King Lear gilt als Gipfel des Theaters, schwer einzunehmen, von dort aus blickt man in den Abgrund. Es ist ein Königsdrama, an dessen Beginn der alte König einen rhetorischen Wettbewerb zwischen seinen drei Töchtern ausruft, die jüngste enterbt, sein Reich zweiteilt und die Macht abgibt. Doch statt eines geruhsamen Alterssitzes wartet auf Lear eine Odyssee, auf der er alle bisherigen Gewissheiten verlieren wird. Ähnlich geht es seinem Getreuen, dem Graf von Gloster, der auf eine Intrige seines illegitimen Sohnes Edmund hereinfällt und den ehelichen Sohn Edgar verstößt, dabei jedoch selbst zu Fall kommt. King Lear ist ein Drama des Krieges, zwischen Generationen, zwischen Geschwistern, zwischen Heeren. Es ist ein Drama, in dem die Mütter fehlen, der Reiche zum Bettler und der Blinde zum Sehenden wird. Es ist ein Endspiel, in dem die alte Ordnung zerbricht und Werte zu Ruinen werden, zwischen denen ein Sturm wütet, nach dem vielleicht das Nichts kommt. Oder etwas Neues.

Die Herausforderung des Neuen nimmt Regisseur Johan Simons auch mit dieser Inszenierung unter neuen Bedingungen an: "Ich hatte schon vier Wochen geprobt, als Corona kam. Aber Ironie des Schicksals: Shakespeare hat das Stück während der Pest geschrieben, als er selbst in Quarantäne war. Daraufhin werde ich das Stück noch einmal neu lesen und neu inszenieren. Die 2-Meter-Abstandsregeln sind ein Fluch, aber auch inspirierend. Denn im Theater kann man aus einer Not eine Tugend machen. Im Zentrum von King Lear beschreibt Shakespeare einen gewaltigen Sturm, der sowohl real wie im Inneren des Königs wütet. Das Besondere ist für mich, dass sich Lear freiwillig dem Sturm ergibt, im letzten Augenblick aber die Kraft des Sturmes ausnutzt, um sein eigenes Leben in eine andere Richtung zu lenken. Der Tod – genauer: die Art und Weise, wie man stirbt – ist ein wichtiges Thema. Ich selbst habe den Großteil meines Lebens hinter mir und frage mich, ob ich in meiner Todesstunde über meine Angst hinaus geraten werde. Dass Lear trotz allem Elend und mit der Leiche seiner Tochter in seinen Armen glücklich stirbt, berührt mich besonders in diesem Stück."

Shakespeares Drama wird im Auftrag des Schauspielhaus Bochum neu übersetzt von der österreichischen Autorin und  Dramatikerin Miroslava Svolikova.

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Thur, 10.09.
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  • Premiere: 10.09.2020
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