Text
Sind wir denn alle austauschbar? Ein Lustspiel über Kriegstüchtigkeit bis zur Selbstaufgabe.
Stellen Sie sich vor, Sie gehen morgens aus dem Haus. Sie wollen nur kurz auf den Wochenmarkt. Einen Fisch fürs Mittagessen kaufen. In zehn Minuten sind Sie zurück. Doch dann kommt alles anders: Noch vor Sonnenuntergang haben Sie neue Freund*innen gefunden, Ihre alte Identität abgelegt, sich unter neuem Namen der Maschinengewehrabteilung einer im Ort stationierten Militärkompanie angeschlossen und überfallen das Nachbarland. So ergeht es dem Packer Galy Gay in Bertolt Brechts Mann ist Mann. Nachdem einer Gruppe betrunkener Soldaten ihr vierter Mann verlustig geht und weil mit dem neuen Sergeant Fairchild nicht zu spaßen ist, rekrutieren die übrigen drei kurzerhand einen neuen. Ehe sich der gutgläubige Galy Gay versieht, wird er Schritt für Schritt zum Soldaten Jeraiah Jip gemacht. Und all das nur, weil er nicht „Nein“ sagen kann?
„Hier wird heute Abend ein Mensch wie ein Auto ummontiert“, verkündet die geschäftstüchtige Kantinenbetreiberin Witwe Begbick an zentraler Stelle der Parabel. Aber wie unfreiwillig, wie alternativlos ist diese Montage? 1926 uraufgeführt, entstehen erste Skizzen für Mann ist Mann bereits unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs. Brecht entwirft eine von Autoritarismus und Opportunismus geprägte Gesellschaft im Vorkriegszustand, die das bürgerliche Individuum in eine kriegstüchtige Masse auflöst. Und zugleich zeigt er ein Individuum, das sich bis zur vollständigen Selbstverleugnung anpasst und dafür mit einem Platz in der Befehlskette belohnt wird: „Der Krieg ist ausgebrochen. Die Zeit der Unordnung ist vorüber. Auf private Wünsche kann also keine Rücksicht mehr genommen werden.“
Johan Simons, der immer wieder den zwischen Anpassung und Widerstand zerrissenen Menschen ins Zentrum rückt, inszeniert erstmals einen Text von Bertolt Brecht. Mit Schauspiel-Studierenden der Folkwang-Universität der Künste – ebenjener Generation, deren Zukunft gemeint ist, wenn wir heute wie-der vom Verteidigungsfall sprechen.
Informationen zum Stück
- Mann ist Mann
- von Bertolt Brecht
- Regie: Johan Simons
- Ort: Kammerspiele
- Premiere: 30.01.2027
Beteiligte
- Regie: Johan Simons
Alle Beteiligten
- Regie: Johan Simons
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