Mit Glück oder Optimismus hat das nichts zu tun ­– diese würden unter „Old Joy“, alte Freude, fallen. In New Joy dagegen setzt sich die US-Choreografin Eleanor Bauer dem Chaos, dem Exzess und der Absurdität des Lebens im post-faktischen Informationszeitalter aus. Inwieweit sind wir in der Lage, echte Informationen von Rauschen zu unterscheiden? Können wir neue Formen der Verständigung finden, indem wir besser miteinander und mit Maschinen zusammenarbeiten?

Um die Herausforderungen unserer Zeit bei den Hörnern zu packen, erfindet New Joy eine Version des Dadaismus des 21. Jahrhunderts: den „Dataismus“ – Sprungregister zwischen verschiedenen Sprachen und Formen, von Körpersprache zu gesprochener Sprache zu Computersprache und wieder zurück. Von der emotionalen zur künstlichen Intelligenz. Von der Bewegung zum Klang. Bauer und ihr Mitstreiter, der Komponist Chris Peck erschaffen ein dataistisches Cyber-Acapella-Musical. Lassen Sie sich in das Auge dieses sinnlichen Informationssturms entführen, in dem ein Trainingsprogramm auf alle wartet, die mit dem Leben im Jetzt kämpfen.

Was meint New Joy?

Eleanor Bauer: Heutzutage polarisieren sich Weltanschauungen in Medienblasen. Empörung ist die meistgeförderte Emotion in der Aufmerksamkeitsökonomie. Doch was ist aus dem Traum vom Internet als Demokratisierungsinstrument geworden, das Menschen weltweit in offenen und anonymen Datenströmen verbindet? Ich blicke zurück, um nach vorne zu schauen: Wenn wir die Technologie annehmen, um uns zu verbinden, wie können wir dann die Neugierde auf unsere Unterschiede schulen, statt uns in Meinungsverschiedenheiten zu verlieren? Ich denke, die Antwort liegt nicht in einfachen Gefühlen, die durch Emojis ausgedrückt werden, sondern in subtileren Registern, die nur durch tiefe Empfänglichkeit für andere zu finden sind – um Freuden zu entdecken, für die wir noch keine Namen oder Gesichter haben. New Joy ist diese „neue Freude“: eine Hochzeit von künstlicher mit emotionaler Intelligenz. Unser Trainingsprogramm für die Zukunft!

Was erwartet uns?

Eleanor Bauer: Ein matschiges Cyber-Acappella-Musical, voller Gesang, Tanz, Text, Berührung und digitaler Musikprozesse. Druckempfindliche Instrumente werden Klänge auslösen, auch das Publikum kann teilnehmen, was die Unvorhersehbarkeit des Stückes erhöht. Jede*r schickt Nachrichten. Jede*r ist eingeladen, Sinn zu machen mit allen Sinnen in einem „Big Data“-Mikrokosmos.

Zum ersten Mal arbeitest du an einem deutschen Stadttheater.

Eleanor Bauer: Ja! Ich fühle mich geehrt und freue mich auf die Möglichkeiten. Das technische und künstlerische Team ist fantastisch. Ich werde mit dem Bochumer Ensemble, einigen freien Tänzer*innen und meinem musikalischen Partner Chris Peck arbeiten, dazu eine Gruppe von Designern, die an der Gestaltung der Instrumente, Kostüme und des Bühnenbilds arbeiten. Ein wahres Gesamtkunstwerk!

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Sa, 23.02.
19:30
Premiere
So, 24.02.
17:00
Mi, 27.02.
19:30
Fr, 01.03.
19:30
So, 10.03.
17:00
Team: