Im griechischen Mythos von Amor und Psyche reist die schöne Psyche in die Unterwelt, um für die Göttin Venus eine Salbe zu besorgen. In Lewis Carrolls Erzählung stürzt Alice durch einen Kaninchenbau in das Wunderland und erkundet den fantastischen Ort. Die junge Dorothy wird bei Lyman Frank Baum von einem Wirbelsturm in das Land der Munchkins gefegt und folgt dem gelben Ziegelsteinweg in die Smaragdstadt.

Inspiriert von dem Archetypus des „kleinen Mädchens“, welches eine Reise ins Unbekannte antritt, begibt sich das Theaterkollektiv BVDS auf eine feministische Reise in die Unterwelten. Wie kann eine „Heldenreise“ aussehen, wenn die Frau nicht das begehrte Objekt am Ende der Reise, sondern die Reisende selbst ist? Untersucht wird keine physische Reise, sondern das Reisen ins Innere – nicht als Übung in Vorstellungskraft, sondern als ein realer und tiefgreifender Prozess der Transformation.

Basierend auf dem Medizinrad der Inka, einer Art Landkarte der spirituellen Einswerdung mit der Schöpfung, beschreibt die Schamanische Reise in die Unterwelt die Befreiung vom Zugriff des Todes. Sich den eigenen Ängsten zu stellen, bedeutet auch, diese zu überwinden und damit die tief verborgenen Gedanken und Verbindungen zu lösen: sich selbst mit all den Fehlern und Problemen konfrontieren und sie zu akzeptieren. BVDS gehen auf ihrer Suche nach Transformationen vom Prinzip aus, dass alles imaginär ist. Alles, was wir wahrnehmen, ist eine Projektion unserer inneren Welt, sodass die (Außen-)Welt den Zustand unserer Seele perfekt widerspiegelt. Wie sehen also diese Unterwelten aus, in die das „kleine Mädchen“ Ebene um Ebene ins eigene Unbewusste hinabsteigt und sich den leibhaftigen Auswüchsen der eigenen Angst stellt?

Hinter der Abkürzung BVDS stecken die niederländischen Theatermacherinnen Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot, die nach Headroom nun mit einer Neukreation ans Schauspielhaus Bochum zurückkehren. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Performance und Videoinstallation und erschaffen so eine Synergie aus darstellender und bildender Kunst: Zwischen der Black Box des Theaterraums und dem White Cube der Galerien eröffnen BVDS einen eigenen Grey Space, Grenzräume, die dazu einladen, sich auf die neu entstehende (virtuelle) Welt einzulassen und neue Realitäten zu träumen.
 

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Fr.20.01.
Premiere
  • Premiere: 20.01.2023
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