Ein Mann und eine Frau, Devlin und Rebecca, sitzen in einem Wohnzimmer und reden. Ihr Gespräch bewegt sich im Zickzack durch ihre gemeinsame und ungeteilte Vergangenheit und Gegenwart. Sie erzählt, er hört zu und versucht, Zugang zu ihren Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen zu bekommen. Manchmal spricht sie von einer sadomasochistischen Beziehung, manchmal von Kriegserinnerungen, die nicht ihre sein können, aber die sie zu erleben scheint, schließlich von dem Kind, das sie auf dem Bahnsteig eines Bahnhofs verloren hat. Er wird verwirrt durch die Widersprüche, die offenen Enden, die Distanz und dann wieder die Nähe, die sie von ihm verlangt. Je mehr sie uns erzählt, desto mehr Fragen stellen sich: Was bedeutete ihre Affäre mit dem gefährlichen Reiseführer? Ist die Gewalt eine Erinnerung oder ein Wunsch? Wer ist diese große Gruppe von Menschen an einem Strand, die ins Meer fliehen? Wann fanden all diese Ereignisse statt, und vor allem: Wer ist er selbst in dieser Geschichte? Devlin versucht, Worte und Fakten miteinander zu verbinden, Zeit zu ordnen, um Rebecca zu beruhigen, aber immer neue Elemente in ihrer Geschichte, kleine Verschiebungen in Zeit und Ort, machen jede Form der Rekonstruktion unmöglich. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mitreißen zu lassen, jede feste Position loszulassen, seine Rolle in der Geschichte jedes Mal zu ändern, wenn sie dies anzeigt. Manchmal macht sie ihn zu einem Liebhaber, manchmal zu einem Therapeuten, manchmal zu einem Zeugen einer Gräueltat, manchmal zu einem Täter. Schließlich wird er entdecken, dass sie nicht nach ihm sucht, sondern nach sich selbst, nach ihrer eigenen Stimme, nach der Möglichkeit, dass ein einziger lebendiger Körper für die Millionen von Toten der Geschichte empfänglich wird. 

Der britische Autor und Nobelpreisträger Harold Pinter (1930 – 2008) war ein vielseitiger Theatermann: Schauspieler, Regisseur und Autor. Seine allerersten Stücke, Ende der 1950er-Jahre, klangen bereits wie eine eigene literarische Stimme. In seinem späteren Werk rücken politische Themen stärker in den Vordergrund: Macht und Sprache, Erinnern und Vergessen, das rücksichtslose Leben der Vergangenheit in der Gegenwart. Asche zu Asche (1996) ist eines seiner letzten Stücke, geschrieben nach dem Völkermord in Ruanda und den Balkankriegen. In diesem Stück beschäftigt sich der von osteuropäischen jüdischen Vorfahren abstammende Pinter erstmals explizit mit der Schoah.

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Video-Trailer Asche zu Asche
(c) Siegersbusch Film
  • Premiere: 14.02.2020
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Rollenbesetzung:
Pressestimmen:

Es ist ein intensiver, stellenweise erschütternder Theaterabend. Zumal wenn man so ausgezeichnete Darsteller erleben darf, wie Elsie de Brauw und Guy Clement es sind.
WAZ, Jürgen Boebers-Süßmann

Es geht um Verdrängtes, das sich nicht verdrängen lässt, weil es Realität ist, weil kein Schlussstrich, kein Schweigen, kein Sterben der Zeitzeugen es ungeschehen macht. Koen Tachelet holt all das mit seinem Setting so nahe wie möglich an das Publikum heran.
Süddeutsche Zeitung, Cornelia Fiedler

Ein intensives Spiel mitten unter den Zuschauern.
Ruhrnachrichten, Max Kühlem

Mehr Pressestimmen

Die Inszenierung schafft eine ungewöhnliche Nähe zum Geschehen. Man spürt, wie es da um ganz andere Dinge geht, als die Worte benennen. Aber das Unbehagen am Unausgesprochenen, das Grauen, das hinter den Sätzen lauert, das lässt dieser feine, stille Theaterabend die Besucher spüren.
Westfälischer Anzeiger, Ralf Stiftel

Absolut großartig!
Radio Bochum, Katharina Wolters