Der US-amerikanische Choreograf und Tänzer Trajal Harrell kombiniert Tanzstile aus unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Kulturen zu einer einzigartigen Bewegungssprache voller Referenzen und Humor. Es vereinen sich Elemente von Pop, Fashionshows, theatralische Posen und skulpturale Momente zu hintergründigen Reflexionen über Körper, Kultur und Sexualität. Für Bochum entwickelt Harrell eine neue Arbeit speziell für das legendäre Foyer des Schauspielhauses: eine Séance de travail.

Was hat das Bochumer Foyer, was die Bühne nicht hat?

Trajal Harrell: Ich mag, dass dieser Ort so spektakulär unspektakulär ist. Dieses Foyer hat eine große Eleganz, und ich dachte sofort daran, daraus einen Laufsteg zu machen. Meine Arbeit beginnt immer auf dem Laufsteg.

Was ist so faszinierend an der Modewelt?

Trajal Harrell: An einem bestimmten Punkt meiner Karriere habe ich begonnen, die Beziehung zwischen den Bewegungen auf dem Laufsteg und dem zeitgenössischen Tanz zu untersuchen. Denn: Das Spektakel der Mode begann am gleichen Ort wie das Corps de ballet: am Hof ​​von Louis XIV. Ich habe ein Forschungsprojekt über „Voguing“ gemacht, verstanden als Tanztradition, die sich die Sprache der Mode angeeignet hat. Außerdem habe ich mich mit japanischem Butoh-Tanz auseinandergesetzt, der sich im Gegensatz zum Voguing für Dinge interessiert, die nicht glamourös oder hübsch sind: Kranke, Behinderte, Arme, Schwache.

Was bedeutet Séance de travail?

Trajal Harrell: Der Modedesigner Helmut Lang verwendete diesen Titel für seine Modeschauen. Ich mag es, dass dabei die Vorstellung von einem Arbeitsprozess anklingt und nicht nur die Show selbst im Vordergrund steht. Ich mag auch das Spielerische des Wortes Séance, da Butoh davon ausgeht, dass die Toten durch die Körper der Lebenden tanzen. Séance de travail scheint unabsichtlich einige der wichtigen Fäden meiner ästhetischen Interessen zu verbinden.

Du wirst mit Tänzer*innen und Schaupieler*innen arbeiten.

Trajal Harrell: Als Choreograf bedeutet ein Schauspielhaus eine ganz andere Art, über das Publikum und dessen Erwartungen nachzudenken. Die Herausforderung ist: Wie kann man eine Liebesbeziehung zu einem Publikum aufbauen, das vielleicht keine Ahnung hat, woher man kommt oder was man bisher gemacht hat?

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Sa, 06.04.
19:30
Premiere
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