„Mütter, macht euren Töchtern die Lektüre zur Pflicht“, empfahl der Marquis de Sade sein eigenes Buch. Ein Buch, das die Zeitgenossen allerdings als obszön und unmoralisch auf den Index setzten. Sade wusste zu schockieren. Nun ist die Zeit reif für Die Philosophie im Boudoir auf der Theaterbühne! Das Buch von 1795 ist ein Werk, das man sicher nicht als realistisch lesen sollte. Eine kleine Gruppe adeliger Libertins, Männer und Frauen aus den besten Gesellschaftskreisen, führen ein junges Mädchen in die Sexualität ein. Der freie Wille geht bei ihnen über alles. Herbert Fritsch, gefeierter Regisseur und Schöpfer von Kult-Abenden wie Murmel Murmel oder Pfusch, nimmt sich bei seiner ersten Bochumer Inszenierung dieser radikalen Geschichte an. Ein lustvolles Spiel mit der Fantasie. Wer traut sich?

Warum dieser Stoff?

Herbert Fritsch: Die Literatur des Marquis de Sade hat mich als junger Mensch nachhaltig verstört. Nicht negativ. Sie war eine Irritation, die mein Denken und meine Gefühle mobilisierte. Heute weiß ich: Man muss sich auf extreme Gedanken einlassen, um sein eigenes Denken zu trainieren. Man muss Gedanken aus dem Giftschrank holen und sich ihnen stellen. Es geht überhaupt nicht um Provokation. Es geht um das Unerwartete in einem selbst. Man darf das Spiel im Theater nie vergessen. Und de Sade spielt mit den Möglichkeiten des menschlichen Daseins.

Ist de Sade aktuell?

Herbert Fritsch: Sehr. Er zeigt, wie dünn die Decke der Zivilisation ist. Dabei hat er das ja nicht erlebt, was er schreibt, er hat es fantasiert. Wir sind aber heute so realitätsgläubig, dass wir denken, mit Dokumentarischem kämen wir der Wahrheit – zum Beispiel in der Politik – auf die Spur. Doch jede Kamera endet irgendwann vor einer verschlossenen Tür. De Sade aber hat das Dokumentarische überwunden. Er hat Räume aufgemacht, in die sonst keiner kommt. Deshalb haben sie ihn ja auch weggesperrt, weil sie Angst vor der Macht der Fantasie hatten.

Du wolltest schon lange diesen Stoff inszenieren, hast dich aber noch nicht getraut. Warum jetzt?

Herbert Fritsch: Ich möchte in Bochum besondere Dinge tun. Ich habe ja hier bei Frank Castorf, als Leander Haußmann Intendant war, einmal selbst gespielt, sogar den Marquis de Sade. Nun bin ich Regisseur und Bühnenbildner. Ich kehre zurück, und das fühlt sich sehr gut an.

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Sa, 22.12.
19:30
Premiere
Mo, 31.12.
16:00
Silvestervorstellung
Mo, 31.12.
20:00
Silvestervorstellung
inkl. Eintritt für Silvesterparty
Fr, 04.01.
19:30
Team: