Der alte König Hamlet ist tot, sein Mörder und Bruder Claudius hat seine Witwe Gertrud geheiratet und sitzt jetzt auf dem Thron. Prinz Hamlet, krank vor Trauer, wird vom Geist seines Vaters heimgesucht. Der Geist befiehlt ihm, ihn zu rächen. Dieser Auftrag treibt Hamlet immer weiter in die Isolation. William Shakespeare machte 1602 aus einer europäischen Legende die philosophische Geschichte einer bis heute faszinierenden Sinnsuche. In der Regie von Johans Simons mit Sandra Hüller in der Titelrolle wird Hamlet zu einem Plädoyer für radikale Ehrlichkeit.

Was fasziniert dich an William Shakespeare?

Johan Simons: Mich fasziniert seit jeher, wie Shakespeare eine große philosophische Kraft lebendig und spielbar macht. Er ist ein Virtuose der Sprache. Ein Stück von Shakespeare ist wie ein großes Fenster, durch das man in einen Wald blickt. Griechische Autoren wie Aischylos sind wie eine Wüste oder eine Eisfläche. Shakespeare ist wie ein Wald mit Hügeln, Bäumen, Teichen und Moorseen. Man rutscht leicht aus, der Boden ist glitschig.

Was ist der Kern des Stücks?

Johan Simons: „To be or not to be.“ Nicht umsonst ist der Satz so berühmt. Hier versucht jemand herauszufinden, ob es ein Recht auf Existenz gibt. Was ist der Sinn unseres Lebens, wenn eine Lüge so oft als Wahrheit gilt? Meiner Meinung nach ist Hamlet extrem empfindlich und kompromisslos, er erträgt keine falschen Fassaden. Das zerstört ihn.

In Bochum wird Hamlet von einer Frau gespielt. Warum?

Johan Simons: Ich möchte kein großes Thema daraus machen. Eigentlich ist es normal, dass eine Frau Hamlet spielt: Sarah Bernhardt, Angela Winkler, Asta Nielsen, viele andere haben es schon gemacht. Theater vermittelt sich über Gedanken, nicht über Identifikation. Der Stoff handelt von Geisteskraft und der Dynamik des Denkens. Sandra Hüller hat einen flexiblen Geist. Und sie hat eine persönliche Herangehensweise. Sie lehnt jeden Zynismus ab. Sandra erweitert Hamlets Gedanken und füllt sie mit Emotionen, wie nur sie das kann.

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  • Ort: Schauspielhaus
  • Dauer: 2:30h, eine Pause
  • Sprache: Deutsch mit englischen Übertiteln
  • Tags: #Schauspiel
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Video-Trailer: Hamlet
  • Premiere: 15.06.2019
Team:
Rollenbesetzung:
Pressestimmen:

Diesen Hamlet muss man gesehen haben.
Süddeutsche Zeitung, Martin Krumbholz

Die Inszenierung wagt es, zu tanzen mit Irritation und Widersinn, Verrat und Verlust, Spaß und Spott, Narretei und Drolerie, Tod und Verzweiflung. So gewinnt sie Schönheit, Anmut und Befremden, graziöse Wucht, uneindeutige Zeichenhaftigkeit, Tiefe und Klarheit.
nachtkritik.de, Andreas Wilink

Es ist ein Fest, sich das anzuschauen. Ein sehr starker Abend, der berechtigt mit Standing Ovations gefeiert wurde.
Deutschlandfunk Kultur, Christoph Ohrem

Mehr Pressestimmen

Johan Simons‘ Inszenierung ist reich an hochkonzentrierter Psychologie und schafft großes Mitgefühl. Ein Hamlet, der mich berührt hat, und den ich in all seiner Widersprüchlichkeit verstehe.
3sat Kulturzeit, Susanne Brandl

Das Sein oder Nichtsein ist in Simons' spielerisch kluger Inszenierung kein hohles Zitat, vielmehr Programm: Wenn die Schauspieler aus der ersten Zuschauerreihe heraus agieren, dann sind sie ganze Weilen unter uns, verwischen die Grenze zwischen Bühne und Parkett und machen die Sache, die sie da verhandeln, zu unserer.
Spiegel Online, Bernd Noack

In einem vollen Haus präsentiert das Schauspielhaus einem applauswütigen Publikum eine der beste „Hamlet“-Inszenierungen der letzten Jahre.
Die deutsche Bühne, Maike Grabow

Johan Simons hält den ganzen Abend in einer spannungsvollen Schwebe und beweist einmal mehr meisterhaftes Timing und Mut zur Leichtigkeit. Ein großer Abend.
Kölner Stadtanzeiger, Regine Müller

Johan Simons zeigt sich am Schauspielhaus Bochum erneut als grandioser Regisseur. […] Das Publikum ist am Ende der fast dreistündigen Aufführung aus dem Häuschen. So einen langen Applaus hat man in Bochum selten vernommen.
Ruhr Nachrichten, Max Kühlem

Nicht enden wollender Jubel bei der Premiere und stehende Ovationen für Ensemble und Regie-Team.
kulturkenner.de, Andreas Wilink

Am Ende ergießt sich ein Jubel über den Saal, wie man ihn an dieser Stelle länger nicht gehört hat.
WAZ, Sven Westernströer

Sein oder Nichtsein – das ist die Phrase. Der Rest, vor und nach der Pause, ist Reden, gewitzt und gebrochen, befreit und befangen, einsilbig und vielsagend.
FAZ, Patrick Bahners

Ein großer Abend.
Westfälischer Anzeiger, Elisabeth Elling

Simons entfernt sich nicht nur durch die nicht unübliche Besetzung mit einer Frau von Peter Zadeks legendärer Bochumer Inszenierung oder der des polnischen Punk-Regisseurs Jan Klata. Sein Anspruch, das Gedankendrama so spontan, so scheinbar improvisiert zu sprechen, dass es frisch und lebendig über die Rampe kommt, löst Hüller brillant ein.
Recklinghäuser Zeitung, Bernd Aulich

Als jüngsten Monsterstreich, als habe er nach der Penthesilea unbedingt noch eins drauf setzen wollen, hat Simons im Juni 2019 in Bochum dann den Hamlet mit Hüller in der Titelrolle präsentiert. Ein Shakespeare-Konzentrat, das man als Essenz und Gipfelglück dieser schon sehr grandiosen Zusammenarbeit bezeichnen kann.
Theater heute, Wolfgang Höbel