François verfolgt die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Die alten Parteien haben sich mit dem Spitzenkandidaten der muslimischen Partei verbündet, um den rechten Front National zu verhindern. Der charismatische Muslimbruder, Mohammed Ben Abbes, vereinigt immer mehr Stimmen auf sich, dabei kommt es in Paris zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen. François flüchtet aus der Stadt. Als er zurückkehrt, ist sein Land ein anderes: ein muslimisches. Ben Abbes ist Staatspräsident, ändert die laizistische Verfassung, führt die Theokratie ein, die Scharia, das Patriarchat und die Polygamie. Wird auch François konvertieren? – Michel Houellebecqs provokante Zukunftsvision zeigen wir auch in Kombination mit einer Adaption seines früheren Romans Plattform.

Warum die Kombination mit Plattform?

Johan Simons: „Sie werden mich bald vergessen.“ Diese Worte der Hauptfigur Michel stehen am Ende von Plattform. Sie fassen eine Weltanschauung zusammen: Die westliche Zivilisation humpelt auf nur noch einem Bein, eine Ära ist vorbei und mit ihr alle Chancen, glücklich zu werden. Die Frage ist: Was jetzt? Houellebecqs jüngster Roman Unterwerfung bietet eine Antwort.

Nämlich welche?

Johan Simons: In dieser Fiktion der Zukunft ist die chaotische, neoliberale Welt von Plattform einer neuen Ordnung gewichen. Frankreich wird von einer demokratisch gewählten Muslimbruderschaft regiert. Die neue Regierung wird für ein stabiles soziales Klima sorgen. Der Preis war: die Einschränkung einer Reihe von Freiheiten, die Unterwerfung der Frauen und die Ablehnung der Werte der Aufklärung.

Was intersssiert dich daran?

Johan Simons: Die Hauptfigur in Unterwerfung, François, überlegt, sich dem auferlegten muslimischen Glauben zu unterwerfen. Er sagt: „Es wäre die Chance auf ein zweites Leben, das wenig mit dem ersten zu tun hat.“ Er leidet unter einer defätistischen Sicht auf die westliche Gesellschaft und sein eigenes Leben und hofft auf eine neue Chance, glücklich zu sein. Auch in der Liebe. Diese Sehnsucht wirkt verführerisch.

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