Der alte König Hamlet ist tot, sein Mörder und Bruder Claudius sitzt jetzt auf dem Thron. Prinz Hamlet verzweifelt und zwingt sich zum Handeln. Shakespeare machte um das Jahr 1600 aus einer bekannten Legende die Geschichte einer bis heute faszinierenden Sinnsuche, in der sich extreme Klarheit, Zerstörungslust, Idealismus und Verblendung blitzschnell abwechseln, mit tödlichen Folgen. Er schuf mit der Titelfigur eine der faszinierendsten Rollen der europäischen Theatergeschichte – zeitlos.

Was fasziniert dich an Shakespeare?

Johan Simons: Nach Othello 1993 mit meiner Kompanie Hollandia und König Lear 2013 an den Münchner Kammerspielen wird Hamlet meine dritte Shakespeare-Inszenierung. Mich fasziniert seit jeher, wie Shakespeare eine große philosophische Kraft lebendig und spielbar macht. Er ist ein Virtuose der Sprache. Er kreiert dauernd Neologismen, also Sprachneuschöpfungen, indem er zum Beispiel Substantive in Verben verwandelt. Das gibt den Gedanken eine besondere Beweglichkeit.

Welche Assoziationen weckt Shakespeare?

Johan Simons: Ein Stück von Shakespeare ist wie ein großes Fenster, durch das man in einen Wald blickt. Griechische Autoren wie Aischylos sind wie eine Wüste oder eine Eisfläche. Shakespeare ist wie ein Wald mit Hügeln, Bäumen, Teichen und Moorseen. Man rutscht leicht aus, der Boden ist glitschig.

Was ist der Kern des Stücks?

Johan Simons: „To be or not to be.“ Nicht umsonst ist der Satz so berühmt. Hier versucht jemand herauszufinden, ob es ein Recht auf Existenz gibt. Was ist der Sinn unseres Lebens, wenn eine Lüge so oft als Wahrheit gilt? Meiner Meinung nach ist Hamlet extrem empfindlich und kompromisslos, er erträgt keine falschen Fassaden. Das zerstört ihn.

In Bochum wird Hamlet von einer Frau gespielt. warum?

Johan Simons: Ich möchte kein großes Thema daraus machen. Eigentlich ist es normal, dass eine Frau Hamlet spielt: Sarah Bernhardt, Asta Nielsen, Angela Winkler, Katja Bürkle, Abke Haring, viele andere. Der Stoff handelt von Geisteskraft und der Dynamik des Denkens.

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Sa, 15.06.
19:30
Premiere
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