Am 22. März 1933 eröffnete das NS-Regime ein Konzentrationslager auf dem Areal der stillgelegten Königlich Bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik Dachau. Mehr als 200.000 Gefangene aus mehr als 40 Nationen waren im KZ Dachau inhaftiert, mindestens 41.500 Menschen starben dort an Hunger, Krankheiten, Folter, Mord und den Folgen der Haft. Unter ihnen auch zirka 2.100 Niederländer*innen. Sie waren zumeist Opfer von Massenverhaftungen, mit denen ab 1943 der stärker werdende Widerstand gegen die deutsche Besatzungsherrschaft gebrochen werden sollte. Wegen angeblicher Arbeitsverweigerung verhängte die Gestapo auch gegen zahlreiche Zwangsarbeiter*innen KZ-Haft.

Das Schauspielhaus Bochum und die niederländische Gruppe De Warme Winkel kooperieren bei einem Theaterprojekt über diesen Ort. Ausgangspunkt der Aufführung ist die Bühnenadaption eines nie verfilmten Drehbuchs über eine Reise von ehemaligen niederländischen KZ-Häftlingen zum Konzentrationslager Dachau Jahrzehnte nach ihrer Befreiung. Der Theatermacher und Schauspieler Ward Weemhoff hat dieses Drehbuch von seinem Vater geschenkt bekommen. Es inspirierte ihn und De Warme Winkel zu diesem Theaterabend. Neben der Erzählung verfolgt die Aufführung die Frage, was es für die Angehörigen der Babyboomer bedeutet, die letzte Generation zu sein, die noch eine unmittelbare emotionale und familiäre Verbindung zur NS-Zeit und ihren Verbrechen hat. Welche Aufgabe erwächst ihnen daraus? Wie mit dem größer werdenden zeitlichen Abstand zum Erinnerten umgehen und für die heute jungen Erwachsenen lebendig halten? Weil die Zeitzeug*innen im 21. Jahrhundert unweigerlich aussterben, bedarf die Erinnerungskultur auch neuer Formen und hat die Chance zur Imagination und Fiktion im Theater.

Das Besondere an dieser Kooperation aus Niederländer*innen und Deutschen liegt in der Zusammenführung der länderspezifischen Perspektiven auf jene Zeit und den Ort des Konzentrationslagers in Dachau. Auf spielerische Weise ist dieser Gedanke in der Konzeption der Aufführung bereits angelegt: Die niederländischen Schauspieler*innen werden die deutschen Nazis spielen, und die deutschen Schauspieler*innen werden die KZ-Häftlinge verkörpern.
 

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Sa.05.11.
Premiere
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De Warme Winkel über Der Bus nach Dachau
  • Premiere: 05.11.2022
Eine Produktion von Schauspielhaus Bochum und De Warme Winkel, Koproduzent Internationaal Theater Amsterdam
Team:
  • Konzept, Text, Regie: De Warme Winkel
  • Bühne: Theun Mosk
  • Kostüm: Bernadette Corstens
  • Sounddesign: Richard Alexander
  • Lichtdesign: Jan Hördemann
Rollenbesetzung: