus den dunklen Probenräumen, und so ist die „Dérivée“ (dt.: Abdrift) zu einem festen Bestandteil meiner Arbeitsweise geworden: absichtlich verloren gehen wollen, um das Bekannte neu sehen zu können.

Was interessiert dich an der Arbeit mit Studierenden?

Florian Fischer: Ich möchte einen Austausch herstellen – mit den Studierenden und mit so vielen Akteur*innen des Schauspielhauses wie möglich. Warum nicht darüber nachdenken, Autorenschaft zu verwerfen und ein Gesamtkunstwerk aller, die jetzt ihre Arbeit am Schauspielhaus und in der Stadt aufnehmen, auf die Beine zu stellen?!

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Fr, 01.03.
Premiere
Team: