Theater in Deutschland wird in aller Regel von einer weißen, elitären Oberschicht bestimmt. Aber warum ist das eigentlich so? Spiegeln die Probleme dieser Bevölkerungsgruppe immer noch das Denken des Publikums? Gibt es auch andere, minoritäre Perspektiven auf den Stückekanon, der die Stadttheater der Gegenwart beherrscht? In seiner Stückentwicklung, die von Gerhart Hauptmanns Arbeiterdramen Die Weber und Vor Sonnenaufgang ausgeht, thematisiert der belgische Regisseur Benny Claessens einen unterschwelligen Rassismus, der auch innerhalb des um Political Correctness bemühten Theater- und Kunstsystems tief verwurzelt ist.

Was sind die Probleme der Weißen?

Benny Claessens: Das größte Problem der Weißen ist, dass sie die Rasse erfunden haben. In gewisser Weise wird es weniger um die Probleme der Weißen gehen als vielmehr darum, dass wir als Weiße selbst das Problem sind.

Was interessiert dich an Hauptmann?

Benny Claessens: Ich interessiere mich nicht für Gerhart Hauptmann oder irgendeinen toten deutschen Dramatiker. Für diesen Abend interessiert mich eher, dass Hauptmann, wenn man ihn parallel zu einem Buch wie Hegel und Haïti von Susan Buck-Morss liest, als großer Witz erscheint. Es hilft auch, dass ich nichts von dem Dialekt, den die Charaktere Hauptmanns sprechen, verstehe.

Welche Rolle spielt die Zeche Eins?

Benny Claessens: Solche Gebäude lassen mich immer an das Theater der Neunzigerjahre denken. Damals dachten ein paar reiche Kids, dass dort zu arbeiten roh und real wäre. Tatsächlich konnten sie aber nicht mit der Realität einer rohen Fabrik umgehen, weshalb sie alles sauber machten und eine Tribüne und eine Bar rein bauten, wo billiger Weißwein serviert wurde. Ich würde die Zeche gerne den Arbeitern zurückgeben, als ob die Figuren der Aufführung ihre Geister wären, die uns heimsuchen und ihren rechtmäßigen Ort von der weißen Pseudo-Elite zurückfordern.

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Fr, 02.11.
20:30
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Premiere
Sa, 03.11.
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Fr, 09.11.
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Sa, 10.11.
19:00
So, 11.11.
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Fr, 23.11.
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Sa, 24.11.
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