Immer müssen sie es richten: unsere Lehrerinnen und Lehrer. Sie sind es, denen wir uns, unsere Kinder, unsere Zukunft anvertrauen. Wer will überhaupt noch Lehrer*in werden? Was verlangen diese Menschen von sich, was verlangt die Gesellschaft von ihnen? Welche Sprache sollen sie sprechen, welche Kopfbedeckung tragen, welche Lebenshaltung vermitteln? Das neue Stück von Björn Bicker ist ein Auftragswerk des Schauspielhaus Bochum. Zu erleben an Orten, die unser Zusammenleben in der Stadt gestalten: von Rathaus über Bücherei bis Aula, von Gericht bis Turnhalle.

Warum das Thema Lehrer*innen?

Björn Bicker: Ganz oft enden politische Debatten mit dem Satz: „Damit müsste man eigentlich schon in der Schule anfangen.“ Egal, ob es um die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft geht oder um den gesellschaftlichen Zusammenhalt – die Pädagog*innen sollen’s richten.

Malte Jelden: Unsere Gesellschaft hat ein schizophrenes Verhältnis zu ihren Lehrer*innen. Keine Berufsgruppe wird gleichzeitig so gebraucht und so fertiggemacht. Mit all diesen Widersprüchen verschaffen wir ihnen jetzt Gehör. Und zwar nicht in der Sprechstunde, nicht im Lehrerzimmer – sondern im Theater, im öffentlichen Raum.

Wie sind deine eigenen Erfahrungen mit Schule?

Malte Jelden: Alle in meiner Familie waren oder sind Lehrer*innen: Großeltern, Eltern, Tanten und Onkels, Cousins und Cousinen. Ich kenne alles: jeden Tag Mittagsschlaf, jede Ferien in Urlaub fahren, Korrigieren bis der Arzt kommt, ständig Klassenausflüge im eigenen Garten. Dass ich selber kein Lehrer geworden bin, hat mir mein Vater bis heute nicht verziehen. (lacht)

Wie entsteht der Text?

Björn Bicker: Ich führe Gespräche mit Lehrer*innen in Bochum, besuche Schulen und Unterrichtsstunden. Ich sammle Material. Und aus dem Material wird sich eine literarische Form ergeben: eine Klage, ein Liebeslied, ein Chor, ein Manifest, eine Farce – oder alles zusammen!

Mehr Weniger
Sa, 04.05.
Premiere
Team: