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BOOM BUG! Kafkas Klassiker choreografisch transformiert.
In Kafkas Erzählung Die Verwandlung findet sich der Handelsreisende Gregor Samsa eines Morgens zu einem „ungeheuren Ungeziefer“ verwandelt. Sein Rücken ist panzerartig und hart, seine vielen dünnen Beinchen sind ununterbrochen in Bewegung und seine Stimme ist zu einer piepsigen, unverständlichen Tierstimme geworden. Statt seinen beruflichen und familiären Verpflichtungen nachzukommen, ist er vollkommen unproduktiv. Das Zimmer, in dem er notdürftig versorgt wird, wird erst zur Höhle, in der er haust, dann zum Gefängnis, das er nicht mehr verlassen darf, und schließlich zum Grab.
Doch diese Verwandlung zum Tier ist weit mehr als eine tragisch-groteske Leidensgeschichte: Sie ermöglicht die Flucht aus den Fesseln der Familie, widersetzt sich den Ökonomien der Arbeitswelt und wirft die Frage auf, wie wir zusammenleben. Jenseits der Abstammung verweist sie auf Formen der Verwandtschaft, die nicht auf die Grenzen der menschlichen Gesellschaft be-schränkt sind: auf ein Sich-verwandt-machen mit anderen Spezies, wie es die Biologin und feministische Theoretikerin Donna Haraway beobachtet und gefordert hat. Mit all den Hunden, Mäusen, Affen und Käfern, von denen es in Kafkas Erzählungen nur so wimmelt, den Insekten, Spinnen, Pflanzen und Pilzen in unserer Umwelt, mit denen wir mehr teilen, als wir gemeinhin annehmen, und mit den Maschinen und Technologien, mit denen wir mannigfach vernetzt und verwachsen sind.
Für die Choreografin Doris Uhlich, die für ihre körperlich intensiven Arbeiten mit diversen Ensembles bekannt ist und 2024 mit dem österreichischen Kunst-preis für Darstellende Kunst ausgezeichnet wurde, bedeutet sich verwandeln nicht, die Welt wieder zu verzaubern. Es bedeutet, sich der Umwelt zuzuwenden, indem man sich ihr aussetzt: indem man sich vermischt, verfremdet, verändert, von der Norm abweicht und vielleicht sogar verweigert, statt zu funktionieren. Das englische Wort „bug“ bezeichnet sowohl den Käfer als auch den Fehler, die Störung. Gemeinsam mit den Schauspieler*innen macht sich Doris Uhlich auf die Suche nach erweiterten Formen von Bewegung und Sprache.
Informationen zum Stück
- V wie Verwandlung
- nach Franz Kafka, Donna J. Haraway and Friends
- Regie: Doris Uhlich
- Ort: Kammerspiele
- Premiere: 27.02.2027
Beteiligte
- Regie: Doris Uhlich
Alle Beteiligten
- Regie: Doris Uhlich