Woyzeck ist Soldat und Barbier, Diener eines Hauptmanns, aber vor allem: prekäre Existenz, geschundene Kreatur. Er hört immer wieder Stimmen, zeigt deutliche Symptome von Schizophrenie. Ein fanatischer Doktor missbraucht ihn für fragwürdige Experimente – Woyzeck darf nur Erbsen essen, sonst nichts. Sein klägliches Honorar für diese unbekömmliche Diät erhält Marie, die Mutter seines Kindes, die ihn mit dem Tambourmajor betrügt. Als Woyzeck davon erfährt, tötet er sie am Seeufer mit einem Messer und verschwindet schließlich im Wasser. Doch nicht nur Marie hat ihn verraten und gedemütigt, die ganze Gesellschaft hat Woyzeck auf dem Gewissen.

Woyzeck ist kein Stück und doch so viel mehr als ein Stück. Ein sperriges Muster, das immer wieder neue Interpretationen zulässt. In der Bochumer Inszenierung ist Woyzeck nicht nur Opfer der Klassengesellschaft und ist seine entrückte Wahrnehmung nicht nur Begleiterscheinung von Alter und Krankheit. Für Woyzeck ist alles, was er in der Welt wahrnimmt, Information. Alles nimmt er ernst. Dieser innere Mahlstrom von Gedanken macht ihn gefährlich und verletzlich zugleich.

Georg Büchner, der die Arbeit an Woyzeck 1836 begann, war seiner Zeit meilenweit voraus. Mit diesem erst 1913 uraufgeführten schmalen Fragment hielt die Moderne Einzug in die deutsche Dramenliteratur. Der Text enthält ganze Kontinente menschlicher Abgründe, Himmel und Hölle in 27 knappen Szenen. Es geht um nichts Geringeres als die vollständige Deformation des Menschen zum Tier.

Johan Simons bringt Büchners bahnbrechendes Fragment mit Steven Scharf als Woyzeck und Anna Drexler als Marie auf die Bühne der Kammerspiele, eine Koproduktion mit dem Burgtheater Wien.

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  • Eine Koproduktion mit dem Burgtheater Wien
  • Text: Georg Büchner
    Regie: Johan Simons
    Kammerspiele
  • #Schauspiel
Premiere: Frühjahr 2020
Team:
  • Text: Georg Büchner
    Regie: Johan Simons
    Kammerspiele
Pressestimmen:

Johan Simons versetzt das Stück in die Manege. Dem Text gibt diese Konstellation ganz neue Facetten und Möglichkeiten. Bemerkenswert ist auch, wie präzise das Ensemble zusammenspielt, wie jede Figur ihren Raum hat. Die Inszenierung enthüllt die tiefsitzende Logik der menschlichen Psyche, die in Wahrheit mit Logik, mit Rationalität am allerwenigsten zu tun hat. Es ist ein Abend, der hängen bleibt.
nachtkritik.de

Man hat den Eindruck, bei etwas Einmaligen dabei sein zu dürfen. Bruder Woyzeck.
Wiener Zeitung