Franz Woyzeck ist Soldat und Barbier, Diener des Hauptmanns, aber vor allem: prekäre Existenz, geschundene Kreatur. Er hört immer wieder Stimmen, zeigt deutliche Symptome von Schizophrenie. Ein fanatischer Doktor missbraucht ihn für fragwürdige Experimente – Woyzeck darf nur Erbsen essen, sonst nichts. Sein klägliches Honorar für diese unbekömmliche Diät erhält Marie, die Mutter seines Kindes, die ihn mit dem Tambourmajor betrügt. Als Woyzeck davon erfährt, tötet er sie am Seeufer mit einem Messer und verschwindet schließlich im Wasser. Doch nicht nur Marie hat ihn verraten und gedemütigt, die ganze Gesellschaft hat Woyzeck auf dem Gewissen.

Woyzeck ist kein Stück und doch so viel mehr als ein Stück. Ein sperriges Muster, das immer wieder neue Interpretationen zulässt. In der Bochumer Inszenierung ist Woyzeck nicht nur Opfer der Klassengesellschaft und seine entrückte Wahrnehmung ist nicht nur Begleiterscheinung von Alter und Krankheit. Für Woyzeck ist alles, was er in der Welt wahrnimmt, Information. Alles nimmt er ernst. Dieser innere Mahlstrom von Gedanken macht ihn gefährlich und verletzlich zugleich.

Georg Büchner, der die Arbeit an Woyzeck 1836 begann, war seiner Zeit meilenweit voraus. Mit diesem erst 1913 uraufgeführten schmalen Fragment hielt die Moderne Einzug in die deutsche Dramenliteratur. Der Text enthält ganze Kontinente menschlicher Abgründe, Himmel und Hölle in knappen 27 Szenen. Es geht um nichts Geringeres als die vollständige Deformation des Menschen zum Tier.

Johan Simons bringt Büchners bahnbrechendes Fragment mit Steven Scharf als Woyzeck und Anna Drexler als Marie auf die Bühne des Schauspielhauses.

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  • Ort: Schauspielhaus
  • Dauer: 1:30, keine Pause
  • Uraufführung/Premiere: 15.04.2023
  • Sprache: DE EN

Hinweis: In der Inszenierung gibt es eine Szene mit Nacktheit und angedeuteten sexuellen Handlungen.

Sa.24.02
19:30 — 21:00
Schauspielhaus
Sa.23.03
19:30 — 21:00
Schauspielhaus
Trailer: Siegersbusch Film
Alle Beteiligten
Rollenbesetzung
Pressestimmen

Die Grundidee mit der heruntergekommenen Zirkusmanege ist brillant gedacht, gibt dem Text neue Facetten. Wer den Text so haben will, wie er im Reclam-Heft steht, könnte enttäuscht sein, es ist viel umgestellt, auch gestrichen. Aber dieses Stück als Gedankenraum über die Psyche zu verstehen, ist originell und beeindruckend.
WDR 3 Mosaik, Martin Burkert

Johan Simons seziert im Schauspielhaus Bochum Büchners „Woyzeck“ messerscharf. […] Ein Abend, der auf den federleichten Spielwitz eines Federico Fellini zielt, im Blick auf menschliche Abgründe jedoch eher die sinnierende Schwermut eines Ingmar Bergmann bedient.
Ruhr Nachrichten, Bernd Aulich

Direkt in seinem ersten Auftritt zeigt der grandiose Steven Scharf, aus welch morschem Holz seine Figur geschnitzt ist. Da steht er minutenlang in der Manege und spuckt nur zusammenhanglose Satzbrocken aus. Scharf ist ein Kerl wie ein Baum, doch wie zerbrechlich und abgrundtief traurig er hier schon wirkt, rührt kräftig. [...] Langer Beifall im bestens besuchten Saal.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Sven Westernströer

Mehr Pressestimmen

Wie Scharfs Woyzeck schwankt zwischen Hilflosigkeit und Hinterlist, wie er befangen ist, sich selbst beobachtet und bebt vor Angst, weil er zwar erkennt, was geschieht, aber keine passenden Handlungsweisen findet – das ist einnehmend und erschreckend zugleich.
Westfälischer Anzeiger , Edda Breski

Man hat den Eindruck, bei etwas Einmaligen dabei sein zu dürfen. Bruder Woyzeck.
Wiener Zeitung

Johan Simons versetzt das Stück in die Manege. Dem Text gibt diese Konstellation ganz neue Facetten und Möglichkeiten. Bemerkenswert ist auch, wie präzise das Ensemble zusammenspielt, wie jede Figur ihren Raum hat. Die Inszenierung enthüllt die tiefsitzende Logik der menschlichen Psyche, die in Wahrheit mit Logik, mit Rationalität am allerwenigsten zu tun hat. Es ist ein Abend, der hängen bleibt.
nachtkritik.de

Kooperationen