Text

→ 26.–28.06.2026: Wir sind das Stadtbild

Es geht nicht nur politisch heiß her momentan. Auch sprachlich schenkt man sich (nicht nur hierzulande) wenig. Beschimpfungen, die öffentlich gegenüber dem Bundeskanzler fallen, werden geahndet. Es wird diskutiert, ob und wie Kritik am Staat Israel geäußert werden darf. Noch nie gab es so viele Ermittlungen wegen bloßer Worte, egal ob es um Migration, Klimapolitik, die Ukraine oder den Nahostkonflikt geht. Oder um den Freibadbesuch, die tiefgreifenden Krisen öffentlicher Haushalte und Institutionen, um strukturelle Ungleichheit und Rassismus, um  das Verhalten bei Socialmedia. Ist damit der Selbstzensur Tür und Tor geöffnet – oder sind Grenzziehungen dringend geboten? 

Höchste Zeit, sich darüber zu verständigen, was eigentlich unter „Meinungsfreiheit“ in einer demokratisch verfassten Gesellschaft fällt und wo die unzulässige Beschimpfung beginnt. Wo ist Widerstand in einer Demokratie notwendig und welche Formen und Mittel sind dabei zulässig? Taugen juristische Entscheidungen tatsächlich dazu, politische Meinungsverschiedenheiten zu entscheiden? Brauchen wir mehr oder weniger Grenzen des Sagbaren? 

Der Journalist und Jurist Ronen Steinke, dessen jüngstes Buch Meinungsfreiheit derzeit für viel Furore sorgt, und die Politologin und Publizistin Saba-Nur Cheema, die seit Jahren für politische Bildung, für Austausch und Dialog kämpft, diskutieren über Spielräume der Meinungsfreiheit und Formen des Widerstands gegen zunehmend verhärtete Fronten. Es moderiert Thembi Wolf, Redakteurin im Kulturressort des stern und Teil des Journalist*innenkollektivs Collectext. 

Saba-Nur Cheema ist Politologin, Erziehungswissenschaftlerin, Autorin und Antirassismus-Trainerin. Seit über 20 Jahren arbeitet sie an der Schnittstelle von Bildung, Wissenschaft und Praxis. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen politische Bildung, Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus, muslimisches Leben in Deutschland sowie der jüdisch-muslimische Dialog. An der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main baute sie den Bereich der pädagogischen Programme und Projekte auf, den sie bis 2021 leitete. Von 2022 bis 2025 forschte sie an der Goethe-Universität Frankfurt zu Antisemitismus unter jungen Kindern. Als Präsidiumsmitglied des Goethe-Instituts und ehemaliges Mitglied des Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit der Bundesregierung – der nach den rassistischen Anschlägen in Hanau 2020 einberufen wurde – bringe ich diese Perspektiven in wissenschaftliche, politische und zivilgesellschaftliche Kontexte ein. Gemeinsam mit ihrem Mann Meron Mendel schreibe sie seit 2021 die monatliche FAZ-Kolumne „Muslimisch-Jüdisches Abendbrot“. Eine Auswahl der Kolumnen ist in einem Essayband bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Ronen Steinke ist Leitender Redakteur und Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung. Er studierte Jura und Kriminologie, arbeitete in Anwaltskanzleien, einem Jugendgefängnis und beim UN-Jugoslawientribunal in Den Haag. Seine Promotion über die Entwicklung der Kriegsverbrechertribunale von Nürnberg bis Den Haag wurde von der FAZ als „Meisterstück“ gelobt. Seine 2013 veröffentlichte Biografie über Fritz Bauer, den mutigen Ermittler und Ankläger der Frankfurter Auschwitz-Prozesse, wurde mit Der Staat gegen Fritz Bauer preisgekrönt verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2017 erschien sein hochgelobtes Buch Der Muslim und die Jüdin. Die Geschichte einer Rettung in Berlin. 2020 folgte Terror gegen Juden. Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt, 2022 der Bestseller Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich. Die neue Klassenjustiz und 2023 Verfassungsschutz. Wie der Geheimdienst Politik macht. Sein jüngstes Buch Meinungsfreiheit. Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen wurde für den Deutschen Sachbuchpreis 2026 nominiert.

Wir sind das Stadtbild

Wir wollen dem Zorn, der Verunsicherung und den verhärteten politischen Fronten etwas entgegensetzen: wir wollen reden, tanzen, lachen und singen! Euch erwartet ein volles Programm auf den verschiedenen Bühnen des Schauspielhauses, u.a. mit einem Konzert von Ebow, einem Besuch von Cute Community Club, einem Talk über Meinungsfreiheit und Widerstand mit Saba-Nur Cheema und Ronen Steinke, einer  Stand-Up-Show mit Orit Nahmias und der vierten Ausgabe von What a Crime mit Şeyda Kurt und Anna Dushime. Außerdem gleich zweimal unser gefeiertes Stück Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten. Kommt vorbei, wir freuen uns auf Euch - denn wir sind das Stadtbild!

Zu den weiteren Veranstaltungen im Rahmen von Wir sind das Stadtbild

Mehr Weniger

Informationen zum Stück

  • Spielräume
  • Über Meinungsfreiheit und Widerstand
  • Podiumsdiskussion mit Saba-Nur Cheema und Ronen Steinke
  • Moderation: Thembi Wolf
  • Ort: Schauspielhaus

Beteiligte

  • Moderation: Thembi Wolf
Alle Beteiligten
  • Moderation: Thembi Wolf