Das Stück spielt in einer Nervenheilanstalt. Der Marquis de Sade, der am Ende seines Lebens im Hospiz de Charenton eingesperrt war, inszeniert mit den geistig kranken Insassen den Tod Jean Marats während der Französischen Revolution. Es geht um die Unterschiede von gesund und krank, oben und unten, arm und reich. Die freie Gruppe Monster Truck untersucht mit dem Drama den schmalen Grat zwischen Wahnsinn und Vernunft. Die Inszenierung ist Teil des zweijährigen Projekts Irrsinn in Kooperation mit dem NTGent. Nach der Bochumer Premiere baut Monster Truck ein Narrenschiff auf dem Vorplatz des Theaters, das auf einem einwöchigen Fußweg von Bochum nach Gent transportiert wird.

Was interessiert euch an geistig Kranken?

Manuel Gerst: Eine prägende Arbeit war unsere Performance Dschingis Khan mit geistig Behinderten“, bei der es um Stigmatisierung und Unterstellung ging. Diese Themen wollen wir mit psychisch Kranken weiter untersuchen: Wann wird aus einer depressiven Verstimmung eine gefährliche Krankheit? Kann man einem Menschen seine geistige Krankheit ansehen? Warum habe ich vor einem Schizophrenen mehr Angst als vor einem Autisten?

Wie kommt die Revolution ins Spiel?

Sahar Rahimi: In den 70er Jahren forderte das Sozialistische Patientenkollektiv, „aus der Krankheit eine Waffe zu machen“ und durch eine Revolution „die Gesellschaft gesunden zu lassen“. Es geht um den Ausbruch aus geschlossenen Anstalten, die – nach neuen Gesetzesentwürfen – immer mehr staatlichen Gefängnissen gleichen werden.

Welche Relevanz hat Peter Weiss heute?Marcel Bugiel: An dem Text von Peter Weiss interessieren uns zwei Pole: Der Marquis de Sade hat den Begriff des Sadismus geprägt, der ein großes Machtgefälle impliziert. Marat steht wiederum für die Revolution, die die Unterschiede „umwälzen“ will, egal auf welche Kosten. Unter den Gesichtspunkten von Auflösung von Hierarchien, Nivellierung von Unterschieden und Machtmissbrauch, nicht zuletzt am Theater, scheint uns der Text höchst aktuell.

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Sa, 29.06.
19:30
Premiere
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