Regisseur Florian Fischer, dessen Hörstück Unsichtbar über 24-Stunden-Pflegekräfte aus Osteuropa seit Juni 2019 im Schauspielhaus läuft, setzt mit der Inszenierung XX seine Recherche über das Unsichtbar-Sein von Menschengruppen in der öffentlichen Wahrnehmung fort. In der Zeche Eins arbeitet er über das Unsichtbar-Machen und das Verschwinden als eine Form der Machtausübung und Machterhaltung.

In deinen Recherchen über die Unsichtbaren bist du auch auf die Hidden-Mother-Fotografie gestoßen. Was ist das?
Florian Fischer: Wollte man in den Anfängen der Fotografie im 19. Jahrhundert ein Foto ausschließlich eines Babys haben, so musste die Mutter, auf deren Schoß das Kind saß, verdeckt werden, unsichtbar sein. Die Mutter verschwindet und damit ein Nachdenken über die Arbeit, die sie verrichtet. Dieser Vorgang des Unsichtbar-Machens, diese Technik des Nicht-Abbildens ist sehr interessant. Es ist wie eine Auslassung in der Geschichtsschreibung. Dieses Material soll unser Startpunkt für die Aufführung werden.

Was schwebt dir für diesen Abend vor? Knüpfst du an dein Hörstück an?
Ja, die performative Form schreibt die akustische fort. Pflegearbeit ist unsichtbar. Und solange sie unsichtbar ist, wird sie nicht honoriert, solange sie nicht honoriert wird, wird sie nicht ausreichend bezahlt, solange sie nicht ausreichend bezahlt wird, ergeben sich Existenz bedrohende Situationen aus ihr. Dafür könnte der Abend unsere Sinne schärfen. Er soll Gedanken und Wahrnehmungen ermöglichen, die uns bis in unseren Alltag begleiten. Wer fehlt hier auf diesem Bild, in dieser Erzählung von unserer Gesellschaft? Wer ist zwar da, aber doch nicht Teil der Gesellschaft – und warum? Und was würde sich für mich, für uns ändern, wenn alle Menschen sichtbar wären?

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Fri, 17.01.
premiere
Premiere: 17.01.2020
Team:
  • Konzept, Regie: Florian Fischer