Wir sind, was wir tun. Arbeit strukturiert unseren Tag. Arbeit stiftet Identität. Arbeit macht glücklich. Aber Arbeit ermüdet auch. Arbeit frustriert. Arbeit stinkt. Wo wüsste man all das besser als in der Arbeiterstadt Bochum, als im Ruhrgebiet? Millionen Menschen haben hier in Stollen und Schächten geschuftet, sind mit Stolz in die Gruben eingefahren und haben Tag für Tag ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Nun ist der Bergbau Geschichte. Opel auch. Nokia sowieso. Willkommen im Dienstleistungszeitalter, im Logistikzeitalter, im Homeoffice-Zeitalter. Waren früher Arbeit und Freizeit noch klar voneinander geschieden, weiß heute keiner mehr so recht, wann die Schicht anfängt oder ob sie jemals aufhört.

Der Musiktheaterabend von Tobias Staab (Regie und Text O, Augenblick) und Polina Lapkovskaja (bekannt als Münchner Subkultur-Ikone, Komponistin und Sängerin der Band Pollyester) erzählt von Lohnarbeitern, Leiharbeitern, Vorarbeitern und deren Chefs. Von ungefragten Dienstleistungen, unbezahlten Überstunden und unendlichen After-Work-Partys. Und nicht zuletzt von einer Zukunft, in der das große Konzept Arbeit ganz und gar überwunden sein wird: Wenn die künstlichen Intelligenzen uns tätige Menschen überflüssig gemacht haben werden und die größte Herausforderung sein wird, die Freizeit wieder zu entdecken.

Unter der musikalischen Leitung von Polina Lapkovskaja entsteht ein postkapitalistisches Requiem, das gemeinsam mit den Schauspieler* innen des Ensembles und dem Franz Ferdinand-Gitarristen Nick McCarthy live auf der Bühne der Kammerspiele performt wird. Zwischen Working-Class-Rock’n’Roll und Hartz-IVPunk, zwischen Fabrikanten-Blues, Gastarbeiter-Kantaten und Manager-Disco. Work it, Baby!

more less
Sat, 11.01.
premiere
Premiere: 11.01.2020
Team:
  • Ein Requiem für den arbeitenden Menschen
    von Tobias Staab und Polina Lapkovskaja