Zwei Königskinder, jedes auf der Flucht vor einer Zwangsheirat, treffen aufeinander und verlieben sich – unwissend, dass sie es sind, vor wem sie fliehen. Während ihrer Reise bröckelt Illusion um Illusion, Konvention um Konvention, Denkmuster um Denkmuster. Romantische Ideale zerfallen zu armseligen Versuchen der Menschen, sich vorzumachen, dass man sein kann, wer man sein möchte. Wenn am Schluss die Ehe zwischen Prinz Leonce von Popo und Prinzessin Lena von Pipi feierlich vollzogen wird und die alte Ordnung wiederhergestellt scheint, bleibt Zweifel: Hat ihre Reise den Raum geöffnet für ein freieres, ein autonomeres Leben?

Die Figuren reden wie Marionetten. Wie gehst du damit um?

Liliane Brakema: Ich finde gerade den Eindruck, als würde den Figuren ihre Sprache von außen „angereicht“, interessant. Die Sprache schafft eine Distanz der Figuren zu sich selbst, als wüssten sie nicht, wer sie sind. Das ermöglicht den Schauspieler*innen, das Bewusstsein der Figuren zu erweitern um neue theatralische und persönliche Ebenen. Generell fasziniert mich, wenn ein Schauspieler etwas über Sprache behauptet, während sein Körper etwas völlig anders darstellt. Ich sehe in Büchners Figuren eine existenzielle Verwirrung und Unzufriedenheit. Sie möchten etwas „Anderes“, aber wissen nicht, wie dieses „Andere“ zu erreichen ist. Nichtsdestotrotz versuchen sie es immer wieder.

Was bedeutet es, in der Zeche Eins zu inszenieren?

Liliane Brakema: Dieser Raum ist ursprünglich nicht für Theater konstruiert. Das ist wesentlich. Meine Arbeit beginnt immer mit einem starken Bild und einer spezifischen Atmosphäre. Dann erst kommt der Text dazu, der fähig ist, mit dieser Stimmung zu verschmelzen.

Was ist die spezifische Atmosphäre der Zeche Eins?

Liliane Brakema: Unheimlich, ein Raum für verirrte Menschen, ein Raum mit einem instabilen Boden, der unmittelbar die Frage hervorruft, wer und was ein Mensch ist. Diese Fragen passen perfekt zu Büchners Drama.

Mehr Weniger
Mi, 29.05.
Premiere
Team: