King Lear gilt als Gipfel des Theaters, schwer einzunehmen, von dort aus blickt man in den Abgrund. Es ist ein Königsdrama, an dessen Beginn der alte König einen rhetorischen Wettbewerb zwischen seinen drei Töchtern ausruft, die jüngste enterbt, sein Reich zweiteilt und die Macht abgibt. Doch statt eines geruhsamen Alterssitzes wartet auf Lear eine Odyssee, auf der er alle bisherigen Gewissheiten verlieren wird. Ähnlich geht es seinem Getreuen, dem Graf von Gloster, der auf eine Intrige seines illegitimen Sohnes Edmund hereinfällt und den ehelichen Sohn Edgar verstößt, dabei jedoch selbst zu Fall kommt. King Lear ist ein Drama des Krieges, zwischen Generationen, zwischen Geschwistern, zwischen Heeren. Es ist ein Drama, in dem die Mütter fehlen, der Reiche zum Bettler und der Blinde zum Sehenden wird. Es ist ein Endspiel, in dem die alte Ordnung zerbricht und Werte zu Ruinen werden, zwischen denen ein Sturm wütet, nach dem vielleicht das Nichts kommt. Oder etwas Neues. Und es ist ein clowneskes Sprachspiel, in dem die Sprache wie die Welt zerlegt wird, in seinem Zentrum vier Narren – „einer aus Beruf, einer aus Neigung, die beiden anderen aus Qual“ (Camus).

Der Sinn des Lebens, das Leiden, die Wut

Ecce Homo. Seht den Menschen, wie er ist. Mit seiner Gewalt, Macht und Zerstörung – aber auch mit seiner enormen Kraft, seinen Mitmenschen zu vergeben. Um sie zu retten vor zu viel Selbst-Hass.

Johan Simons sieht seine Aufgabe als Regisseur darin, diese großen Themen auf menschliche Dimensionen zurückzuführen: „Im Zentrum von King Lear beschreibt Shakespeare einen gewaltigen Sturm, der sowohl real wie im Inneren des Königs wütet. Das Besondere ist für mich, dass sich Lear freiwillig dem Sturm ergibt, im letzten Augenblick aber die Kraft des Sturmes ausnutzt, um sein eigenes Leben in eine andere Richtung zu lenken. Der Tod – genauer: die Art und Weise, wie man stirbt – ist ein wichtiges Thema. Ich selbst habe den Großteil meines Lebens hinter mir und frage mich, ob ich in meiner Todesstunde über meine Angst hinaus geraten werde. Dass Lear trotz allem Elend und mit der Leiche seiner Tochter in seinen Armen glücklich stirbt, berührt mich besonders in diesem Drama.“

Neue Übersetzung von Miroslava Svolikova

Shakespeares Drama wird im Auftrag des Schauspielhaus Bochum neu übersetzt von der österreichischen Autorin und Dramatikerin Miroslava Svolikova. Sie wurde 1986 geboren und ist eine feinsinnige, humorvolle und sich leichtfüßig zwischen mehreren Sprachen und Disziplinen bewegende Künstlerin, die für ihre Stücke bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Die Titelrolle spielt Pierre Bokma, der bereits in Johan Simons’ Eröffnungsinszenierung Die Jüdin von Toledo als Jehuda Ibn Esra zu sehen war. Bokma wurde für seine schauspielerischen Leistungen mit den renommiertesten Theaterpreisen der Niederlande sowie mit dem International Emmy Award ausgezeichnet.

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Sa, 25.04.
19:30
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Premiere
Fr, 08.05.
19:30
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Mi, 13.05.
19:30
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  • Premiere: 25.04.2020
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