Die Geschichte ist notorisch und schnell erzählt. Dem Laios, Vater des Ödipus, wird vom Orakel vorhergesagt, dass sein erstgeborener Sohn ihn erschlagen und seine Mutter heiraten werde. Daraufhin gibt er Ödipus nach dessen Geburt zum Sterben fort, der wird aber gerettet, wächst bei Zieheltern auf, hört später, dass dies nicht seine wirklichen Eltern seien, macht sich auf, das Orakel zu befragen, versteht aber die Weissagung nicht, erschlägt auf dem Rückweg seinen Vater Laios als Unbekannten, zieht in Theben ein, löst dort das Rätsel der Sphinx, wird Herrscher und heiratet Jokaste, seine Mutter.

Das alles ist schon geschehen, wenn die Tragödie einsetzt, sie beschäftigt sich damit, diesen Inzest aufzuklären, ans Tageslicht zu holen, und endet damit, dass Jokaste sich das Leben nimmt, Ödipus sich die Augen aussticht und Theben verlässt.

Aber worum geht es wirklich in diesem Stück, das beinah jeder kennt, zumindest verbinden sehr viele Menschen mit Ödipus den Wunsch, mit der Mutter zu schlafen und den Vater zu töten.

Was bedeutet das große Schweigen der Menschen, von denen, so scheint es, ein jeder weiß, oder wissen könnte, was da passiert ist. Wer oder was wird durch die zähe und beharrliche Verhandlung geschützt … ist es der Glaube an die Götter? Ist es das böse Geheimnis hinter einer erfolgreichen Herrschaft, die sich einmal mehr beweisen soll und das nicht kann? Ist es eine Sicht auf die Welt, die sich aber radikal verändern muss, damit die Schöpfung bestehen bleiben kann? Johan Simons entwirft eine andere Lesart dieses berühmten Textes, in der Jokaste dem Ödipus das Opfer verweigert und in der sie nicht stirbt.

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  • Dauer: 2:00h, keine Pause
  • Sprache: Deutsch mit englischen Untertiteln
  • Tags: #Schauspiel
  • CBplayer 1.2.4
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Videotrailer Ödipus, Herrscher
(c) Siegersbusch Film
  • Premiere: 17.10.2021
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Pressestimmen:

Der Intendant des Schauspielhauses Bochum inszeniert die Tragödie nach Sophokles als eine bildgewaltige, hochkonzentrierte Kriminalermittlung. Unter Tatverdacht: der Mensch.
Süddeutsche Zeitung, Cornelia Fiedler

Ein formvollendetes Königspaar - und eine formvollendete Inszenierung, leise, konzentriert, souverän und ungeheuer eindringlich - und mit einer hochinteressanten Neudeutung der Jokaste-Figur. Vermutlich das Perfekteste, was derzeit auf NRW-Bühnen zu sehen ist.
theater:pur, Dietmar Zimmermann

Das großartige Bochumer Ensemble spielt und erkundet die Figuren, taucht in psychologische Tiefen ein, wagt große Gefühle, ohne die intellektuelle Ebene zu verlassen. Das wirkt auf der großen, leeren Bühne mit spiegelndem Bodenbelag auf positive Art altmeisterlich. Ernsthaft und beharrlich – ohne Momente der Komik auszuschließen – erforscht Johan Simons eines der ältesten Stücke des Theaterrepertoires. Und findet ein überzeugendes Gesellschaftsgleichnis.
Die Welt, Stefan Keim

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Die Kraft dieser Schauspieler als Erlebnis zu feiern, liegt nahe, aber auch die Regie ist aller Ehren wert. Simons entwickelt ruhig und behutsam, wie in Zeitlupe und gerade deswegen mit beklemmender Zwangsläufigkeit die alte Geschichte in einem bedrohlichen Kosmos auf spärlichen Bühne (Nadja Sofie Eller), wo die Darsteller mal zu Schattenrissen, mal zu lebenden Requisiten werden. Ein bezwingendes Lichtdesign (Bernd Felder) und die schroffen, ungemütlichen Live-Soundeffekte von Mieko Suzuki überhöhen den Bühnenabend zum Raum-, Licht- und Klangkunstwerk. Den ästhetischen Wert und die Ausstrahlung dieses „Ödipus‘“ kann man kaum überschätzen. Großer, dankbarer Applaus für das Ensemble und den Intendanten an einem Bochumer Theaterabend, der lange nachklingt.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Jürgen Boebers-Süßmann

Man hat den Ödipus schon oft gesehen. Aber hier ist eine sehr originelle neue Version vorgelegt worden. Dieser Ödipus ist so schön gespielt, so süffig erzählt und so spannend inszeniert – mit einem ganz fantastischen Soundtrack und einem wahnsinnig tollen Bühnenbild.
WDR 5 Scala, Christoph Ohrem

In der Reihe der feministischen Umwertungen klassischer Texte ist dies ein Glücksfall: kein Anhängsel, kein Schauspielerinnenkommentar, kein nachgeschobener Protest gegen die Opferrolle, die man spielen musste, sondern Textverschiebungen und -ergänzungen, die kaum zu bemerken sind.
Theater heute, Gerhard Preußer

Elsie de Brauws selbstbewusste und eigenständige Iokaste entwickelt sich aus kleinen Verschiebungen und Ergänzungen, die zu einem großen Teil von heiner Müller stammen. So entsteht eine innere Logik der Figur, die keine aufgesetzten Statements nötig hat.
Theater der Zeit, Stefan Keim